Segeln mit Thomas Rahn: Rhodos – Buzokkale

Mit Thomas Rahn zu segeln ist ein besonderes Erlebnis. Der Hamburger mit dem bayrischen Klang in der Stimme hat sich dem Meer und dem Wind verschrieben und beschert auch Landratten auf seiner Yacht Asterias unvergessliche Erlebnisse. Ich war eine Woche lang dabei zwischen den griechischen Inseln rund um Rhodos. Jeden Tag bin ich im Meer geschwommen, habe lecker gegessen, neue Plätze und herzliche Menschen kennengelernt.

Von Susanne Böhling

Lange hält es Thomas Rahn nicht auf Rhodos. Zuviel Krach, zuviel Menschen, zuviel Auspuffgase. Nur noch schnell die Vorräte auffüllen und dann legen wir auch schon ab, Kurs Nord, Richtung türkische Küste. Nach 10 Seemeilen fahren wir in die tiefe Bucht von Buzokkale, vorbei an den imposanten Resten einer alten Burg – “buzokkale” heißt „kaputte Burg“.

Thomas Rahn kennt schöne Buchten

Von hier aus starteten die Türken die Belagerung von Rhodos. Heute ist hier alles friedlich. Die drei Tavernen sind nur mit dem Boot zu erreichen, es gibt keine Straße hierhin. Die Stromversorgung erfolgt über Solar.

Buzokkale_3 Buzokkale_1

Am Steg vor dem Bozokalle Sailors House liegen nur zwei weitere Schiffe. Ein dunkel gebräunter Mann mit leuchtend blauen Augen hilft uns beim Anlegen, er verkauft Kelims und anderes Kunsthandwerk und beklagt den Rückgang der Besucherzahlen. Auch Susanna, die Thomas schon öfter in diese Bucht begleitet hat, weiß, dass hier in guten Zeiten 10 Boote über Nacht anlegten. In dem rustikal wirkenden Restaurant haben wir die weitläufige Terrasse für uns und werden wir mit leckeren Vorspeisen, Fisch und feinen Octopussies bewirtet. Ein angenehmes Lüftchen macht die Hitze erträglich. Nachts entfaltet sich ein grandioser Sternenhimmel über uns. Morgens werden wir von dem Geschrei eines Esels geweckt.

Segeln Rhodos – Das Finale

Fangen wir bei den Geschichten zu “Segeln um Rhodos mit Thomas Rahn” vom 9. bis 16. Juli mal am Ende an.

Thomas Rahn

Statt nach Rhodos zu segeln, mussten wir in Nisiros bleiben. © Foto: Susanne Böhling

Von Susanne Böhling

Hektik am Ende eines „chilligen“ Urlaubs

Man könnte sich ja etwas darauf einbilden: „Frau Böhling, möchten Sie etwas trinken“, fragt mich die Stewardess auf dem Rückflug von Rhodos nach Düsseldorf und das erschreckt mich wirklich. Anderen Fluggästen schaut sie nicht mal in die Augen, dass sie ihren Namen kennt ist völlig ausgeschlossen. Was andere für ein Privileg halten würden, ist mir zutiefst peinlich. Auch wenn ich gar nichts dafür kann, dass alles so gekommen ist.

Heinz ist krank und ich kann ihm nicht helfen

„Schuld“ ist Heinz (Name von der Redaktion geändert). Als ich Freitagmorgen in Pali auf Nisiros aufwachte, lag er auf dem Deck der Asterias. Völlig fertig, bleich um die Nase, beziehungsweise grün im Gesicht. Die ganze Nacht habe er sich übergeben, zum Schluss nur noch Galle gespuckt. Ich kochte schwarzen Tee und drängte ihm ein Stück trockenes Brot auf, aber auch das konnte er nicht bei sich behalten. Aber mehr konnte ich jedoch nicht für ihn tun.

Entspannen beim Segeln um Rhodos

Da ich in den vergangenen Tagen gelernt hatte, alles etwas langsamer angehen zu lassen, lehnte ich mich zurück. Ich wusste, Captain Thomas Rahn würde schon das richtige machen, mit seiner langjährigen Erfahrung. Die restliche Crew hatte mich außerdem die Kunst des Hard-Core-Chillens gelehrt. Anfangs ging das gar nicht gut. Wenn einer von ihnen sagte: „Ich koche jetzt gleich was“, freute sich mein Magen und der Speichelfluss setzte ein. Bis es dann Essen gab, war mir der Hunger vergangen. Damit kam ich zu Anfang nicht gut klar, später genoss ich, dass es mich umgekehrt ebenfalls von Pflichten entband, dass ich ebenfalls überall so lange verweilen durfte, wie ich wollte ohne dass jemand sauer auf mich sein würde. Das entspannte doch enorm!

Das Ablegen verzögert sich

Leider wurde Heinz Zustand nicht besser und anstatt dass wir nach Rhodos segeln konnten, musste er den Arzt aufsuchen, bekam nach der Auswertung des Blutbildes Antibiotikum, wurde an den Tropf gelegt und musste eine ganze Weile in Mandraki bleiben, bevor ihm die Mediziner bescheinigen konnten, dass er transportfähig sei.

Später Aufbruch zum Flughafen

So konnte ich mich erst Samstag kurz nach Mittag auf den Weg zum Flughafen machen – mein Flieger ging um 13.40 Uhr. Ich hatte zuvor Online eingecheckt, reiste nur mit Handgepäck, also soooo früh musste ich nicht da sein. Vom Hafen aus wusste ich die ungefähre Richtung zum Busbahnhof. Vor der ersten Abzweigung fragte einen Mann, der vor einem Restaurant die Gäste animieren sollte. Der wies mir einen Weg – leider den Falschen! Ich irrte herum, die Zeit wurde knapp, ich entschied mich fürs Taxi. Aber dafür brauchte ich noch Geld. Der erste Automat nahm meine Karte nicht, der zweite befand sich in einem Bankgebäude, das mir Samstagmittag seine Tür nicht öffnete. Ich geriet in Panik.

Ankunft zehn Minuten vor dem Abheben

Endlich, um 13.30 Uhr traf ich am Flughafen ein und fragte mit rasend schnell schlagendem Herzen nach dem Gate für den Abflug nach Düsseldorf. „Da lang, aber rennen Sie“, sagte mir der Mitarbeiter. Außer Atem stand ich an der Sicherheitskontrolle, doch der Mann, der die Bilder im Scanner kontrollierte, ließ mich die Tasche öffnen, durchwühlte meine schmutzige Wäsche. Wieder erklärte ich meine Verspätung mit der kranken Person an Bord, endlich ließ er mich weiter.

Thermoskanne - Auch beim Segeln immer dabei

Der Scanner am Flughafen erkennt eine verdächtige Form in der Tasche mit schmutziger Wäsche. © Foto: Susanne Böhling

13.40 Uhr stand ich an Gate 10 – das längst geschlossen war. Durch die Scheibe sah ich an der Maschine jedoch noch die Gangway stehen, ich rüttelte an der Tür, die übrigen, auf die nächste Maschine Wartenden, wiesen mich an Gate 9. Dort nahm man sich meiner an. Prüfte meinen Ausweis, checkte die Passagierliste, fand mich, bestellte mir den Bus und ließ mich durch die Tür ins Freie. Dort beruhigte sich mein Atem allmählich wieder und auch der Puls wurde langsamer. 13.50 Uhr saß ich klitschnass geschwitzt im Flieger und vertiefte mich zur endgültigen Beruhigung die Zeitung, die ich mir bereits für den Hinflug gekauft hatte.

Wer kennt alles meinen Namen?

Als die Stewardess mit dem Getränkewagen an meinen Platz kam und fragte: „Frau Böhling, möchten Sie etwas trinken?“ erschreckte sie mich damit wirklich furchtbar. Es war mir soooo peinlich. Obwohl ich nichts dafür konnte. Denn ich hätte sehr gern auch den Weg zum Flieger genauso entspannt verbracht wie den übrigen Urlaub. Gut, dass ich nicht weiß, wie oft man mich zum Boarding ausgerufen hat. Sonst hätte ich Angst, dass auch alle anderen Menschen im Flieger meinen Namen wissen und mich bei womöglich unpassender Gelegenheit wiedererkennen.

P.S. Zuhause fiel mir ein, was den Mitarbeiter an der Sicherheitskontrolle so irritiert haben könnte: In meinem Handgepäck lag meine Thermoskanne aus Metall, die durch den Scanner hindurch schon eine verdächtige Form haben kann.

Thomas Rahn

Ganz harmlos, die Thermoskanne in der Reisetasche. © Foto: Susanne Böhling

Mittelalter-Spektakel auf Schloss Hülchrath

Eigentlich waren wir anlässlich des Mittelalter-Spektakels nach Schloss Hülchrath gekommen. So erfahren wir etwas über die geheimnisvolle Burg

Von Susanne Böhling

Burg Hülchrath zum Staunen und Wohnen

Schloss Huelchrath in Grevenbroich ist eine imposante Burg

Ein mächtiges Schloss erhebt sich im Rund des Burghofes von Schloss Hülchrath in Grevenbroich. © Foto Susanne Böhling

Sobald man den Torbogen durchschritt öffnet sich der weite Burghof und offenbarte ein mächtiges Haupthaus mit einem hohen Turm. Zelte deuten auf einem Jahrmarkt, das Mittelalter-Spektakel, zu dem Schloss Hülchrath an diesem Wochenende einlud.

Das ist so beeindruckend, dass man es fast versäumt an die Seite zu schauen, wo man Haustüren zu Wohnungen entdeckt. Anscheinend sind Teile der Burg zu Wohnzwecken vermietet oder verkauft. Ich stelle mir das schön vor: In der Sonne sitzen, ein Buch lesen und auf das historische Gebäude schauen.

Schloss Hülchrath beherbergt Wohnungen

Wohnungstüren auf Schloss Hülchrath © Foto Susanne Böhling

Die Chirurgie im Mittelalter

Beim Gang durch die Zeltreihen erregte ein Stand mit seltsamen Instrumenten aus Metall meine Aufmerksamkeit besonders. Dahinter steht Christoph Kamp.

Mittelalterliche OP-Instrumente

Chirurgia Magna – mittelalterliche Operationsinstrumente sind das Hobby von Christoph Kamp

Er ist Mitglied der Templerkomturei Pinningen aus dem Saarland und zuständig für den chirurgischen Zweig des Heilwesens. Sie stellen die Kreuzzugs-Orden dar, die im Mittelalter ins Heilige Land zogen. Dazu gehörten die Templer, die Johanniter und der Deutsche Orden. Speziell die Johanniter sind der evangelische Zweig der Hospitaliter die das erste Hospital in Jerusalem unterhielten, das dem heiligen Johannes geweiht war. Auf der katholischen Seite standen entstanden aus den Hospitalitern die Malteser. Kamp trägt einen braunen Kittel mit einem weißen Kreuz darauf, dem Zeichen der Johanniter.

Eine Nadel für die Star-Operation am Auge

Die hier gezeigten Metallinstrumente sind Nachbildungen von Instrumenten, die man im Mittelalter zu chirurgischen Eingriffen nutzte. Besonders interessant finde ich ein spitzes Metallinstrument.

Nadel für die Operation am Star

Chirurgia Magna – die Nadel für die Operation eines Stars im Auge © Foto Susanne Böhling

„Damit hat man damals Star Operationen am Auge vorgenommen“, erklärt er mir. Man habe damit seitlich in das Auge gestochen und die trübe Linse ein Stück heruntergezogen, so dass das Licht jetzt wieder durch den klaren Teil auf die Netzhaut fallen konnte. „Der Mensch konnte nach der Operation wieder besser sehen“, versichert er.

Schon damals konnte der graue Star operiert werden

Erschreckend, wenn man an die Narkose-Methoden des Mittelalters denkt: Die Nadel für die Augen OP © Foto Susanne Böhling

Die Holzhammer-Narkose als gängige Methode im Mittelalter

Kaum vorstellbar, wie man damals solche Schmerzen ausgehalten hat. Denn Kamp räumt ein, dass die Narkose Methoden der damaligen Zeit nicht sehr raffiniert waren. Die sprichwörtliche Holzhammermethode war an der Tagesordnung. „Die Leute setzten eine gepolsterte Haube auf. Dann bekamen sie einen Schlag auf den Kopf und sie fielen mit einer leichten Gehirnerschütterung in Ohnmacht.“ Die richtige Steuerung sei das größte Problem der damaligen Narkosen gewesen. Das Wissen um die mittelalterliche Chirurgie hat sich Christoph Kamp nach und nach an gelesen. Er und seine Freunde aus der Templerkomturei Pinningen reisen bisweilen zu solchen Mittelalter-Spektakel wie auf Schloss Hülchrath. Die Kosten dafür tragen Sie selbst, die Veranstalter stellen Holz für das Lagerfeuer zur Verfügung.

Bisam oder Nutria

Link

Seit dem gestrigen Besuch von Schloss Hülchrath steht eine Frage im Raum: Handelt es sich bei dem im Wassergraben von Schloss Hülchrath gesichteten Tier um ein Bisam oder ein Nutria .

Von Susanne Böhling

Vor einer Woche, beim Ausflug der Wanderschwalben wirkte Schloss Hülchrath fest verschlossen. Diesmal war das Tor am Ende des langen Torweges zur Hälfte geöffnet und lockte ins Innere.

Ein Tier - vielleicht ein Bisam - frisst im Schlossgraben treibende Blätter

Nutria oder Biber? Das ist die Frage. Foto: Susanne Böhling

Erst die Tierwelt: Biber, Nutria oder Bisam?

Beim Blick in den Schlossgraben entdecken wir im Wasser schwimmend ein Tier mit Fell – also keinen Fisch. Es frisst Blätter, die auf der Wasseroberfläche treiben. Zuerst vermutet Norbert, es könne ein Biber sein. Doch dann rufen wir uns ins Gedächtnis, dass der einen viel breiteren und platten Schwanz hat. „Ich glaube, der hat auch einen breiteren Kopf“, wende ich weiter ein. Statt dessen vermute ich, dass es eine Bisamratte sei – ein Tier, das zwar Ratte heißt, aber eher mit den Wühlmäusen verwandt ist. Auch das Nutria kommt in Frage. Das ist mit den Meerschweinchen verwandt – wie ich inzwischen gelernt habe. #

Suche im Netz bringt keine letzte Sicherheit

Aber meine Recherchen im Netz zur Thema Nutria brachten mich nicht viel weiter. Das Foto, das ich gemacht habe, ist nicht scharf genug, orange-farbene Zähne waren nicht zu sehen, ich erinnere mich lediglich an weiße Schnurrhaare, die für ein Nutria typisch wären. Ausschlaggebend könnte die Größe sein – Nutrias sind deutlich größer als Bisams, oder auch das Verhalten: Das Tier schien deutlich weniger scheu als bei Bisamrs üblich. Das passt eher zu Nutrias.

Die Schauspieler des Gemeinschaftstheaters Krefeld-Mönchengladbach werden in Zypern spielen

Traumkulisse fürs Theater

Im antiken Theater von Curium auf Zypern wird die Krefelder “Orestie”- Inszenierung gespielt © Cyprus Tourism Organisation

Die Schauspieler des Gemeinschaftstheaters Krefeld-Mönchengladbach werden in Zypern spielen

Von Susanne Böhling

Aufführungen am 5. und 7. Juli auf Zypern

Am „Festival of Ancient Greek Drama“ teilnehmen zu dürfen, ist ein große Ehre. Die Inszenierung der Orestie von Aischylos in der Regie von Matthias Gehrt ist eine der beiden nicht-griechischen Produktionen, die am 5. und 7. Juli in den antiken Theater von Curium und Nikosia aufgeführt werden.

Die Aufführungen des Theaterfestivals auf Zypern 2016

Poster vom diesjährigen Theaterfestival auf Zypern

Auf den dritten Teil wird verzichtet

23 Theaterleute werden nach Zypern reisen, nahezu das ganze Schauspielensemble, sowie Gehrt und die Ausstatterin Gabriele Trinczek. Sie hat in den vergangenen Wochen dafür gesorgt, dass ein mit Stoff behängtes Baugerüst die Rückwand der Inszenierung bilden wird. Auch der der Regieassistent und der Inspizient sind mit dabei. „Auf Kollegen aus Technik, Garderobe und Requisite verzichten wir“, sagt Gehrt. Die Kosten für die Teilnahme werden ohnehin von den Krefelder Theaterfreunden mitgetragen. Leider können nur die ersten beiden Teile der Trilogie aufgeführt werden, weil die Vorstellungen nur zwei Stunden dauern sollen.

Meine Eindruck von der Premiere

Diese Ehre hat sich die Inszenierung redlich verdient – das ist meine Meinung. Ich hatte Gelegenheit, mir die Premiere im Herbst 2015 in Krefeld anzusehen. Schon damals beeindruckte mich die archaische Wucht, zu der Text, Bühnenbild, Regie, Kostüme und das Spiel der Akteure verschmolzen.

Orestie-Aufführung in Krefeld

Eva Spott als mordende Klytaimestra mit Beil auf der Bühne

Kultische Erhabenheit der Inszenierung

Inzwischen habe ich mich mit Hilfe von Bernd Seidenstickers „Das antike Theater“ noch ein bisschen schlauer gemacht. Mir wurde bewusst, dass die antiken Tragödien immer in einem kultischen Zusammenhang aufgeführt wurden, sie waren Teil der religiösen Riten der damaligen Zeit und damit etwas Erhabenes, das ich bei der Inszenierung gespürt habe.

Die Aufführungen in Zypern würde ich mir gerne ansehen.

Mit den Wanderschwalben in Grevenbroich

Das Beste war das Wetter, beim Juni-Ausflug der Wanderschwalben nach Grevenbroich. Aber auch nur, weil in diesem Jahr schon so viel ins Wasser gefallen ist. Ansonsten beeindruckte die Landschaft an Erft und Gilbach, durch die uns Gudrun und Elisabeth führten.

von Susanne Böhling

Idylle schenkt Energie

Wenn ich von der Stadt Grevenbroich höre, denke ich an Braunkohle. Und die dadurch verursachten Wüstenlandschaften. Dieses Bild erschien auch in meinem Kopf, als Gudrun Grevenbroich als Ausgangspunkt für den Juni-Ausflug der Wanderschwalben nannte. Das schob ich jedoch sofort an die Seite. Schließlich weiß ich, dass die Gruppe Frauen, zu der ich seit Ende 2015 gehöre, Idylle bevorzugt, wenn sie einmal im Monat sonntags gemeinsam auf eine 10 bis 15 Kilometer lange Tour geht. Entsprechend war ich pünktlich um 11 Uhr am Treffpunkt, Kloster Langwaden.

Einfahrt zu Kloster Langwaden

Kloster Langwaden, Sitz von Zizterzienser Mönchen. Foto: © Susanne Böhling

Christliche Häuser am Wegrand

Dort beeindruckte mich erst der alte Baumbestand, dann das Gebäude. Zisterzienser Mönche bewohnen und bewirtschaften das Haus, gewähren hier wohnungslosen, alten und Männern in besonderen Lebenslagen Einkehr und Obdach. Von hier aus ging es zielgerichtet auf verschlungenen Pfaden, oft entlang der Erft weiter nach Wevelinghoven. Auch dort beeindruckte uns ein christlich geprägtes Haus, das Seniorenwohnstift St. Martinus (dessen sanitäre Anlage wir nutzen durften).

Anlage von St. Martinus, Seniorenstift in Wevelinghofen, Ortsteil von Grevenbroich

Das Seniorenstift St. Martinus in Wevelingshofen. Foto: © Susanne Böhling

schöner Ausblick auf die Anlage des Seniorenstiftes in Grevenbroich-Wevelinghoven

Gepflegte Anlage des St. Martinus-Stiftes in Wevelinghoven, Foto: © Susanne Böhling

Kunst in Wevelinghoven, Stadt Grevenbroich

Die scherenschnittartige Skulptur in der Anlage des Seniorenstiftes St. Martinus in Wevelinghoven erinnert an Georg Ettls Arbeiten Foto: © Susanne Böhling

Rast an der Erft

Weiter schlängelte sich unser Weg unter der kundigen Führung von Elisabeth und Gudrun, die die Strecke im Vorfeld zur Vorbereitung der Tour bereits einmal abgelaufen waren und schon die Bank für unsere Mittag-Rast ausgeguckt hatten. Mit Blick auf die Erft, die wegen des hohen Wasserstandes braun und schnell an uns vorbei floss.

Die Erft in Grevenbroich führt Hochwasser

Der Ausblick auf die Hochwasser führende Erft bei Grevenbroich bei der Mittagsrast Foto: © Susanne Böhling

Zeit für lebendigen Austausch

Das System, dass sich zwei um die Ausarbeitung der Tour kümmern, und die anderen bequem hinterher laufen können, ist wie für uns Frauen gemacht. Wir können uns auf das Wesentliche konzentrieren. Auf die Gespräche, die für uns so wichtig sind. Da die Mitglieder der Gruppe aus unterschiedlichen Berufen kommen und auch privat unterschiedliche Lebensformen pflegen, kommen wir zu lebendigem, anregendem Austausch, während unsere Beine in langen Schritten voran schreiten. Auch Mühlrath, die Neubrücker Mühle und Neubrück lagen an unserem Weg.

Abstecher nach Hülchrath

In einem willkommenen Abstecher führten uns Gudrun und Elisabeth nach Hülchrath, einem weiteren Ortsteil von Grevenbroich, der laut wikipedia nur 741 Einwohner, aber einen historischen Ortskern hat. Besonders beeindruckend Schloss Hülchrath, das vom Ort aus verschlossen und geheimnisvoll wirkt. Die Burg hat ihren Ursprung im Jahr 900, sie wurde zum Schutz gegen die Wikinger gebaut. Heute finden dort Veranstaltungen statt. Bereits am kommenden Wochenende ein Mittelalter-Spektakel.

Eingang zu Schloss Hülchrath, Grevenbroich

Von der Ortsmitte aus erscheint Schloss Hülchrath verschlossen und geheimnisvoll. Foto: © Susanne Böhling

Schloss Hülchrath in Grevenbroich veranstaltet auch Mittelalter-Spektakel

Schloss Hülchrath wurde ursprünglich als Burg gegen die Wikinger errichtet. Foto: © Susanne Böhling

Wanderschwalben in Grevenbroich

Die Wanderschwalben laufen durch Hülchrath. Foto: © Susanne Böhling

Urwald am Gilbach

Das letzte Stück unseres Weges führte uns entlang des Gilbachs und dort erlebten wir den krassen Gegensatz zu den Mondlandschaften, die ich im Sinn hatte: Der üppige Bewuchs entlang des Pfades erinnerte eher an einen Urwald und hätten Elisabeth und Gudrun ihn bei ihrer Vorbereitungstour nicht schon mit der Machete frei geschlagen, es hätte kein Durchkommen gegeben.

In Grevenbroich findet sich üppiges Pflanzenwachstum

Urwald am Gilbach. Foto: © Susanne Böhling

So aber konnten wir im wunderschönen Biergarten von Kloster Langwaden in der Sonne einen Imbiss genießen!

Kloster Langwaden in Grevenbroich

Der Biergarten von Kloster Langwaden als Ziel der Tour. Foto: © Susanne Böhling

 

Das Copyright auf dem Text liegt bei Susanne Böhling. Wollen Sie ihn oder Teile davon kopieren, benötigen Sie die Zustimmung der Autorin. Bei Verlinkung erbitte ich Nachricht per E-Mail an susanne@boehling.de

 

Der Rheinpegel in Krefeld Uerdingen

Seit Wochen ist der elektronische Pegelstandsanzeiger am Hafenkopf kaputt. Er zeigt nur seltsame Striche und keine Zahlen. Ein Termin für die Reparatur ist wegen des Hochwassers nicht absehbar.

von Susanne Böhling

Der Pegelstand in Uerdingen

Seit Wochen ist er defekt. Der Pegelstandsanzeiger am Kopf des Uerdinger Hafens. „Der Sensor ist kaputt“, nennt der stellvertretende Hafenmeister Andreas G. als Ursache. Zunächst habe es eine Weile gedauert, bis das Ersatzteil geliefert wurde, jetzt verhindert das Hochwasser den Austausch. „Ich schätze, das Wasser muss um mindestens drei Meter sinken, bevor wir an diese Arbeiten gehen können“, sagt er.

Wolken über der Hafeneinfahrt in Krefeld Uerdingen. Fotografiert von Susanne Böhling

Der Hafeneinfahrt in Krefeld Uerdingen. Die Mauer, die sonst zwischen Brückenpfeiler und Hafenkopf den Strom von der Hafeneinfahrt trennt, ist vollständig überschwemmt. Foto: © Susanne Böhling

Information aus dem Internet

Behelfsweise könne man sich im Internet beim „Elektronischen Wasserstraßen-Informationsservice ELWIS“, informieren, einem Dienst der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Unter dem Menüpunkt „Wasserstände“ findet man die Pegel aller schiffbaren Binnengewässer mit Warnhinweisen, falls es zu Einschränkungen des Schiffsverkehrs kommt. Da Krefeld keinen offiziellen Pegel hat, kann man sich am Pegel Ruhrort orientieren. Der betrug am Montag, 20. Juni 2016 um 13 Uhr 736. „Davon muss man nur 20 abziehen, dann hat man unseren Pegelstand“, sagt der stellvertretende Hafenmeister. Das wären also 716. Beachtet man die Pegelstände der stromaufwärts liegenden Städte, lässt sich ungefähr einschätzen, ob es zu einem weiteren Anstieg oder einem Absinken des Wasserstandes kommt. Momentan steigen sie noch geringfügig.

Rückschlüsse vom Pegelstand auf den bevorstehenden Rudergang

Der Pegelstand am Hafenkopf ist für die Ruderer des Uerdinger Ruderclubs UeRC insofern interessant, als sich anhand der Zahl einschätzen lässt, wie man den Strom befahren kann. Bei einem Wert von mehr als 450 lassen sich die Kribben überfahren. Man kann also bergauf näher am Ufer rudern, was weniger Kraft kostet als das Umfahren der Kribbenspitzen, an denen immer besonders viel Gegenströmung herrscht. Beim momentanen Wasserstand kann man in die Hochwasserausgleichsflächen Roos und Spey einfahren, die sonst vom Strom abgeschnitten sind. Doch der hohe Wasserstand bringt auch Probleme mit sich. Das beginnt damit, dass man beim stromauf rudern entlang der Kaimauer des Hafens mit besonders großer Gegenströmung zu kämpfen hat. Liegt dann noch ein Schiff vor der Hafenmauer, das einen recht weit in die Richtung Strommitte zwingt, braucht man ein starke Mannschaft, um die 500 Meter dieses Abschnittes zu überwinden.

Gefahren bei Hoch- und Niedrigwasser

Eine Gefahr lauert bei hohem Wasserstand insofern, als die Schifffahrt dann auch die Innenkurven nutzt (und die Kurven schneidet) – die sonst wegen geringer Wassertiefe meidet und den Ruderern überlässt. Die Ruderer können den Rhein bei hohem Wasserstand also auf der rechten Seite fast ausschließlich zwischen den roten Stangen und dem Ufer und auf der linken Seite zwischen den grünen Stangen und dem rechten Ufer gefahrlos nutzen. Mit diesen Stangen werden Hindernisse markiert – in diesem Fall die Kribben oder Buhnen.

Breit ist der Rhein bei einem Wasserstand über sieben Meter in Krefeld Uerdingen. Fotografiert von Susanne Böhling

Bei Hochwasser fahren die Schiffe auch in der Innenkurve, hier nahe der rechtsrheinischen Seite. Die Buhnen sind vollständig überspült. Foto: © Susanne Böhling

Bei Niedrigwasser, wie es im Jahr 2015 über ein halbes Jahr lang herrschte, ist die Fahrrinne besonders schmal. In Ufernähe lauern an manchen Stellen knapp unter der Wasseroberfläche große Steine. Zieht dann ein vorbeifahrender Frachter auch noch das Wasser weg, sitzt das Boot schnell auf und es kommt zu Schäden. 2015 war davon insbesondere die Danzig betroffen.

Das Copyright auf dem Text liegt bei Susanne Böhling. Wollen Sie ihn oder Teile davon kopieren, benötigen Sie die Zustimmung der Autorin. Bei Verlinkung erbitte ich Nachricht per E-Mail.

Mit der K-Bahn nach Düsseldorf

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die K-Bahn, die uralte Städteverbindung zwischen Krefeld und Düsseldorf noch nie bewusst genutzt hatte. Nun bin ich bekennender K-Bahn-Fan.

von Susanne Böhling

Die Nachteile des öffentlichen Personennahverkehrs

Der öffentliche Personennahverkehr ÖPNV kam nicht wirklich in Frage, als ich zur Arbeit den Weg nach Düsseldorf bewältigen musste. Es hat mir zu lange gedauert und die vielen Menschen, dicht gedrängt, waren mir zu unangenehm. Zwar braucht die Regionalbahn zwischen den beiden Hauptbahnhöfen nur 20 Minuten, aber dahin muss man auch erst mal kommen. Und dann waren es doch mindestens eineinhalb Stunden von Haus- zur Bürotür und umgekehrt. Manchmal, für Privatfahrten, habe ich es dennoch getan. Aber gefallen hat es mir nicht. Garantiert haben zwei Frauen lautstark über den Gang hinweg über gemeinsame Bekannte gelästert. Gut, dann konnte Musik aus dem Handy noch für Abhilfe sorgen. Aber wenn dann neben mir jemand zu stark parfümiert war oder ein paar Darmwinde entweichen ließ, gab es kein Entkommen, das Auto war die einzige Alternative.

Die K-Bahn als Alternative

Für das am vergangenen Dienstag in der Landeshauptstadt vereinbarte Treffen wurde mir dennoch dringend die Bahn empfohlen. „An der K21 gibt es nur ganz schlecht Parkplätze. Und anschließend gehen wir zu einer Weinprobe.“ Also schaute ich nach einer Verbindung und da wurde mir doch glatt die K-Bahn empfohlen. In nur 15 Minuten Fußweg erreichte ich von mir zuhause die Haltestelle Dießem und von da aus waren es 28 Minuten mit der Bahn bis zum Belsenplatz und 12 Minuten mit einem Anschlussbus. Dann wieder ein paar 100 Meter zu Fuß . . .

Probleme beim Ticketkauf in der K-Bahn

An der Haltestelle angekommen, wollte ich per Handy ein Ticket ziehen. Tja. Aber da ich diese Funktion zuletzt ein einziges Mal im Januar genutzt hatte, wusste ich natürlich mein Passwort nicht mehr. Einen Automaten gab es auch nicht. „Es wird wohl in der Bahn einen geben.“ Tatsächlich. Aber der nahm leider keine Scheine. Die Bahn war leer – worüber ich mich zunächst gefreut hatte (s. o.). Doch jetzt bekam ich einen Schweißausbruch, denn Kontrolleure müssen schließlich auch mir nicht immer alles glauben und das mit dem „Prädikat“ Schwarzfahrer verbundene „erhöhte Beförderungsentgelt“ kann ich mir nicht leisten. Außerdem schwirrt mir durch den Kopf, dass Schwarzfahren ein Straftatbestand ist und ich will keinen Eintrag im Vorstrafenregister. Gott-Lob stiegen bald ein paar Schüler ein. Und die konnten mir den 5-Euro-Schein in Münzen wechseln.

Blick in den Waggon der K-Bahn

Blick in den Waggon der K-Bahn

Die Vorzüge der K-Bahn

Ja, und dann habe ich eine Bahnfahrt erlebt, so angenehm und entspannt wie schon lange nicht mehr. Der Blick über die grünen Wiesen und Felder und Büsche, die Weite, und das alles angenehm leise und zügig, auch die vielen Stopps an den Haltestellen. Da vergehen die Minuten wie im Flug, ist das doch Meerbusch und Lörick entlang der K-Bahn-Strecke viel schöner als der südliche Neusser Hafen, wo die Regionalbahn regelmäßig einen Halt einlegt, bevor sie die Eisenbahnbrücke über den Rhein quert. Dort steht man zwischen den hässlichen Bergen von Bauschutt und die Bahn rumpelt über jede Weiche.

Aus der K-Bahn der Blick über die weite Landschaft zwischen Krefeld und Düsseldorf

Aus der K-Bahn der Blick über die weite Landschaft zwischen Krefeld und Düsseldorf

Die K-Bahn, die werde ich in Zukunft öfter nutzen!!!!!

Und Tipps für den Fahrscheinkauf gibt es nächste Woche. Das mit dem Handyticket muss ich erst noch ausprobieren, bevor ich etwas darüber schreiben kann.

 

Rudern und Baden – an einem Tag mit starken Regenfällen

Auch beim Uerdinger Ruderclub UeRC gilt: Das Wetter wird am Steg gemacht. Diese eiserne Regel verhalf uns zu einem wunderbaren Rudergang, nachdem ich den Tag als „sonniges Badewetter“ verbuchen werde.

von Susanne Böhling

Das Wetter wird am Steg gemacht

Mittwoch, 15. Juni 2016: Ein Tag mit richtig miesem Wetter. Vormittags trüb und nachmittags mal wieder Niederschläge, die man getrost als „sintflutartig“ bezeichnen durfte. So auch um halb fünf, wenn ich mich eigentlich zum Rudern fertig mache. Das erschien mir wenig sinnvoll, so, wie der Regen auf mein Dach-schräges-Fenster trommelte. „Das Wetter wird am Steg gemacht!“ unkte der Spruch meines Ausbilders durch mein Gedächtnis. „Ist ja schon gut“, seufzte ich und sammelte meine Sachen zusammen. Aber eher so für eine Runde auf dem Ergometer. Am Club traf ich auf Anke, Denise und Angela, die unter dem Pavillon saßen und seit geraumer Zeit beobachtet hatten, wie das Regenwasser Dreck in die Führungsschiene des Hoftores spülte.

Der Regen hört auf und wir können rudern

Bei der Begrüßung ging der Regen wir auf Kommando in ein Tröpfeln über. Thomas erschien und das Tröpfeln nahm weiter ab. Markus stieß hinzu, das Tröpfeln hörte auf und wir motivierten uns gemeinsam, aufs Wasser zu gehen. Ein ungesteuerter Dreier in den Hafen, der andere auf den Strom. Dort ist es bei einem so hohen Wasserstand (geschätzte 6 Meter, der Pegelstands-Anzeiger am Hafenkopf ist immer noch defekt) relativ leicht stromauf zu rudern. Man kann sich dicht am Ufer halten und dort die Gegenströmung nutzen, ohne die Kribben umfahren zu müssen.

Als wir beim Rudern in der Spey Pause machen, scheint die Sonne. Foto: Markus Jütten

Als wir in der Spey Pause machen, scheint die Sonne. Foto: Markus Jütten

Wir rudern bis in die Spey

Ein weiterer Clou: Man kann in die Spey fahren, die sonst vom Rhein abgeschnitten ist. Trotzdem war ich ein bisschen erschöpft, als wir am Ende dieser Hochwasser-Ausgleichsfläche stoppten. Da schien doch glatt die Sonne!!! Wir trauten unseren Augen kaum und konnten unser Glück nicht fassen. Ich hielt die Hände ins Wasser um mich abzukühlen und befand, dass die Temperatur nicht unwesentlich unter der des Badezentrums Bockum lag – und „die Jungs“ hielten das Boot dankenswerter Weise stabil, als ich ins Wasser sprang! Auch, als ich mich wieder ins Boot wälzte. Thomas gab mir noch den Tipp, es über das Heck zu versuchen, was hervorragend klappte. Einen Teil der Sachen konnte ich wechseln und so erreichte ich ohne zu frieren den Steg. Bergab ging es noch leichter und ich kam beim besten Willen nicht ins Schwitzen.

Mein Fazit

Gemeinsam holten wir die Boote nach oben, räumten auf und innerlich nickte ich meinem Ausbilder zu: „Ja, das Wasser wird am Steg gemacht!“ Und der Tag wird in meinen Erinnerungen als “zum Rudern geeignet” und „sonnig“ mit „Badewetter“ verbucht.

Das Grün am Ufer der Spey erstrahlt im Sonnenlicht - nach einem trüben Tag. Foto: Markus Jütten

Das Grün am Ufer der Spey erstrahlt im Sonnenlicht – nach einem trüben Tag. Foto: Markus Jütten