In der Grünen Hölle von Salmorth

Eine Wanderung bei bestem Wetter in der wunderbar niederrheinischen Landschaft von Kleve Salmorth artete in ein Abenteuer aus, das mir lange in Erinnerung bleiben wird

Das beste Wetter für eine Wanderung über Salmorth

Den Mittwoch hatten wir schon lange für eine Wanderung ins Auge gefasst. Dass das Wetter dann unerwartet schön war, mit durchaus sommerlichen Temperaturen, freute uns sehr. Deswegen wollten wir auf meinen Vorschlag hin über Salmorth wandern. Die Insel zwischen neuem und altem Rheinarm liegt, war das erste Stückchen Land, das mich in NRW begeisterte. Damals, vor mehr als 35 Jahren kam ich aus Bayern und hatte in diesem Bundesland nur Städte wie Köln oder Bochum kennengelernt, die mich nicht sonderlich ansprachen. Aber Salmorths weite Landschaft öffnete mir das Herz.

Man hätte auf Salmorth auch Baden können

So steuerten wir einen Parkplatz am Rheinufer an und schnürten die Wanderschuhe. Andere Menschen trugen Sonnenschirme und Decken aus ihren Autos auf die Uferabschnitte mit dem feinen Sand. Kinder schleppten Bagger und Quietschentchen. Wir warfen lediglich einen Blick auf die Gesellschaft, schulterten unsere Rucksäcke und gingen los. In den Rucksäcken hatten wir Badesachen. „Da kommen noch mehr solche Buchten“, sagte ich zu Elisabeth. „Da ist dann auch weniger los.“

Am Ufer des Rheins in Salmorth gibt es feinsten Sand, Muscheln und Steine, die der Rhein dünn und flach geschliffen hat.

Viel Schilf am Ufer des Rheins in Salmorth

Als es keine Parkplätze mehr entlang des Weges gab, wurde es ruhiger und wir gingen hinunter ans Ufer. Muscheln knirschten unter unseren Schritten und diese Kieselsteine, die der Rhein auf seinem 858 Kilometer langem Weg dünn geschliffen hatte.

Rheinkilometer 858 in Kleve Salmorth

Dann rückte Schilf ans Wasser. Immer enger. Kein Problem, solange es flach war. Unsere Wanderschuhe waren gut gefettet. Das änderte sich: „Wenn wir jetzt weiter gehen, läuft uns das Wasser von oben in die Schuhe“, stellten wir fest. Umdrehen? Wir sahen uns fragend an. Das ist nun nicht mein Ding und schon meinte ich, eine Alternative auszumachen, einen schmalen Pfad, der nach oben zur Deichkrone führte.

In der grünen Hölle Salmorths

Anfangs brauchte ich mich nur durch das Schilf zu schlängeln. Aber bald wurde es eng. Und es wuchsen auch noch massenweise Brennnessel neben dem vermeintlichen Pfad. Umdrehen kam immer noch nicht in Frage. Auch nicht, als wir die vermeintliche Deichkrone erreicht hatten und sahen, dass es noch einmal zirka 100 Meter waren, bis zur nächsten. Die ebenfalls nicht die endgültige war. Da kamen auch noch Brombeeren dazu. Ich fluchte, denn ich trug eine kurze Hose und ein ärmelloses Shirt. Inzwischen brannten Arme und Beine wie der Teufel. Kurz dachte ich an die lange Jeans in meinem Rucksack, doch umziehen wäre zu umständlich gewesen. Hose runter, Fuß aus dem Schuh, Bein aus der Hose, in die nächste Hose, Fuß wieder in den Schuh, Schuh zubinden – und das alles ohne Sitzgelegenheit oder wenigstens festem Stand?

Elisabeth in der grünen Hölle Salmorths

Elisabeth fand Worte: „Die grüne Hölle Salmorths“ titelte sie scherzhaft. Wo es weiter gehen könnte, sah sie ebenso wenig wie ich.

Ein Ausweg aus der grünen Hölle Salmorths ist nicht auszumachen

Immer wieder hatte sie einen Trost: „Dein Hut tarnt Dich perfekt!“ Oder: „Mit Dir wollte ich schon immer mal ins Dschungelcamp!“ Und ich wünschte dringend einen Helikopter, der uns hätte rausholen können.

Gut getarnt aber leicht verkrampft in der grünen Hölle Salmorths

Ausweglos gefangen im Dschungel

Nach gefühlten drei Stunden waren wir endlich an der echten Deichkrone und erreichten den Weg, der uns Richtung Schenkenschanz führte.

Schenkenschanz ist ein verwunschener Ort auf Salmorth

Kurz vor Erreichen des Ortes gab es eine Bank, an der wir rasteten, unser Butterbrot aßen und meine Wunden besehen konnten.

Das Brennen hatte inzwischen etwas nachgelassen. Entschädigt wurde ich durch den Blick auf dieses schöne Fleckchen Erde.

Die weite Landschaft von Kleve Salmorth begeistert mich nach wie vor.

Und als ich nachts wach lag, weil die Haut auch nach der Dusche und der Behandlung mit diversen Salben immer noch brannte, habe ich mir geschworen, zukünftig nur noch mit Machete über Salmorth zu laufen. Aber ich war auch dankbar um die Freundin, die so einen Mist mitgemacht hatte.

Mit den Wanderschwalben in Grevenbroich

Das Beste war das Wetter, beim Juni-Ausflug der Wanderschwalben nach Grevenbroich. Aber auch nur, weil in diesem Jahr schon so viel ins Wasser gefallen ist. Ansonsten beeindruckte die Landschaft an Erft und Gilbach, durch die uns Gudrun und Elisabeth führten.

von Susanne Böhling

Idylle schenkt Energie

Wenn ich von der Stadt Grevenbroich höre, denke ich an Braunkohle. Und die dadurch verursachten Wüstenlandschaften. Dieses Bild erschien auch in meinem Kopf, als Gudrun Grevenbroich als Ausgangspunkt für den Juni-Ausflug der Wanderschwalben nannte. Das schob ich jedoch sofort an die Seite. Schließlich weiß ich, dass die Gruppe Frauen, zu der ich seit Ende 2015 gehöre, Idylle bevorzugt, wenn sie einmal im Monat sonntags gemeinsam auf eine 10 bis 15 Kilometer lange Tour geht. Entsprechend war ich pünktlich um 11 Uhr am Treffpunkt, Kloster Langwaden.

Einfahrt zu Kloster Langwaden

Kloster Langwaden, Sitz von Zizterzienser Mönchen. Foto: © Susanne Böhling

Christliche Häuser am Wegrand

Dort beeindruckte mich erst der alte Baumbestand, dann das Gebäude. Zisterzienser Mönche bewohnen und bewirtschaften das Haus, gewähren hier wohnungslosen, alten und Männern in besonderen Lebenslagen Einkehr und Obdach. Von hier aus ging es zielgerichtet auf verschlungenen Pfaden, oft entlang der Erft weiter nach Wevelinghoven. Auch dort beeindruckte uns ein christlich geprägtes Haus, das Seniorenwohnstift St. Martinus (dessen sanitäre Anlage wir nutzen durften).

Anlage von St. Martinus, Seniorenstift in Wevelinghofen, Ortsteil von Grevenbroich

Das Seniorenstift St. Martinus in Wevelingshofen. Foto: © Susanne Böhling

schöner Ausblick auf die Anlage des Seniorenstiftes in Grevenbroich-Wevelinghoven

Gepflegte Anlage des St. Martinus-Stiftes in Wevelinghoven, Foto: © Susanne Böhling

Kunst in Wevelinghoven, Stadt Grevenbroich

Die scherenschnittartige Skulptur in der Anlage des Seniorenstiftes St. Martinus in Wevelinghoven erinnert an Georg Ettls Arbeiten Foto: © Susanne Böhling

Rast an der Erft

Weiter schlängelte sich unser Weg unter der kundigen Führung von Elisabeth und Gudrun, die die Strecke im Vorfeld zur Vorbereitung der Tour bereits einmal abgelaufen waren und schon die Bank für unsere Mittag-Rast ausgeguckt hatten. Mit Blick auf die Erft, die wegen des hohen Wasserstandes braun und schnell an uns vorbei floss.

Die Erft in Grevenbroich führt Hochwasser

Der Ausblick auf die Hochwasser führende Erft bei Grevenbroich bei der Mittagsrast Foto: © Susanne Böhling

Zeit für lebendigen Austausch

Das System, dass sich zwei um die Ausarbeitung der Tour kümmern, und die anderen bequem hinterher laufen können, ist wie für uns Frauen gemacht. Wir können uns auf das Wesentliche konzentrieren. Auf die Gespräche, die für uns so wichtig sind. Da die Mitglieder der Gruppe aus unterschiedlichen Berufen kommen und auch privat unterschiedliche Lebensformen pflegen, kommen wir zu lebendigem, anregendem Austausch, während unsere Beine in langen Schritten voran schreiten. Auch Mühlrath, die Neubrücker Mühle und Neubrück lagen an unserem Weg.

Abstecher nach Hülchrath

In einem willkommenen Abstecher führten uns Gudrun und Elisabeth nach Hülchrath, einem weiteren Ortsteil von Grevenbroich, der laut wikipedia nur 741 Einwohner, aber einen historischen Ortskern hat. Besonders beeindruckend Schloss Hülchrath, das vom Ort aus verschlossen und geheimnisvoll wirkt. Die Burg hat ihren Ursprung im Jahr 900, sie wurde zum Schutz gegen die Wikinger gebaut. Heute finden dort Veranstaltungen statt. Bereits am kommenden Wochenende ein Mittelalter-Spektakel.

Eingang zu Schloss Hülchrath, Grevenbroich

Von der Ortsmitte aus erscheint Schloss Hülchrath verschlossen und geheimnisvoll. Foto: © Susanne Böhling

Schloss Hülchrath in Grevenbroich veranstaltet auch Mittelalter-Spektakel

Schloss Hülchrath wurde ursprünglich als Burg gegen die Wikinger errichtet. Foto: © Susanne Böhling

Wanderschwalben in Grevenbroich

Die Wanderschwalben laufen durch Hülchrath. Foto: © Susanne Böhling

Urwald am Gilbach

Das letzte Stück unseres Weges führte uns entlang des Gilbachs und dort erlebten wir den krassen Gegensatz zu den Mondlandschaften, die ich im Sinn hatte: Der üppige Bewuchs entlang des Pfades erinnerte eher an einen Urwald und hätten Elisabeth und Gudrun ihn bei ihrer Vorbereitungstour nicht schon mit der Machete frei geschlagen, es hätte kein Durchkommen gegeben.

In Grevenbroich findet sich üppiges Pflanzenwachstum

Urwald am Gilbach. Foto: © Susanne Böhling

So aber konnten wir im wunderschönen Biergarten von Kloster Langwaden in der Sonne einen Imbiss genießen!

Kloster Langwaden in Grevenbroich

Der Biergarten von Kloster Langwaden als Ziel der Tour. Foto: © Susanne Böhling

 

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