Hasskommentare ahnden

Freitag, Feierabend, ich trete aus dem Bahnhofsgebäude und ich denke, mich tritt ein Pferd. Über den Platz hallen Worte, Frauen im Kopftuch werden beschimpft. Ich bekomme Gänsehaut, obwohl ich ja vordergründig nicht betroffen bin und verlasse den Ort mit Angst und ein unbeschwerter Start ins Wochenende ist kaum möglich.

Am anderen Tag durchsuche ich die örtliche Presse nach der Kundgebung und bin beruhigt, weil sie trotz eines Aufgebots einer Hundertschaft der Polizei keinen öffentlichen Nachhall gefunden zu haben scheint.

Anders bei Google. Dort finde ich sofort einen Link auf ein mehr als zweistündiges Video – hochgeladen bei YouTube, das ich mir nicht antue. Und jede Menge Kommentare mit eindeutig volksverhetzendem Inhalt. In zweien wird offen zu Gewalt aufgerufen. Ich bin schockiert. Doch dann finde ich neben den Kommentaren drei unscheinbare Punkte, klicke sie an und finde eine Möglichkeit: 

hier klicken – eine Checkbox geht auf

Die muss man ausfüllen, es öffnen sich weitere Fenster, man gibt eine Begründung ab, muss auch seinen Namen nennen, aber das geht schnell und anschließend bin ich froh, dass ich diese Aufrufe zur Gewalt nicht einfach so im Raum stehen lassen musste. 

Inzwischen weiß ich, dass ich weiter gehen und diese Kommentare der Polizei hätte melden können. Öffentliche Aufrufe zur Gewalt sind ein Straftatbestand. Unter der Überschrift 

Hass­kommentare auf Facebook & Co: Neues Gesetz soll Abhilfe schaffen

gibt es einen Artikel bei Stiftung Warentest mit Tipps und Links zu den Seiten der Polizei der einzelnen Bundesländer, auf denen man Anzeige erstatten kann gegen Hass im Internet, hier zum Beispiel in NRW. Sogar Beispiele für Strafen finden sich hier. 

Inzwischen weiß ich auch, dass die Plattform-Betreiber 24 Stunden Zeit haben, solche Kommentare zu löschen. Sonst gibt es einen weiteren Link zu einer Seite des Bundesamtes für Justiz, auf der man sich online beschweren kann. 

Das war in meinem Fall nicht nötig. Der Betreiber hat nicht nur die beiden wirklich eindeutig rechtswidrigen Kommentare gelöscht, sondern fast alle. Auch wenn die Kommentatoren eine Strafe verdient hätten, können sie sich jetzt wenigstens nicht mehr einbilden, dass sie die Meinung aller vertreten und auch damit bin ich etwas zufrieden.  

Bin ich ungeduldig?

Der Spaziergang am letzten Abend in Noord-Holland

Auch ohne strahlenden Sonnenschein und bei maximal 13 Grad Lufttemperatur ist ein Strandspaziergang wunderschön. Noch ein letztes Mal ließen wir die frische Luft in unsere Lungen strömen, weideten unseren Blick an der Weite. Und dann sahen wir einen Fischer. Im von einer Sandbank abgetrennten Teil des Wassers kontrollierte er, bekleidet mit einer Gummihose, an der auch Stiefel hingen, sein Netz.

Nordsee-Fisch wanted

In einem Wagen am Ufer hatte er bereits einige schöne Fische. Gern hätte ich ihm einen abgekauft, denn so frischer Fisch ist schon etwas Besonderes.
Ich esse ihn dann gerne komplett, „from nose to tail“, wie der Engländer sagt, nur die Gräte bleibt übrig. „15 Euro für den Kleinsten“, nannte er mir den Preis. Den fand ich angemessen. Und der Fischer kontrollierte weiter sein Netz.

Ich liebe richtig frischen Fisch

Zugegeben: Lange habe ich nicht gewartet. Als meine Freundin Elisabeth in ihrem Auto vor der Tür unseres Ferienhauses ihre Schuhe wechselte,kam zufällig der Fischer vorbei und sprach sie an. Ob ich noch Interesse an einem Fisch habe. Da sie selbst keinen Fisch isst, Interesse hatte ab sie sich unbestimmt. „Sie war wohl genervt vom Warten“, sagte der Mann. Elisabeth wollte ihm nicht zustimmen. Er dachte nach, beschied dann „sie war zu ungeduldig“ und ging weiter.

Und nun frage ich Euch: War ich wirklich ungeduldig? Oder hätte es einen anderen Grund haben können, wenn ich bei gefühlten 13 Grad Celsius nicht warte, bis der Fischer aus dem Wasser kommt, um mir einen Fisch zu verkaufen? Der Fischer jedenfalls hat diesen Grund jedenfalls nicht bemerkt.

Welchen Grund könnte ich gehabt haben, nicht zu warten ….