Die Schauspieler des Gemeinschaftstheaters Krefeld-Mönchengladbach werden in Zypern spielen

Traumkulisse fürs Theater

Im antiken Theater von Curium auf Zypern wird die Krefelder „Orestie“- Inszenierung gespielt © Cyprus Tourism Organisation

Die Schauspieler des Gemeinschaftstheaters Krefeld-Mönchengladbach werden in Zypern spielen

Von Susanne Böhling

Aufführungen am 5. und 7. Juli auf Zypern

Am „Festival of Ancient Greek Drama“ teilnehmen zu dürfen, ist ein große Ehre. Die Inszenierung der Orestie von Aischylos in der Regie von Matthias Gehrt ist eine der beiden nicht-griechischen Produktionen, die am 5. und 7. Juli in den antiken Theater von Curium und Nikosia aufgeführt werden.

Die Aufführungen des Theaterfestivals auf Zypern 2016

Poster vom diesjährigen Theaterfestival auf Zypern

Auf den dritten Teil wird verzichtet

23 Theaterleute werden nach Zypern reisen, nahezu das ganze Schauspielensemble, sowie Gehrt und die Ausstatterin Gabriele Trinczek. Sie hat in den vergangenen Wochen dafür gesorgt, dass ein mit Stoff behängtes Baugerüst die Rückwand der Inszenierung bilden wird. Auch der der Regieassistent und der Inspizient sind mit dabei. „Auf Kollegen aus Technik, Garderobe und Requisite verzichten wir“, sagt Gehrt. Die Kosten für die Teilnahme werden ohnehin von den Krefelder Theaterfreunden mitgetragen. Leider können nur die ersten beiden Teile der Trilogie aufgeführt werden, weil die Vorstellungen nur zwei Stunden dauern sollen.

Meine Eindruck von der Premiere

Diese Ehre hat sich die Inszenierung redlich verdient – das ist meine Meinung. Ich hatte Gelegenheit, mir die Premiere im Herbst 2015 in Krefeld anzusehen. Schon damals beeindruckte mich die archaische Wucht, zu der Text, Bühnenbild, Regie, Kostüme und das Spiel der Akteure verschmolzen.

Orestie-Aufführung in Krefeld

Eva Spott als mordende Klytaimestra mit Beil auf der Bühne

Kultische Erhabenheit der Inszenierung

Inzwischen habe ich mich mit Hilfe von Bernd Seidenstickers „Das antike Theater“ noch ein bisschen schlauer gemacht. Mir wurde bewusst, dass die antiken Tragödien immer in einem kultischen Zusammenhang aufgeführt wurden, sie waren Teil der religiösen Riten der damaligen Zeit und damit etwas Erhabenes, das ich bei der Inszenierung gespürt habe.

Die Aufführungen in Zypern würde ich mir gerne ansehen.

Mit den Wanderschwalben in Grevenbroich

Das Beste war das Wetter, beim Juni-Ausflug der Wanderschwalben nach Grevenbroich. Aber auch nur, weil in diesem Jahr schon so viel ins Wasser gefallen ist. Ansonsten beeindruckte die Landschaft an Erft und Gilbach, durch die uns Gudrun und Elisabeth führten.

von Susanne Böhling

Idylle schenkt Energie

Wenn ich von der Stadt Grevenbroich höre, denke ich an Braunkohle. Und die dadurch verursachten Wüstenlandschaften. Dieses Bild erschien auch in meinem Kopf, als Gudrun Grevenbroich als Ausgangspunkt für den Juni-Ausflug der Wanderschwalben nannte. Das schob ich jedoch sofort an die Seite. Schließlich weiß ich, dass die Gruppe Frauen, zu der ich seit Ende 2015 gehöre, Idylle bevorzugt, wenn sie einmal im Monat sonntags gemeinsam auf eine 10 bis 15 Kilometer lange Tour geht. Entsprechend war ich pünktlich um 11 Uhr am Treffpunkt, Kloster Langwaden.

Einfahrt zu Kloster Langwaden

Kloster Langwaden, Sitz von Zizterzienser Mönchen. Foto: © Susanne Böhling

Christliche Häuser am Wegrand

Dort beeindruckte mich erst der alte Baumbestand, dann das Gebäude. Zisterzienser Mönche bewohnen und bewirtschaften das Haus, gewähren hier wohnungslosen, alten und Männern in besonderen Lebenslagen Einkehr und Obdach. Von hier aus ging es zielgerichtet auf verschlungenen Pfaden, oft entlang der Erft weiter nach Wevelinghoven. Auch dort beeindruckte uns ein christlich geprägtes Haus, das Seniorenwohnstift St. Martinus (dessen sanitäre Anlage wir nutzen durften).

Anlage von St. Martinus, Seniorenstift in Wevelinghofen, Ortsteil von Grevenbroich

Das Seniorenstift St. Martinus in Wevelingshofen. Foto: © Susanne Böhling

schöner Ausblick auf die Anlage des Seniorenstiftes in Grevenbroich-Wevelinghoven

Gepflegte Anlage des St. Martinus-Stiftes in Wevelinghoven, Foto: © Susanne Böhling

Kunst in Wevelinghoven, Stadt Grevenbroich

Die scherenschnittartige Skulptur in der Anlage des Seniorenstiftes St. Martinus in Wevelinghoven erinnert an Georg Ettls Arbeiten Foto: © Susanne Böhling

Rast an der Erft

Weiter schlängelte sich unser Weg unter der kundigen Führung von Elisabeth und Gudrun, die die Strecke im Vorfeld zur Vorbereitung der Tour bereits einmal abgelaufen waren und schon die Bank für unsere Mittag-Rast ausgeguckt hatten. Mit Blick auf die Erft, die wegen des hohen Wasserstandes braun und schnell an uns vorbei floss.

Die Erft in Grevenbroich führt Hochwasser

Der Ausblick auf die Hochwasser führende Erft bei Grevenbroich bei der Mittagsrast Foto: © Susanne Böhling

Zeit für lebendigen Austausch

Das System, dass sich zwei um die Ausarbeitung der Tour kümmern, und die anderen bequem hinterher laufen können, ist wie für uns Frauen gemacht. Wir können uns auf das Wesentliche konzentrieren. Auf die Gespräche, die für uns so wichtig sind. Da die Mitglieder der Gruppe aus unterschiedlichen Berufen kommen und auch privat unterschiedliche Lebensformen pflegen, kommen wir zu lebendigem, anregendem Austausch, während unsere Beine in langen Schritten voran schreiten. Auch Mühlrath, die Neubrücker Mühle und Neubrück lagen an unserem Weg.

Abstecher nach Hülchrath

In einem willkommenen Abstecher führten uns Gudrun und Elisabeth nach Hülchrath, einem weiteren Ortsteil von Grevenbroich, der laut wikipedia nur 741 Einwohner, aber einen historischen Ortskern hat. Besonders beeindruckend Schloss Hülchrath, das vom Ort aus verschlossen und geheimnisvoll wirkt. Die Burg hat ihren Ursprung im Jahr 900, sie wurde zum Schutz gegen die Wikinger gebaut. Heute finden dort Veranstaltungen statt. Bereits am kommenden Wochenende ein Mittelalter-Spektakel.

Eingang zu Schloss Hülchrath, Grevenbroich

Von der Ortsmitte aus erscheint Schloss Hülchrath verschlossen und geheimnisvoll. Foto: © Susanne Böhling

Schloss Hülchrath in Grevenbroich veranstaltet auch Mittelalter-Spektakel

Schloss Hülchrath wurde ursprünglich als Burg gegen die Wikinger errichtet. Foto: © Susanne Böhling

Wanderschwalben in Grevenbroich

Die Wanderschwalben laufen durch Hülchrath. Foto: © Susanne Böhling

Urwald am Gilbach

Das letzte Stück unseres Weges führte uns entlang des Gilbachs und dort erlebten wir den krassen Gegensatz zu den Mondlandschaften, die ich im Sinn hatte: Der üppige Bewuchs entlang des Pfades erinnerte eher an einen Urwald und hätten Elisabeth und Gudrun ihn bei ihrer Vorbereitungstour nicht schon mit der Machete frei geschlagen, es hätte kein Durchkommen gegeben.

In Grevenbroich findet sich üppiges Pflanzenwachstum

Urwald am Gilbach. Foto: © Susanne Böhling

So aber konnten wir im wunderschönen Biergarten von Kloster Langwaden in der Sonne einen Imbiss genießen!

Kloster Langwaden in Grevenbroich

Der Biergarten von Kloster Langwaden als Ziel der Tour. Foto: © Susanne Böhling

 

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Der Rheinpegel in Krefeld Uerdingen

Seit Wochen ist der elektronische Pegelstandsanzeiger am Hafenkopf kaputt. Er zeigt nur seltsame Striche und keine Zahlen. Ein Termin für die Reparatur ist wegen des Hochwassers nicht absehbar.

von Susanne Böhling

Der Pegelstand in Uerdingen

Seit Wochen ist er defekt. Der Pegelstandsanzeiger am Kopf des Uerdinger Hafens. „Der Sensor ist kaputt“, nennt der stellvertretende Hafenmeister Andreas G. als Ursache. Zunächst habe es eine Weile gedauert, bis das Ersatzteil geliefert wurde, jetzt verhindert das Hochwasser den Austausch. „Ich schätze, das Wasser muss um mindestens drei Meter sinken, bevor wir an diese Arbeiten gehen können“, sagt er.

Wolken über der Hafeneinfahrt in Krefeld Uerdingen. Fotografiert von Susanne Böhling

Der Hafeneinfahrt in Krefeld Uerdingen. Die Mauer, die sonst zwischen Brückenpfeiler und Hafenkopf den Strom von der Hafeneinfahrt trennt, ist vollständig überschwemmt. Foto: © Susanne Böhling

Information aus dem Internet

Behelfsweise könne man sich im Internet beim „Elektronischen Wasserstraßen-Informationsservice ELWIS“, informieren, einem Dienst der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. Unter dem Menüpunkt „Wasserstände“ findet man die Pegel aller schiffbaren Binnengewässer mit Warnhinweisen, falls es zu Einschränkungen des Schiffsverkehrs kommt. Da Krefeld keinen offiziellen Pegel hat, kann man sich am Pegel Ruhrort orientieren. Der betrug am Montag, 20. Juni 2016 um 13 Uhr 736. „Davon muss man nur 20 abziehen, dann hat man unseren Pegelstand“, sagt der stellvertretende Hafenmeister. Das wären also 716. Beachtet man die Pegelstände der stromaufwärts liegenden Städte, lässt sich ungefähr einschätzen, ob es zu einem weiteren Anstieg oder einem Absinken des Wasserstandes kommt. Momentan steigen sie noch geringfügig.

Rückschlüsse vom Pegelstand auf den bevorstehenden Rudergang

Der Pegelstand am Hafenkopf ist für die Ruderer des Uerdinger Ruderclubs UeRC insofern interessant, als sich anhand der Zahl einschätzen lässt, wie man den Strom befahren kann. Bei einem Wert von mehr als 450 lassen sich die Kribben überfahren. Man kann also bergauf näher am Ufer rudern, was weniger Kraft kostet als das Umfahren der Kribbenspitzen, an denen immer besonders viel Gegenströmung herrscht. Beim momentanen Wasserstand kann man in die Hochwasserausgleichsflächen Roos und Spey einfahren, die sonst vom Strom abgeschnitten sind. Doch der hohe Wasserstand bringt auch Probleme mit sich. Das beginnt damit, dass man beim stromauf rudern entlang der Kaimauer des Hafens mit besonders großer Gegenströmung zu kämpfen hat. Liegt dann noch ein Schiff vor der Hafenmauer, das einen recht weit in die Richtung Strommitte zwingt, braucht man ein starke Mannschaft, um die 500 Meter dieses Abschnittes zu überwinden.

Gefahren bei Hoch- und Niedrigwasser

Eine Gefahr lauert bei hohem Wasserstand insofern, als die Schifffahrt dann auch die Innenkurven nutzt (und die Kurven schneidet) – die sonst wegen geringer Wassertiefe meidet und den Ruderern überlässt. Die Ruderer können den Rhein bei hohem Wasserstand also auf der rechten Seite fast ausschließlich zwischen den roten Stangen und dem Ufer und auf der linken Seite zwischen den grünen Stangen und dem rechten Ufer gefahrlos nutzen. Mit diesen Stangen werden Hindernisse markiert – in diesem Fall die Kribben oder Buhnen.

Breit ist der Rhein bei einem Wasserstand über sieben Meter in Krefeld Uerdingen. Fotografiert von Susanne Böhling

Bei Hochwasser fahren die Schiffe auch in der Innenkurve, hier nahe der rechtsrheinischen Seite. Die Buhnen sind vollständig überspült. Foto: © Susanne Böhling

Bei Niedrigwasser, wie es im Jahr 2015 über ein halbes Jahr lang herrschte, ist die Fahrrinne besonders schmal. In Ufernähe lauern an manchen Stellen knapp unter der Wasseroberfläche große Steine. Zieht dann ein vorbeifahrender Frachter auch noch das Wasser weg, sitzt das Boot schnell auf und es kommt zu Schäden. 2015 war davon insbesondere die Danzig betroffen.

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Mit der K-Bahn nach Düsseldorf

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich die K-Bahn, die uralte Städteverbindung zwischen Krefeld und Düsseldorf noch nie bewusst genutzt hatte. Nun bin ich bekennender K-Bahn-Fan.

von Susanne Böhling

Die Nachteile des öffentlichen Personennahverkehrs

Der öffentliche Personennahverkehr ÖPNV kam nicht wirklich in Frage, als ich zur Arbeit den Weg nach Düsseldorf bewältigen musste. Es hat mir zu lange gedauert und die vielen Menschen, dicht gedrängt, waren mir zu unangenehm. Zwar braucht die Regionalbahn zwischen den beiden Hauptbahnhöfen nur 20 Minuten, aber dahin muss man auch erst mal kommen. Und dann waren es doch mindestens eineinhalb Stunden von Haus- zur Bürotür und umgekehrt. Manchmal, für Privatfahrten, habe ich es dennoch getan. Aber gefallen hat es mir nicht. Garantiert haben zwei Frauen lautstark über den Gang hinweg über gemeinsame Bekannte gelästert. Gut, dann konnte Musik aus dem Handy noch für Abhilfe sorgen. Aber wenn dann neben mir jemand zu stark parfümiert war oder ein paar Darmwinde entweichen ließ, gab es kein Entkommen, das Auto war die einzige Alternative.

Die K-Bahn als Alternative

Für das am vergangenen Dienstag in der Landeshauptstadt vereinbarte Treffen wurde mir dennoch dringend die Bahn empfohlen. „An der K21 gibt es nur ganz schlecht Parkplätze. Und anschließend gehen wir zu einer Weinprobe.“ Also schaute ich nach einer Verbindung und da wurde mir doch glatt die K-Bahn empfohlen. In nur 15 Minuten Fußweg erreichte ich von mir zuhause die Haltestelle Dießem und von da aus waren es 28 Minuten mit der Bahn bis zum Belsenplatz und 12 Minuten mit einem Anschlussbus. Dann wieder ein paar 100 Meter zu Fuß . . .

Probleme beim Ticketkauf in der K-Bahn

An der Haltestelle angekommen, wollte ich per Handy ein Ticket ziehen. Tja. Aber da ich diese Funktion zuletzt ein einziges Mal im Januar genutzt hatte, wusste ich natürlich mein Passwort nicht mehr. Einen Automaten gab es auch nicht. „Es wird wohl in der Bahn einen geben.“ Tatsächlich. Aber der nahm leider keine Scheine. Die Bahn war leer – worüber ich mich zunächst gefreut hatte (s. o.). Doch jetzt bekam ich einen Schweißausbruch, denn Kontrolleure müssen schließlich auch mir nicht immer alles glauben und das mit dem „Prädikat“ Schwarzfahrer verbundene „erhöhte Beförderungsentgelt“ kann ich mir nicht leisten. Außerdem schwirrt mir durch den Kopf, dass Schwarzfahren ein Straftatbestand ist und ich will keinen Eintrag im Vorstrafenregister. Gott-Lob stiegen bald ein paar Schüler ein. Und die konnten mir den 5-Euro-Schein in Münzen wechseln.

Blick in den Waggon der K-Bahn

Blick in den Waggon der K-Bahn

Die Vorzüge der K-Bahn

Ja, und dann habe ich eine Bahnfahrt erlebt, so angenehm und entspannt wie schon lange nicht mehr. Der Blick über die grünen Wiesen und Felder und Büsche, die Weite, und das alles angenehm leise und zügig, auch die vielen Stopps an den Haltestellen. Da vergehen die Minuten wie im Flug, ist das doch Meerbusch und Lörick entlang der K-Bahn-Strecke viel schöner als der südliche Neusser Hafen, wo die Regionalbahn regelmäßig einen Halt einlegt, bevor sie die Eisenbahnbrücke über den Rhein quert. Dort steht man zwischen den hässlichen Bergen von Bauschutt und die Bahn rumpelt über jede Weiche.

Aus der K-Bahn der Blick über die weite Landschaft zwischen Krefeld und Düsseldorf

Aus der K-Bahn der Blick über die weite Landschaft zwischen Krefeld und Düsseldorf

Die K-Bahn, die werde ich in Zukunft öfter nutzen!!!!!

Und Tipps für den Fahrscheinkauf gibt es nächste Woche. Das mit dem Handyticket muss ich erst noch ausprobieren, bevor ich etwas darüber schreiben kann.

 

Rudern und Baden – an einem Tag mit starken Regenfällen

Auch beim Uerdinger Ruderclub UeRC gilt: Das Wetter wird am Steg gemacht. Diese eiserne Regel verhalf uns zu einem wunderbaren Rudergang, nachdem ich den Tag als „sonniges Badewetter“ verbuchen werde.

von Susanne Böhling

Das Wetter wird am Steg gemacht

Mittwoch, 15. Juni 2016: Ein Tag mit richtig miesem Wetter. Vormittags trüb und nachmittags mal wieder Niederschläge, die man getrost als „sintflutartig“ bezeichnen durfte. So auch um halb fünf, wenn ich mich eigentlich zum Rudern fertig mache. Das erschien mir wenig sinnvoll, so, wie der Regen auf mein Dach-schräges-Fenster trommelte. „Das Wetter wird am Steg gemacht!“ unkte der Spruch meines Ausbilders durch mein Gedächtnis. „Ist ja schon gut“, seufzte ich und sammelte meine Sachen zusammen. Aber eher so für eine Runde auf dem Ergometer. Am Club traf ich auf Anke, Denise und Angela, die unter dem Pavillon saßen und seit geraumer Zeit beobachtet hatten, wie das Regenwasser Dreck in die Führungsschiene des Hoftores spülte.

Der Regen hört auf und wir können rudern

Bei der Begrüßung ging der Regen wir auf Kommando in ein Tröpfeln über. Thomas erschien und das Tröpfeln nahm weiter ab. Markus stieß hinzu, das Tröpfeln hörte auf und wir motivierten uns gemeinsam, aufs Wasser zu gehen. Ein ungesteuerter Dreier in den Hafen, der andere auf den Strom. Dort ist es bei einem so hohen Wasserstand (geschätzte 6 Meter, der Pegelstands-Anzeiger am Hafenkopf ist immer noch defekt) relativ leicht stromauf zu rudern. Man kann sich dicht am Ufer halten und dort die Gegenströmung nutzen, ohne die Kribben umfahren zu müssen.

Als wir beim Rudern in der Spey Pause machen, scheint die Sonne. Foto: Markus Jütten

Als wir in der Spey Pause machen, scheint die Sonne. Foto: Markus Jütten

Wir rudern bis in die Spey

Ein weiterer Clou: Man kann in die Spey fahren, die sonst vom Rhein abgeschnitten ist. Trotzdem war ich ein bisschen erschöpft, als wir am Ende dieser Hochwasser-Ausgleichsfläche stoppten. Da schien doch glatt die Sonne!!! Wir trauten unseren Augen kaum und konnten unser Glück nicht fassen. Ich hielt die Hände ins Wasser um mich abzukühlen und befand, dass die Temperatur nicht unwesentlich unter der des Badezentrums Bockum lag – und „die Jungs“ hielten das Boot dankenswerter Weise stabil, als ich ins Wasser sprang! Auch, als ich mich wieder ins Boot wälzte. Thomas gab mir noch den Tipp, es über das Heck zu versuchen, was hervorragend klappte. Einen Teil der Sachen konnte ich wechseln und so erreichte ich ohne zu frieren den Steg. Bergab ging es noch leichter und ich kam beim besten Willen nicht ins Schwitzen.

Mein Fazit

Gemeinsam holten wir die Boote nach oben, räumten auf und innerlich nickte ich meinem Ausbilder zu: „Ja, das Wasser wird am Steg gemacht!“ Und der Tag wird in meinen Erinnerungen als „zum Rudern geeignet“ und „sonnig“ mit „Badewetter“ verbucht.

Das Grün am Ufer der Spey erstrahlt im Sonnenlicht - nach einem trüben Tag. Foto: Markus Jütten

Das Grün am Ufer der Spey erstrahlt im Sonnenlicht – nach einem trüben Tag. Foto: Markus Jütten

Spektakulär auf dem Netz „in Orbit“

Einen Besuch von „in Orbit“ von Tomás Saraceno in der K21 war lange geplant. Nun kenne ich das Kunstwerk und seine spektakuläre Wirkung auf mich – und andere Menschen mit Höhenangst?

von Susanne Boehling

Langsam zum Ständehaus

Die Kunstsammlung von außen

Es war mal wieder so: Da gehe ich in ein Museum und schon das Gebäude gefällt mir, die Umgebung. So wie die K21, das ehemalige Parlamentsgebäude der Rheinprovinz, in dem bis 1988 auch der Landtag Nordrhein-Westfalens tagte. Ich mag diesen historistischen Stil, in dem das Gebäude errichtet ist. Aber es gibt Steigerungen, die die vorigen Eindrücke wieder verblassen lassen.

Von Süden kommend sieht man das Ständehaus durch die alten Bäume eines Parks

Durch den Park auf das Ständehaus, die K21 Foto: © Susanne Boehling

Angenehme Geräusche

Der neobarocke Brunnen „Vater Rhein und seine Töchter“, ist mir zu überladen, lediglich an den Fischen bleibt mein Blick hängen, denn das Wasser, das ihrem Maul entströmt, plätschert angenehm in die darunter liegende Muschelschale.

Seitlich an der Plastik "Vater Rhein und seine Töchter" gibt es wasserspeiende Fische

Angenehm plätschert das Wasser, das die Fische des Brunnens speien. Foto: © Susanne Boehling

Macht über die Waffen

Doch dann liegt da eine Pistole auf dem Boden. Einerseits überdimensional, andererseits völlig harmlos. Es spielt keine Rolle, ob es die Abbildung einer echten oder einer Spielzeugpistole ist. Ich kann meinen Fuß darauf stellen und das ist so angenehm. „In den Dreck mit den Waffen!“ denke ich mir und freue mich, dass mein Kopf durch dieses Kunstwerk zu solchen Gedanken angeregt wird.

Eine riesig große Metallpistole liegt von dem Eingang der K21 auf dem Pflaster

In den Staub mit den Waffen – Kunstwerk vor der K21. Foto: © Susanne Boehling

Das Netz von unten

Innen der helle hohe Raum ebenfalls sehr angenehm und die Architektur ist Kunstwerk genug, ich vermisse keine Bilder an den Wänden. Von oben aus der Kuppel klingen helle Stimmen und ziehen meinen Blick nach oben. Da ist es, das Netz – in orbit, das Tomás Saraceno in der Kuppel gespannt hat. Ich wusste, dass es hoch ist. Aber so? Die Menschen, die das Netz im Augenblick begehen, erscheinen wie Fliegen an den Glasscheiben.

in Orbit – das Erlebnis

Es mutet schon ein bisschen seltsam an, wenn man sich für die Betrachtung eines Kunstwerkes einen Overall anziehen muss und das Museumspersonal die Schuhe überprüft – ob sie auch ausreichend Profil haben. Andernfalls bieten sie einem leihweise Trekkingschuhe an. Die braucht man wirklich! Die Netze haben bisweilen starke Neigung, die man nur bewältigt, wenn sich die Seile in das Profil der Sohlen haken können.

schon von unten sieht "in Orbit" von Tomás Saraceno atemberaubend aus. Die Menschen auf dem Stahlnetz erscheinen klein wie Fliegen

Das Kunstwerk von Tomás Saraceno ist noch bis Ende Juni zu sehen. Foto: © Susanne Boehling

Die schlimmste Schaukel

Schlimmer als die Höhe erscheinen mir die Schwingungen in die andere Museumsbesucher das Netz versetzen. Ihnen fehlt der Rhythmus der Brandung – der mir die Wellen im Meer so angenehm macht. Jeden Augenblick muss ich mich um Balance bemühen und das stresst mich ganz schön.

Ein bedeutender Schritt für mich

Teile der Netze hängen über der Empore des Gebäudes. Zu deren Fußboden sind es dann nur geschätzte ein bis fünf Meter. Doch dann hebe ich mein Bein scheinbar über das Geländer der Empore – und nun sind es mehr als 20 Meter bis unten. Auch wenn ich weiß, dass mich das Netz halten wird, ist es ein bedeutender Schritt für mich – und ich tue ihn!!!

Die Hängematte zwischen Himmel und Erde

Dann erreiche ich den Platz, an dem sich einige Kissen sammeln. Gesehen habe ich sie sofort. Aber der Weg dorthin war weit! Sehr weit. Ich lasse mich fallen. Schnell stellt sich ein wunderbarer Entspannungseffekt ein. Ich sehe den Himmel über der Kuppel, ich sehe die riesigen Luftballons, die Saraceno in die Skulptur integriert hat. Ihre silbrige Außenhaut spiegelt mich, die anderen Besucher und der Anblick bezaubert mich: Wie wir so zwischen Himmel und Erde schweben, das ist wunderschön!

Tomás Saraceno - in orbit, Installationsansicht K21 Ständehaus, Photography by Studio Tomás Saraceno © 2013

Tomás Saraceno – in orbit, Installationsansicht K21 Ständehaus, Photography by Studio Tomás Saraceno © 2013

Mit der Zeit gewöhne ich mich

Weil nicht mehr viel los ist, können wir länger als die 10 Minuten verweilen, die den Besuchern bei Hochbetrieb zugebilligt werden. Dennoch zieht es uns nach 20 Minuten weiter. Schade eigentlich, ich glaube, nach einer Stunde hätte ich mich an die seltsamen Schwingungen gewöhnt. Unvorstellbar hingegen, dass die maximal erlaubte Anzahl von 10 Besuchern das Netz in Bewegung setzen. Ich glaube, ich hätte gestreikt.

Spinnen

Ein Künstlerraum ohne Angst vor Spinnen

Ein Stockwerk tiefer zeigt ein dunkler Raum die Kunst der Spinnen. Effektvoll beleuchtete Netzarchitektur, die einen staunen lassen für die Wunder der Natur. Spinnennetze beschäftigen Tomás Saraceno seit Jahren, sie sind ihm Vorbild an Stabilität und Feinheit. Eine Herausforderung für Menschen mit Spinnenangst: In einem der beiden in den Raum hin offenen Drahtquader leben nach wie vor Spinnen und arbeiten unverdrossen weiter an ihrem Werk.

Nur die Kanten der Quader mit den Spinnennetzen sind durch Draht begrenzt

Nur die Kanten der Quader mit den Spinnennetzen sind durch Draht begrenzt. Foto und ©: Studio Saraceno

Im Kokon der Chirharu Shiota

Noch ein Stockwerk tiefer zieht mich wieder ein Gespinnst in seinen Bann. „A long day“ heißt ihr Kunstwerk aus dem Jahr 2015. Wollfäden durchziehen einen abgedunkelten Raum wie ein Spinnennetz. Zunächst fällt mir nicht auf, dass tief darunter ein Tisch und ein Stuhl stehen und viele Bögen weißen Papiers auf den Ebenen des Netzes lagern. Vielmehr fühle ich mich geborgen wie in einem Kokon.

A Long Day ist ein Kunstwerk der Japanerin Chiharu Shiota. Wollfäden sind kreuz und quer durch einen Raum gespannt. Sie tragen Papierbögen und verbergen einen Tisch und einen Stuhl. Susanne Böhling fühlte sich in dem Raum geborgen

A Long Day von Chiharu Shiota. Foto: Sunhi Mang © Künstlerin, mit freundlicher Genehmigung der K21

 

Resümee

Vielleicht hätte ich doch eine umgekehrte Reihenfolge wählen sollen: Erst den Kokon aus Wolle, dann die feinen Netze der lebenden Spinnen und dann den Schritt in den Raum „in Orbit“. Jedenfalls bin ich so beeindruckt, dass ich auf weitere Kunsterlebnisse verzichte. Nicht einmal der Pistole vor dem Eingang kann ich noch Beachtung schenken. Aber vergessen werde ich sie dennoch nicht.

Blick vom Ständehaus Richtung Graf-Adolf-Platz

Blick vom Ständehaus Richtung Graf-Adolf-Platz. Foto: © Susanne Boehling

Das Copyright auf dem Text liegt bei Susanne Boehling. Wollen Sie ihn oder Teile davon kopieren, benötigen Sie die Zustimmung der Autorin. Bei Verlinkung erbitte ich Nachricht per E-Mail.

 

 

Kultur an der Ruhr III – Essen und genießen

von Susanne Boehling

Beim Susi-Sorglos-Tag mit Norbert Büchel gab es natürlich auch Leckeres zu essen

Eines der besten Eiscafés Deutschlands in Essen-Werden

Nach dem Besuch der Villa Hügel fuhr Norbert mit mir hinunter nach Essen-Werden. Dort kehrten wir in KIKA’S eiscafé ein und stärkten uns. Ich habe mich für einen Mozart-Becher entschieden, bei dem ich natürlich sofort an die Mozart-Kugeln aus Salzburg dachte. Die Erwartung wurde auf der Grundlage des Pistazien-Trüffel-Eis voll erfüllt. Vielleicht war der Schmelz des Eises noch zarter als das Marzipan in den Kugeln. Gut nachvollziehbar, dass „Der Feinschmecker“ das Eiscafé zu den besten Deutschlands zählt. http://kikas.de/

Die beste Pommesbude in Bochum-Wattenscheid

Gourmet-Koch Rainer Ostendorf versorgt seine Gäste in einer Imbissbude mit Essen

Der Profi-Grill an der Bochumer Straße in Wattenscheid. © Foto: Susanne Böhling

Nach dem Museum Folkwang und vor dem Besuch der Ruhrfestspiele Recklinghausen mussten wir uns erneut stärken. Das taten wir im Profi-Grill an der Bochumer Straße in Wattenscheid. Dort betreibt der ehemalige Sterne-Koch Raimund Ostendorp einen Imbiss mit typischen Gerichten: Schaschlik, Currywurst und Co., wobei die Fritten zwar nicht selbst geschnitzt sind, aber auf den Punkt knusprig.

Rainer Ostendorf bereit Essen zu

Die Theke im Profi-Grill © Foto: Susanne Böhling

Die Gerichte sind nur unwesentlich teurer als in anderen Imbissbuden, das Ambiente absolut typisch. Die Tische wackeln und „die Brille“ sitzt auch ein bisschen schief. Ostendorp will in allererster Linie für die Menschen in der Nachbarschaft da sein und die legen nicht so viel Wert auf solche Äußerlichkeiten. (Aber er kennt auch so sporadische Besucher wie Norbert Büchel  der in Wuppertal wohnt und in Hilden arbeitet). „Jede Region sucht doch nach Identifikationspunkten. Die gibt’s bei mir mit der Currywurst“, sagte er 2008 in einem Focus-Interview.

Leckeres Essen ist auch hübsch dekoriert.

Der Salat bekommt ein Blättchen Petersilie als Deko. © Foto: Susanne Böhling

Kultur an der Ruhr II – Schauen und Staunen

Norbert Büchel nahm mich mit zu einer Susi-Sorglos-Tour durch das Ruhrgebiet, auf der ich viel zu schauen und zu staunen hatte.

Von Susanne Böhling

Start in der Villa Hügel

Ausgangspunkt der Ruhrtour war die Villa Hügel. Ich hatte sie als Haltepunkt in die Planung eingebracht, da ich sie bis dato nicht kannte.

Was Krupp in Essen waren die Fugger in Augsburg

Da es zu diesem Zeitpunkt keine Sonderausstellung in der Villa gab, war sie wenig besucht und wir konnten den Bau in seiner ganzen, unverstellten Pracht bewundern. Riesige Räume, teure Tapeten, Wandteppiche, Holzvertäfelungen, Schnitzereien, die Bibliothek.

Schranksims in der Villa Hügel, prächtig verziert

Der Sims eines Schrankes prächtig verziert mit Schnitzereien © Foto: Susanne Böhling

Das alles hat mich schwer beeindruckt und ich habe darauf verzichtet, mich mit Hintergründen zu beschäftigen. Stattdessen habe ich versucht einfach zu fühlen, zu welcher Prachtentfaltung Unternehmergeist bei entsprechendem Erfolg imstande ist und welche Gefühle das in Bewohnern und Besuchern ausgelöst haben mochte.

Holzvertäfelungen und schmiedeeiserne Geländer in der Bibliothek von Villa Hügel in Essen

Blick durch die Bibliothek der Villa Hügel © Foto: Susanne Böhling

Erinnern musste ich mich dabei an den kleinen Goldenen Saal im Augsburger Rathaus, in dem die Erfolge der Fugger und Welser ablesbar sind, die auch Fürsten gezeigt haben, wer in Wirklichkeit die Geschicke der Nation bestimmt. Es ist sicher kein Zufall, dass der Stahlunternehmer Krupp die Villa zu einer Zeit erbauen ließ, da für den Deutsch-Französischen Krieg Waffen gebraucht wurden.

Weitläufiges Gelände um die Villa Hügel in Essen

Blick über die Terrasse der Villa Hügel in den Wald des Ruhrtals © Foto: Susanne Böhling

Weithin sichtbar thront der ehemalige Familiensitz der Kruppfamilien über dem Ruhrtal. Heute gehört er der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und die Kulturstiftung Ruhr hat hier ihren Sitz.

Folkwang Museum in Essen

Angenehm, dass das Vermögen der Krupp-Stiftung auch dazu dient, den Besuchern des Museum Folkwang freien Eintritt zu gewähren. So haben wir uns ganz ohne den – lächerlich selbst auferlegten – Zwang, die Kosten ablaufen zu müssen, im Wesentlichen auf den zentralen Raum mit der Ausstellung Gediegenes und Kurioses Los Carpinteros, Ouyang Chun und Lieblingsstücke aus der Sammlung Olbricht konzentrieren können. Der Sammler Thomas Olbricht hat die Rauminstallation „Helm“ mit Schönem und Kuriosem aus Nah und Fern bestückt, die zum Entdecken und Staunen anregen. Seitdem weiß ich wieder, warum ich schon als Jugendliche meinen Setzkasten so sehr mochte. Und warum es ich zugunsten leichten Gepäcks nicht auf Nutzloses in meiner Wohnung verzichten möchte. Eine echte Befreiung!

Rauminstallation Los Carpinteros im Museum Folkwang

Schweinemädchen aus der Sammlung Olbricht in einer Wabe des „Helms“ © Foto: Susanne Böhling