Hohes Tempo bei hohen Temperaturen

 

Der Auftritt der Soneros de Verdad bei der Sommermusik Schloss Rheydt fand nicht ungeteilte Zustimmung

Die Temperaturen waren jedenfalls karibisch. 35 Grad sind angemessen für die Buena Vista Cuba Night der Soneros de Verdad. Sänger Luis Frank gehört zur zweiten Generation Musiker, die die Musik der legendären, durch Wim Wenders populär gemachten Band um die Welt tragen, Mayito Rivera gilt als einer der bedeutendsten Stimmen Lateinamerikas, . Das Konzert war komplett ausverkauft.

 

 Von Anfang an legte die Band ein atemberaubendes Tempo vor und sofort begannen einige Paare zu tanzen, auf der Turnierwiese vor dem altehrwürdigen Schloss. Das Tempo behielten sie bei. Dabei blieben die klaren Strukturen und das Feeling auf der Strecke das die Altvorderen mit ihrer Musik bis nach Europa transportierten und das wir seither mit der Insel assoziieren. Die allermeisten Zuschauer ließen sich dennoch von der Energie faszinieren, die sich in dem hohen Tempo offenbarte.

 

 Nicht alle waren zufrieden. Angelika Schüngeler, die schon oft vor Ort in Südamerika und der Karibik war, unter anderem Jamaika, Mexiko und Venezuela bereist hat, eine große Sammlung an Original-CDs besitzt und ein Fan des Buona Vista Clubs ist, sagte: „Das hier hat damit gar nichts zu tun.“ Gerda Wehres, die sie zum Konzert begleitete sagte: „Ich hatte das melodischer erwartet. Für mich sprang der Funke nicht über.“ Enttäuscht sind die Damen gleichwohl nicht. „Die Sommermusik bringt tolle Veranstaltungen in diese zauberhafte Umgebung. Das muss man unterstützen“, zumal der Eintrittspreis mit 23,50 Euro durchaus in Ordnung sei.

 

Akkordeon-Spielerin von Herzen

Lydie Auvray

Bei der Sommermusik Schloss Rheydt zeige Lydie Auvray, dass es das volkstümliche Instrument in sich hat.

Wenn ich das gewusst hätte! Dass man aus einem Akkordeon das herausholen kann, was Lydie Auvray aus ihm herausholt. Mit dem Instrument, das ihrem Herzen so nahe ist, spricht sie unmittelbar zu dem ihrer Zuhörer. Ruft in ihnen Wehmut und Leidenschaft, Sehnsucht und Freude wach, sie spricht von Sinnlichkeit und Übermut und das alles so leicht, wie die Feder des Pfaus auf der Blutbuche vor dem Schloss, die zu Beginn der Vorstellung auf den voll besetzten Arkadenhof hinunter schwebt.

„Ich habe sie schon vor 30 Jahren in einer Halle in Eicken gehört“, sagt Gerda Kox aus dem Publikumn. Ihre Begeisterung für die Französin aus dem Departement Calvados, die seit 36 auf der Bühne steht, ist leicht nachvollziehbar. Stets ist sie elegant und geistreich, ihre Moderationen erhellend und zeugen von einem wunderbaren Humor.

Auvray bekennt sich zu den volkstümlichen Wurzeln ihres Instruments. Dazu, dass der Akkordeon-Spieler Alleinunterhalter auf den Dorffesten war, die man gern erleben würde, so prickelnd lustvoll wie Auvray die Lieder aus dieser Zeit spielt. Nichts, aber auch gar nichts erinnert an die „Quetschkomode“ oder das „Schifferklavier“. Das hatten ich immer so grob volkstümelnd wahrgenommen, dass ein Erlernen des Instruments nie in Frage gekommen wäre und ein entsprechendes Ansinnen meiner Eltern als Zumutung zurück gewiesen werden musste, die das von mir gewünschte Klavier weder kaufen noch in den zweiten Stock hochtragen wollten.

Auvray nutzt Elemente der Volksmusik vieler verschiedener Länder und des Jazz. Gerade im Spiel mit ihrem „Pianeur“ Eckes Malz wird tritt dann auch die Überlegenheit des Akkordeons zutage: Es ist nie kühl, immer schwingt das Gefühl mit, das vom Herzen kommt. Wenn ich das gewusst hätte!

http://www.youtube.com/watch?v=PsidONsOyCo

Lydie Auvray lebt seit 1974 in Deutschland und hat das Akkordeon wieder populär gemacht. Sie gehört unter anderem zum Klangbild von Hannes Wader und Peter Maffay und hat inzwischen 20 CDs eingespielt. In Rheydt spielte sie mit Eckes Malz und Wolfgang Tiedemann im Trio

Es ging um die Wurst – und ich sollte meinen Senf dazu geben

Zum dritten Mal fungierte ich bei der Rheydter Grillmeisterschaft als Jury-Mitglied.

Ganz dem Genuss ergeben

Ganz dem Genuss ergeben

Erfolgreich mit dem Spaßfaktor

Für die einen ist es Spaß. Etwa für die 8000 Menschen, die im Laufe des Sonntags die 4. Rheydter Grillmeisterschaften hinter dem Sparkassengebäude besuchten, dort aßen, tranken und miterlebten, wie eine vierköpfige Jury bewertete, was sieben Teams auf dem Grill gebrutzelt hatten. Auch Peter Homann, Mitglied im Rheydter Citymanagement, machte in kurzen karierten Hosen und Flip-Flops einen sehr entspannten Eindruck. Von Anfang an organisiert der Optiker das Event zusammen mit Frank Pfennigs von der Werbeagentur Tacheles, der im Vorfeld mit Einträgen bei Facebook ständig für die Meisterschaft geworben hatte und den ganzen Tag schwitzend über dem Platz lief, um mit der Kamera Eindrücke festzuhalten. „Es macht super viel Spaß“, sagte er strahlend. „Sonst wäre das auch nicht so erfolgreich.“ Die Zuschauerzahl steigt von Jahr zu Jahr und wenn im nächsten Jahr nach Abschluss der Bauarbeiten der Marktplatz vor dem Rathaus wieder nutzbar ist, wird die Grillmeisterschaft bereits am Samstag beginnen. „Mit einer Biermeile“, sagt Pfennigs. „Nettetal macht inzwischen auch eine Grillmeisterschaft“, sagt Homann, stolz über den Nachahmungseffekt.

Mit viel Prunk präsentiert die Rheydter Prinzengarde ihre Grillkreationen

Mit viel Prunk präsentiert die Rheydter Prinzengarde ihre Grillkreationen

Stress mit dem Geschmackstest und dem Senf dazu

Für die Jury war es schmackhaft und sättigend. Erstaunlich, welch unterschiedlichen Geschmackserlebnisse aus dem jeweils gleichen Warenkorb (gestiftet von Real) unter dem Motto „Improvisation“ gezaubert wurden, den die Teams erst am Samstag ausgehändigt bekamen. Daraus mussten sie Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise und ein „Freestyle-Gericht“ zubereiten. Beim ersten Gericht (Mediterran-rheinische Schweinerouladen) des ersten Teams – der Rheydter Prinzengarde ­ war ich als Jurymitglieder noch geneigt, den Teller leer zu essen. Aber die Damen vom Organisation-Team nahmen mir den Teller ab, sobald mein Senf dazu über Mikro über den Platz schallte. Es ging weiter zum nächsten Gericht der nächsten Gruppe. Schließlich sollten sich die Zuschauer nicht langweilen.

Würste und Tausendfüßler unter einer Käseglocke

Ich habe folglich ganz geschickt als letzte meinen Kommentar abgegeben und so die Zeitspanne verlängert, in der ich mir das Gebotene wenigstens ansatzweise auf der Zunge zergehen lassen konnte. Zum Ende der Präsentation hin war ich trotz der winzig kleinen Häppchen ziemlich satt. Der Obdachlose, der sich dicht vor der Bühne eingefunden hatte, schaute neidisch auf das, was wir zurück gehen ließen. Und dann kam das Team Coca Cola mit einer silbernen Käseglocke über jedem der vier Teller, die wie von einer Zauberfee gelüftet wurde. Was zum Vorschein kam ließ den Gedanken an „Grottenolm“ durch mein Hirn blitzen. Eine Bratwurst wurde mit Beinen und Schwanz aus Paprikastreifen zum Tausendfüßler verwandelt. Dazu Augen aus Mashmellows . . . und ich mag doch keine Würste!!!! Aber immer noch besser als ein echter Tausendfüßler . . .

Die Überraschung war geglückt - ich mag keine Wurst

Die Überraschung war geglückt – ich mag keine Wurst

Ehrgeiz treibt zu kulinarischen Leistungen

Für die sieben Teams war es durchaus ernst. Nicht umsonst schöpfte die Rheydter Prinzengarde bei ihrem gewohnt spektakulären Auftritten aus dem Vollen ihrer Möglichkeiten: Ein Dudelsackpfeifer kündigte ihren Auftritt an, Cheerleader begleiteten sie, die Servierenden zogen im Bauarbeiter Outfit auf und bugsierten die Speisen mit einer Maurerkelle auf die Teller der Juroren. Schließlich galt es, den Vorjahrestitel zu verteidigen, was Ihnen knapp gelang. Dicht gefolgt von den Guru Girls, die sich nach Bekanntgabe der Gewinner mit echter Erleichterung jubelnd in den Armen lagen. „Wir haben lange genug dafür gekämpft“, sagten sie ernst.

Preise: Der dritte Preis ging an das Team der Sparkasse, den Sonderpreis für das Team mit dem höchsten Fun-Factor bekamen die Grillteufel, die sich eigens für die Meisterschaften Teufelskostüme besorgt hatten.