Theo ist ein Vorbild

aber irgendwann reicht’s

Wer versteht das? Hunde sind auf dem Uerdinger Markt verboten! Egal, dann gehen wir eben nacheinander, und nicht miteinander. Erst versorgt sich Birgit mit Gemüse und Eiern und ich warte mit Theo auf sie. Danach umgekehrt.

Theo wartet gelassen mit Birgit Foto: © Susanne Böhling
Theo wartet gelassen mit Birgit Foto: © Susanne Böhling

In der Fugängerzone bleibt Theo cool

Anschließend gehen wir gemeinsam Kaffee trinken. Erst suchen wir uns einen der Tische im Außenbereich, der Uerdinger Fußgängerzone, stellen unsere Einkäufe auf die Stühle und machen Theo an einem fest, dann gehen wir gemeinsam ins Lokal, um Kuchen auszusuchen und alles an den Tisch zu tragen. Theo wartet derweil völlig gelassen, wobei ich schon beobachte, ob besondere Herausforderungen in Form von anderen Hunden nahen. Doch die bleiben aus. Als wir es uns am Tisch gemütlich gemacht haben, legt sich Theo mit dem Bauch auf den Asphalt und lässt Kinder, Hunde und Lieferwagen an sich vorüberziehen ohne auch nur einmal den Kopf zu drehen. Wieder bin ich beeindruckt. Auch zurück geht es mit dem Zug. In der Wartezeit macht sich Theo auf dem Bahnsteig breit.

In der Fußgängerzone bleibt Theo cool © Susanne Böhling
In der Fußgängerzone bleibt Theo cool © Susanne Böhling

Theo verordnet uns eine Ruhepause

Nachmittags verordne ich uns einen Spaziergang. Mit der U74 der Rheinbahn fahren wir nach Fischeln und laufen durch den parkähnlichen Grünstreifen an der Strecke entlang wieder zurück. Plötzlich steuert Theo einen Baum an, legt sich den Schatten lässt die Zunge weit raushängen und lässt sich nicht vom Fleck bewegen. Ich muss schmunzeln. Um ihm ausreichend Bewegung zu bieten, waren wir Freitag mehr als elf Kilometer gelaufen, heute am Samstag waren es auch schon mehr als sechs. Dazu die vielen Stufen. War wohl doch etwas viel. Mit Geld (Leckerli) und guten Worte locke ich ihn zu der zwei Meter entfernten Bank, dann kann ich auch Pause machen. Theo kratzt noch die Erde unter der Bank auf, dann ist sie feucht und der Kühleffekt größer. Ich gebe ihm von dem Wasser, das ich für ihn dabeihabe. Wir ruhen uns eine halbe Stunde lang aus. Und gehen dann gemütlich nach Hause.

Jetzt reicht's. Theo verordnet uns eine Pause. © Susanne Böhling
Jetzt reicht’s. Theo verordnet uns eine Pause. © Susanne Böhling

Kaum schließe ich die Haustür auf, legt sich Theo auf die kühlen Fliesen und ignoriert die Stufen. 72 führen uns zur Wohnung. Gestern noch ist er fröhlich hinunter und hinauf getrabt. „Der hat Muskelkater“, denke ich mir und nehme ihn auf den Arm.

Der erste Tag – Hund Theo macht Eindruck

Die Nacht verlief ohne Zwischenfälle. Am Abend hatte ich Theo eine Scheibe Fleischwurst in Aussicht gestellt, wenn er sich in die Transportbox begeben würde. Ein unschlagbares Argument, wie ich erfreut beobachtete. Morgens machten wir unsere erste Runde – ereignis- und ergebnislos. Er machte nichts. Weder legte er sich mit anderen Hunden an (es waren aber auch wenige unterwegs) noch hob er bei jeder Laterne sein Bein, an einen Haufen auf den nahegelegenen Grasstreifen war nicht zu denken. Also wieder nach oben. Insgesamt bin ich an dem Tag mit die die 72 Stufen sechsmal hoch und runter gestiegen, ich wollte ja unbedingt vermeiden, dass er sich bei dem Stress der Umstellung in meiner Wohnung entleert.

Gut zureden hilft – auch wenn er mich nicht versteht

Bei diesen vielen Gänge lernten wir uns natürlich besser kennen. Die Menschenmassen in der Fußgängerzone schien er gar nicht wahrzunehmen, völlig unbeeindruckt trabte er an locker durchhängender Leine munter wedelnd durch die Menge. Artgenossen stressten ihn nur zu Anfang, er zog bellend in ihre Richtung. Dann führte ich ihn so, dass ich zwischen ihm und dem anderen Hund ging und redete ihm gut zu: „Theo, Du musst Dich nicht aufregen, der tut Dir nichts, ich beschütze Dich.“ Ich glaube ja nicht, dass er es verstanden hat, aber gewirkt hat es trotzdem.

Zug fährt der Hund völlig selbstverständlich

Abends wollte ich Freundin Birgit besuchen, Theo durfte mit. Dafür musste ich den Zug Richtung Duisburg nehmen, Gleis 2 oder 3. Auch hier begleitete mich Theo ohne Widerrede und stieg in den Zug, als hätte er sein Leben lang kein anderes Fortbewegungsmittel genutzt.

Theo macht sich im Zug breit Foto: © Susanne Böhling
Ganz entspannt: Theo macht sich im Zug breit Foto: © Susanne Böhling

Als Birgit in die Küche ging um unser Abendessen zuzubereiten, wollte er ihr gerne folgen. Ein scharfes „nein“ aus meinem Mund reichte, um ihn auf der Schwelle halt machen zu lassen. Ups – so gut hört der Hund schon auf mich. Wir waren erstaunt. Nach ein paarmal „nein“ blieb er die nächsten Male von selbst auf der Schwelle stehen. Um anschließend wieder ein paar Ermahnungen zu brauchen. Aber bei Birgit und ihrem Mann Gerd machte er sich mit seiner sanften freundlichen Art sofort beliebt.

Auch als Gast bei Birgit und Gerd macht Theo eine gute Figur. Foto: © Susanne Böhling
Auch als Gast bei Birgit und Gerd macht Theo eine gute Figur. Foto: © Susanne Böhling

Busfahren – wo ist das Problem?

Nur auf dem Rückweg nach Hause, als er mit mir in den Bus steigen sollte, wollte er nicht so groß. Das lag wahrscheinlich an der hohen Schwelle. Ich glaube, Theo hatte da schon reichlich Muskelkater.

Welpe oder lieber Theo …

… das war keine Frage

Nach dem vergeblichen Abstecher nach Kiel habe ich weiter telefoniert. Mit allen greifbaren Züchtern, ob Border-, Cairn- oder Welsh-Terrier. Nix. Auch keine Welpen. Zumindest nicht vor 2022 oder sogar später. Besonders ergiebig war das Gespräch mit Frauke Petra Dreyssig, einer Welsh-Terrierzüchterin aus Heimpertsdorf, Nahe Aichach in Bayern. „Viel zu weit!“ hatte ich eingewendet, als meine Schwester mich auf den Zwinger aufmerksam gemacht hatte. Ich ließ mich für einen Welpen in 2022 oder 2023 vormerken und wir verbanden uns auf Facebook.

Okay für einen Hund

Tags drauf führte ich ein Gespräch mit meiner Teamleiterin. Ich bat darum viel Homeoffice machen zu dürfen, wenn so ein kleines Wesen in meinem Haushalt Einzug halten sollte. Sie steckte den Rahmen und die Bedingungen ab und gab grünes Licht. Trotzdem war noch kein kleiner Hund in Aussicht.

Lohnenswerte Verbindung

Wieder einen Tag später erhielt ich von Frauke Petra Dreyssig über Facebook eine Nachricht: „Rüde in Nettetal, also gleich vor der Haustür abzugeben!!!!“ Dort war auch der Link zur Website des Zwingers Vom Delissenhof   zu finden. Tatsächlich! Theo, Deckrüde, als Begleithund abzugeben. Ich habe keinen Augenblick gezögert, angerufen und für den Nachmittag einen Besuch vereinbart. Dann habe ich die Bahnverbindung gecheckt und konnte auch noch Chrissie, meinem besten Kumpel, bewegen, mich zu fahren. Da er ebenfalls hundebegeistert ist, war das nicht so schwer.

Sympathie auf den ersten Blick

Theo war mir auf den ersten Blick sympathisch. Agil und freundlich. Beim Probespaziergang zeigte er sich total zivilisiert, zog nicht und trabte munter neben uns her. Da gab es nichts mehr zu überlegen, auf der Stelle entschied ich mich ihn mitzunehmen. „Ich lebe aber total anders als Sie hier, auf dem Land“, gab ich Pia und Friedhelm Delißen zu bedenken. „Ich weiß noch nicht, wie er reagiert, wenn er mit den vielen Menschen und Hunden bei mir nicht klarkommt.“

Vorbildlich souverän

Ohne zu zögern ging Theo anschließend mit mir mit. Er sagte den Menschen, die ihm so lange ein gutes Zuhause geboten hatten, nicht einmal Tschüss. Ich setzte mich auf den Beifahrersitz, Theo stieg wieder ohne zu zögern in den Fußraum davor. Etwas, was er bis dato nicht erlebt hatte. Während der Fahrt blieb er total souverän. Genau wie in der Pizzeria auf dem Hülser Markt, wo Chris und ich den Tag feierlich beschließen wollten. Anschließend fuhr er ohne zu zögern mit mir in der Straßenbahn nach Hause und blieb ebenfalls total souverän.

Damit hatte Theo meine Erwartungen bereits weit übertroffen.

Meine Suche nach einem Hund

Ich war nicht die Einzige. Die in der Pandemie auf die Idee kam, dass ein Haustier ihr Leben weniger einsam machen würde. Und dass ein Hund mich zu dem Spaziergang zwingen würde, der meine Laune hebt. Aber ich war nicht die Erste. Sondern mehr so die Letzte. Was eigentlich für mich spricht: Ich treffe so eine Entscheidung nicht leichtfertig. Endgültig sicher war ich, nachdem mir meine Tochter ihren Welsh-Terrier Johnny über ein Wochenende in Pension gegeben hatte: „Der Hund braucht dringend Urlaub“, begründete sie augenzwinkernd und fuhr mit Freunden auf einen Campingplatz, auf dem keine Hunde erlaubt waren.

Ein älterer Hund hat Vorzüge

Am liebsten hätte ich einen älteren Hund. Einen der stubenrein ist und keine Pumps mehr zernagt. Einer der die Nacht durchschläft und nicht alle drei Stunden zum Pipimachen raus muss. Ich wohne doch im vierten Stock ohne Aufzug.  Aber die Suche gestaltete sich schwierig. „Mir haben sie meine alten Hunde aus den Händen gerissen“, sagte eine Züchterin, die ich von früher kannte, als ich selbst noch Hundezüchterin war. Das hörte ich auch von anderen Züchtern, die ich nicht kannte. Ich wühlte mich durch die Seiten der Tierheime, eine Freundin schickte mir Links von Tiervermittlungsseiten … nix, was ich sich in mein Leben hätte einigermaßen integrieren lassen. Also nix, für das ich guten Gewissens die Verantwortung übernehmen könnte für die nächsten Jahre, in denen sich das Leben wieder anfühlen würde wie vor der Pandemie.

Die eigenen Grenzen bei der Hundehaltung erkennen

Die Suche zog sich. Mindestens drei Wochen. Zuletzt sah ich mir einen Rüden in Schleswig-Holstein an. Der war zwar für meine Bedürfnisse ungeeignet und die Besitzer hätten ihn mir auch nicht überlassen. Aber ich habe sehr nette Menschen kennengelernt und ein wunderbares Wochenende an der Ostsee verbracht.

Diese Fotos von Jutta Toschke zeigen ihren wunderschönen Welsh-Terrier Sammy. Als Antwort auf mein Büchlein “Jeder Monat hat 24 Tage” will sie mir 24 Collagen schicken. © Jutta Toschke

Barsbek südlich von Kiel

Ein tolles Wochenende bei und mit tollen Menschen: Jutta und Peter Toschke aus BArsbek bei kiel kennengelernt – wegen des Terriers – sympathisch befunden um ihrer selbst Willen.

Der Weg als Ziel für einen Menschen mit Hang zum Nervenkitzel

Es schien so einfach: Krefeld – Duisburg, Duisburg – Hannover, Hannover – Hamburg, Hamburg – Kiel. Umsteigezeiten relativ entspannt. Und von der Meldung “Teilstreckenticket” habe ich mich nicht irritieren lassen. Kaum saß ich jedoch im Flixtrain FLX nach Hannover, habe ich es kapiert. “Mein Platz ist besetzt”, beklagte sich eine andere Mitfahrerin beim Schaffner. Und ich hakte sofort ein: “Steht hier ja auch nirgendwo dran, welche Plätze besetzt sind.” Ich hatte nämlich nicht reserviert, das war mir bewusst. Der Schaffner sah mich hinter seiner süßen runden Brille mit Kulleraugen an und sagte: “Hier hat jeder Fahrgast eine Reservierung.” Pause. Zweimal klimperte er mit seinen herrlich dunklen nach oben geschwungenen Wimpern. “Haben Sie etwa kein Ticket?” Ich zeigte ihm meines – und tatsächlich! Ich hatte für diesen Teil der Strecke nicht bezahlt. Okay, jetzt war mir das mit dem Teilstreckenticket klar. Und ich begann zu schwitzen.

Wird erhöhtes Beförderungsentgelt fällig?

Fieberhaft versuchte ich per Google herauszufinden, ob man im Flixtrain ein Ticket nachbuchen kann …. “besser Du meldest Dich sofort beim Schaffner …” stand es da, denn würde ich erwischt, wäre sofort ein “erhöhtes Beförderungsentgelt” fällig. Na in diese Falle war ich wenigstens nicht getappt. Aber auf einen niedrigen Preis, wie er die Reise mit Flixtrain sonst so attraktiv macht, dürfe ich nicht mehr hoffen. So checkte ich mein Bargeld, meine diversen Karten und harrte des Schaffners …

Eine freundliche junge Frau lenkt mich ab

Zwischenzeitlich hatte sich eine junge Frau neben mich gesetzt, die regulär gebucht hatte. Mit der entspann sich eine anregende Unterhaltung, die mich wunderbar ablenkte. Einmal passierte er unsere Plätze, ein zweites Mal. Beim dritten Mal kontrollierte er und sagte: “Gleich komme ich zum Kassieren.” Wir passierten Hamm, wir passierten Bielefeldt. “Ich glaube, der kommt nicht mehr”, sagte die junge Frau.

Ein freundlicher junger Mann ist gnädig

Beim Aussteigen raunte er mir zu, dass ich beim nächsten Mal bitte bezahlen solle. Ich bedankte mich auf meine Art und schüttelte ihm zum Abschied die Hand. So wechselte ein Zehner unauffällig den Besitzer.

Ab Kiel geht es entspannt mit norddeutscher Gelassenheit

Der Rest der Fahrt lief problemlos, ich kam pünktlich in Kiel an und wurde pünktlich von Peter abgeholt.

Abends fuhren wir an den Ostseestrand, Jutta und ich gingen eine Runde schwimmen und am anderen Morgen fand ich eine wunderschöne Collage in ihrem Status.

Ostseeabend
Am Abend mit Jutta und Peter Toschke an der Ostsee. Fotos: © Jutta Toschke

Nix dazu gelernt

Es ist noch nicht lange her, dass ich mich als ziemlich fehlerhaft geoutet habe. Keine vier Monate später stelle ich fest, dass sich daran nichts geändert hat. Und das schlimme: Dieselben Fehler!

Ende Januar habe ich mich geoutet: Ich mache Fehler, über die andere nur den Kopf schütteln: “Wie kann man nur!” sagen sie dann. Und das ist keine Frage, sondern Ausdruck der Verachtung. Die sich dann meist nicht nur auf den Fehler bezieht, sondern auf den ganzen Menschen.

Ich mache ziemlich viel Blödsinn

Und so war es mir sehr peinlich zuzugeben, dass ich einmal so lange auf dem Klo Sudoku gespielt habe, bis mir die Beine eingeschlafen waren und mir beim Aufstehen den Dienst versagten. Oder: Ganz in Gedanken versunken stellte ich die Espressokanne auf den Herd, schnibbelte den Apfel für mein Müsli, irgendwann durchzuckte ein Gedanke mein Gehirn: “Müsste jetzt nicht eigentlich der Kaffee fertig sein und zischen?” Aber ich verdrängte ihn. Statt dessen nahm ich die Banane zur Hand, schnibbelte weiter und wunderte mich etwas später über ein “Pling”.

Ein Pling irritiert mich

Ratlos schaute ich mich um: “Woher kam das?” Vergeblich suchten meine Augen, bis mir die Nase den Weg wies: Kaffee, aber irgendwie anders. Da entdeckte ich den Griff der Espressokanne, der auf dem Kocher lag – wo er nicht auffiel. Damit war klar, warum ich ihn zunächst übersehen hatte und woher dieser seltsame Geruch kam: Er war aus Plastik. Ich schaute mir die Kanne genauer an und bemerkte, dass sich rund um den Plastiknöppel, den ich anfasse, um den Deckel zu öffnen, schwarze Schlieren bildeten, wie bei schmelzender Schokolade. Alles klar, das Ding war irgendwie überhitzt.

Geschmolzenes Plastik und ein komischer Geruch

Wenigstens dachte ich noch daran die dicken Handschuhe mit der Teflonseite anzuziehen, bevor ich das Ding vom Kocher hob und in die Spüle stellte. So verbrannte ich mir wenigstens nicht die Finger. Ich ließ Wasser drüber laufen. Das zischte, die Brille beschlug! Bis sie soweit abgekühlt war, dass ich sie vorsichtig – mit den Teflonhandschuhen an den Händen -aufschrauben konnte, dauerte es ganz schön lange. Na klar, die Dichtung zwischen Bauch und Kopf der Kanne war auch kaputt, zu heiß geworden. Der Kaffee noch trocken, roch verbrannt. Wie vor den Kopf geschlagen erkannte ich jetzt die Ursache des Malheurs: Ich hatte vergessen, Wasser in den Bauch der Espressokanne zu füllen! Das macht Kaffee – und sorgt dafür, dass die Kanne nicht überhitzt!

Wenigstens nicht die Finger verbrannt

Natürlich habe ich mich darüber geärgert. Klar. Aber so teuer sind die Dinger nicht, der Verlust verschmerzbar. Wobei ich ein paar Tage auf Kaffee verzichten musste. Das war natürlich unangenehm. Aber auch das habe ich überlebt.

Ziemlich unscheinbar, der Griff

Das Geräusch und den Geruch kenne ich doch irgendwoher

Und nun heute, knapp drei Monate später … Als ich dieses Pling hörte, wusste ich sofort Bescheid! Den Geruch erkannte ich ebenfalls wieder. Die Espressokanne! Tatsächlich lag der Griff wie gehabt daneben. Die Topfhandschuhe überstülpen, die Kanne in die Spüle heben, Wasser drüber laufen lassen war schon fast Routine.

Verräterisch, der Rand des Nöppels, wie geschmolzene Schokolade

Kurz kochte Ärger hoch! Du hast nichts dazu gelernt! Wie blamabel! Schande über Dich! Doch dann siegte der Hunger, ich wich getränketechnisch auf Tee aus und besah mir nach dem Frühstück den Schaden: Auf dem Deckel zeigte sich um den Nöppel herum wieder geschmolzenes Plastik, er saß nicht mehr fest auf dem Deckel, aber er hielt! Die Dichtung war noch ziemlich elastisch. Im Inneren der Kanne Spuren von Ruß – von dem verbrannten Kaffee – der sich aber bei Spülen entfernen ließ. Okay, wo ich Ersatz bestellen kann, weiß ich ja inzwischen, ich bekomme von der Firma regelmäßig Newsletter. Vielleicht sollte ich direkt zwei bestellen. Und bis die Neue geliefert wird, lässt sich die Alte ja vielleicht noch gebrauchen.

Kein Beinbruch und auch keine Bänderdehnung

Und so ärgerlich das alles ist: ich danke Gott dafür, dass mir nicht erneut die Beine auf dem Klo eingeschlafen sind … Sudoku spiele ich da nämlich immer noch.

© Susanne Böhling

Ich erzähle von einer Wanderung durch Mönchengladbach

Ein weiterer ausflug mit susi und edo führt mich in meine Vergangenheit. aber ich will mich nicht lange damit aufhalten

Eigentlich hatte ich gar nicht vor, einen Blogbeitrag zu schreiben. Aber Susi war neugierig, wie ich ihn aufziehen würde. Sie und ihr Mann Edo, beides Kollegen, hatten mich Ende Februar zu einem Ausflug an die Ruhr und nach Wuppertal eingeladen. Nun wollte ich mich revanchieren und wählte Mönchengladbach als Ziel. Über die Stadt kann ich ein bisschen was erzählen. Während meiner Zeit als Journalistin hatte ich viel zu schreiben von dort, eine Menge besonderer Orte kennengelernt und vieles über die Historie. So viel, dass ich bei der Planung der Tour vor allem überlegte, was ich weglassen kann. Damit wir es bei 17 Kilometern belassen können. Und nicht 50 unterwegs sind. Oder 100. Weglassen, eine Aufgabe, die ich als Journalistin eigentlich ständig bewältigen musste.

Die geplante Tour für Mönchengladbach und Rheydt

Damals achtete ich strikt darauf, dass die Termine nicht länger als eine Stunde dauerten. So gelang es mir, ich mich relativ entspannt auf die maximal erlaubten 100 Zeilen beschränken. Sonst hatte ich zu viel Input und dann war das furchtbar schwierig. Nun, damit würde ich aber diesmal nicht auskommen, schließlich waren wir sechs Stunden unterwegs.

Mönchengladbach wurde am Abteiberg gegründet

Wir starteten am Hauptbahnhof und zogen hinauf zum Abteiberg. Ich erzählte etwas zur Gründung der Stadt, deswegen sie die einzige ist, die am Niederrhein eine Topographie hat. Dass sie ihren Namen von den Mönchen hat und von dem Gladbach, dem goldenen Bach, der heutzutage vor allem unter der Erde fließt. Wir stromerten durch den Garten des Abteibergmuseums. Ich vermisste einige Skulpturen, aber vielleicht werden sie ja nur im Sommer aufgebaut, der Brunnen sprudelte auch nicht. Dafür entdeckte Susi das Baumhaus, das ich noch nicht kannte. Es gibt immer etwas, das ihre Neugierde weckt und dadurch eröffnet sie auch mir, die ich schon alles zu kennen glaube, neue Perspektiven. Wir zwängten uns durch die Öffnung auf die Pllattform und sahen den Garten von oben, aber von einem anderen oben wie sonst, nämlich von der Seite und nicht zentral vom Museum aus.

Blick vom Baumhaus im Garten des Museum Abteiberg
Blick vom Baumhaus im Garten des Museum Abteiberg

Der höchste Punkt: Der Alte Markt

Ich zeigte den Beiden die vielen Gassen und Straßen die auf den Höhepunkt, den Alten Markt zulaufen, tischte ihnen noch die Geschichte von dem Richtplatz auf, an diesem Tag vollgestellt von Marktwagen. Wie oft hier unter meinem kritisch wohlwollenden Blick der Hoppeditz zum Leben erweckt und die Karnevals-Session eröffnet wurde oder oder oder – ich spreche nicht davon, sonst würde unser Ausflug frühestens nach 60 Stunden enden.

Blick in die Waldhausener Straße und eine freundliche Vergangenheit

Blick auf die frühere Curry 27 in der Waldhausener Straße

Dann warf ich noch einen Blick in die Waldhausener Straße. Hier gab es die Curry 27, ein Schnellrestaurant, das man nicht als Imbiss bezeichnen darf, denn Petra frittierte selbstgeschnitzte Pommes und die waren eine Delikatesse, wie ich sie nach ihrem Weggang aus der Stadt nicht mehr genossen habe. Dazu servierte sie mir einen Bauernsalat und rettete mir ein ums andere Mal das Leben, wenn ich zwischen Terminen und Schreiberei kaum zum Atmen kam. Doch weil ich diese Erinnerungen nicht mit Susi und Edo teile, verweilte ich auch nicht darin, sondern wir zogen weiter.

Am Hospiz blitzt ein trauriger Verlust wieder ins Bewusstsein

Am Hospiz vorbei, wo ich den Kollegen Jürgen kurz vor seinem Tod besucht hatte. Ein Erlebnis, dass mir seitdem nicht mehr präsent war, aber jetzt schossen mir augenblicklich die Tränen in die Augen. Gut, dass es sonnig war und die Brille dunkel. Wir blickten durch das schmiedeeiserne Tor in den Hof der Abtei und ich erlaubte mir einen Hinweis auf die vielen Sitzungen, an denen ich hier als Vertreterin der Öffentlichkeit teilgenommen hatte. Details zum Presseschießen verkniff ich mir. Auch wenn ich mich noch heute über die frechen Antworten freue, mit denen ich bisweilen Volksvertreter oder Amtsinhaber verblüffte.

Das Museum Abteiberg in Mönchengladbach gehört zu den bedeutendsten Bauten der Nachkriegszeit in NRW

Yves Klein Blau

Einen Besuch im Museum Abteiberg konnte ich ihnen dann zwar nicht ersparen, wohl aber die ganzen Geschichten, über die vielen Ausstellungen, die begleiten durfte (seitdem kann ich mich für moderne Kunst begeistern. Das Foto zeigt übrigens eine Arbeit von Yves Klein. Sein berühmtes Blau ist nur ganz schlecht wiedergegeben). So konnten sich Susi und Edo unbeschwert der aktuellen Ausstellung zuwenden. Ein Video von einer Straßenszene arabische Schriftzeichen an den Tafeln über den Geschäften.

Zwei Männer, einer mit Mundharmonika, einer mit Gitarre ziehen durch die dicht gedrängten Straßen, und intonieren das Intro aus „Spiel mir das Lied vom Tod“.Mit einer Handykamera gefilmt sieht man Mengen von Männern, Blut, die Stimmung ist aufgewühlt und feindlich. Leider konnte ich nicht – wie früher -­ mit den Informationen aus dem Pressevorgespräch dienen. Aber Susi erkannte sofort, dass die Szenen auf im kurdischen Irak aufgenommen wurden, ihr erster Mann, Vater ihres Kindes, ist dorthin zurückgekehrt. „Solche Szenen sieht man im westlichen Fernsehen nicht“, sagte sie. Und vermutete dahinter Schutzmechanismen. Sie weiß von Exilanten, die sich so etwas immer wieder in den Sendern aus der Heimat ansehen, was sie furchtbar runter zieht. Susi erzählte also von sich. Und irgendwie doch auch von mir, selbst wenn ich so etwas nie erlebt habe und hoffentlich auch nicht erleben werde.

Mit dem Bus von Mönchengladbach zum Rheydter Markt

Mit dem Bus fahren wir anschließend nach Rheydt, gehen am Marktplatz vorbei. Dort berichte ich nicht von den Grillmeisterschaften, bei denen ich immer wieder in der Jury saß und dort den Dieter Bohlen oder den Joachim Llambi gab, also das Mitglied, dass ein ehrliches Urteil abgab und treffende Worte fand, egal ob es sich um einflussreiche Karnevalistenverbände oder unbedeutende Metzgereifachverkäuferinnen handelte. Gleichzeitig lieferte ich einen bunten Punkt, gab also gleichzeitig den Jorge González. Und als einzige Frau die Motsi Mabuse. Haha

Jurorin bei der Rheydter Grillmeisterschaft im Jahr 2012
Als bunter Punkt in der Jury der Rheydter Grillmeisterschaften

Die meisten Geschichten erzähle ich nicht – vor allem nicht die peinlichen

Auch die endlosen Bezirksvertreterversammlungen im Rheydter Rathaus, erwähnte ich nur im Nebensatz. Aber einer der Höhepunkt kam mir wieder in den Sinn: Aus dem Kännchen kam nur tropfenweise Milch für den Kaffee, der mich wachhalten sollte. Dennoch hörte ich mit einem Ohr den Ausführungen des Vertreters der Opposition zu, ich war also unkonzentriert, wollte schneller mehr Milch, hielt das Kännchen steiler …. und flatsch, landete der Deckel des Kännchens in meinem Kaffee und der verteilte sich – nun mit wesentlich mehr Milch als nötig vermischt – mit einem kleinen Tsunami über mindestens zwei Presseplätze. Peinlichst berührt starrte ich wie gebannt auf den See, an dem sich eine kleine Ausbuchtung bildete, gleich würde es einen Abfluss Richtung Tischkante geben. Doch die Kollegen aus dem Presseamt und vom Konkurrenzblatt waren schon losgespurtet um Papiertücher zu besorgen und verhinderten so, dass auf dem Teppich eine unschöne Erinnerung an meine Zeit als Journalistin bleiben würde. Grausam, so eine Schmach, auch wenn sie typisch für mich wäre.

Eine von den schönen Geschichten – die Rheydter Kirmes und kein Ende

Im Stil der 80er Jahre zur Silberhochzeit bei Doris und Paul

Auch die Kirmes erwähnte ich nur kurz: dass ich dabei Paul kennenlernte und dank der Frotzeleien mit ihm eine ziemlich locker flockige Reportage über den Rundgang schreiben konnte. Von wegen 100 Zeilen (Das Maximum, siehe oben)! Ich lieferte 140 (der Rundgang hatte mehr als eine Stunde gedauert) – und keine einzige wurde herausgekürzt. Ich verkneife mir eine Nacherzählung! In der Folgezeit entwickelte sich zu Paul und seiner Familie eine schöne Freundschaft.

Ich war dort sogar zur Silberhochzeit eingeladen, es galt sich im Stil der 80er Jahre zu kleiden.

Dauergast im Theater Mönchengladbach – Rheydt

Eine typische Kritik einer Aufführung in Theater Mönchengladbach - Rheydt

Das Theater durften wir auch nicht auslassen. Immerhin war ich dort über ein paar Jahre mindestens einmal in der Woche bei einer Pressevorbesprechung oder bei einer Premiere. Eine tolle Zeit. Wir passierten es ohne Stopp.

Neuen Wege mit neuen Geschichten

Dann gingen wir uns Richtung Osten. Auf Höhe von Schloss Zoppenbroich wandten wir uns nach Norden, immer an der Niers entlang. Ein schöner Weg, den ich bis dato nicht kannte. Wir plauderten über unseren Job, die Firma, die möglichen Entwicklungen in der Zukunft. Da beide dort schon eine halbe Ewigkeit arbeiten, sind ihre Ansichten und Beobachtungen interessant – und vielleicht sogar wichtig.

Schloss Rheydt – nicht weit entfernt vom Hauptbahnhof Mönchengladbach

Angekommen auf Schloss Rheydt beschränkte ich mich weiterhin auf das nötigste, auch wenn das ein wirklich geschichtsträchtiger Ort ist und einer der wenigen (oder der einzige) Renaissance-Bauten am Niederrhein. Susi und Edo konnten also ungestört die Pfauen bewundern, die heutzutage die Herren abgeben.

Vom Volksbad Mönchengladbach

Dass es von hier aus nur ein Klacks ist bis zum Volksbad, war mir bis dato ebenfalls nicht bewusst. Mit dem Auto muss man nämlich einen weiten Bogen fahren. Zu Fuß sind es nur ein paar Kilometer. Auch hier erzähle ich nur, was nicht bei Wikipedia nachzulesen ist: Dass der Bau in der Zeit zwischen den Weltkriegen eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für arbeitslose Weber war.

Und dann ist es auch nicht mehr weit bis zum Bahnhof. Ein schöner Tag, eine gute Mischung. Unsere Beine melden zwar zuverlässig, dass sie 17 Kilometer gelaufen sind, aber der Geist ist erfrischt.

Fazit: Will man die Gegenwart genießen und gelassen in die Zukunft schauen, ist es gut, sich nicht zu lange mit alten Geschichten aufzuhalten. Wenn ich allerdings mal Langeweile habe, kann ich mir diese unerzählten Geschichten ins Gedächtnis rufen und schöne und schreckliche Gefühle erneut durchleben.

Unerzählte Geschichten – untold stories – könnte auch ein guter Titel einer Ausstellung im Museum Abteiberg sein. Moderne Kunst mag solche englischen Titel. Aber für meine Geschichten aus Mönchengladbach wäre sogar dieses schöne große Museum zu klein. Ich bin mal gespannt, was Susi dazu sagt, dass ich den Blogbeitrag über unseren Ausflug so aufgezogen habe.

Text: © Susanne Böhling
Fotos: Von der Rheydter Grillmeisterschaft © rimapress, Markus Ricken
Schloss Rheydt: Maren Walla-Kaufmann,
restliche Fotos © Susanne Böhling

Wie ich an einem Tag 20 Kilometer und sechs Mahlzeiten schaffte

Meine Kollegen Susi und Edo luden mich zu einem ihrer legendären Samstagsausflüge ein. Dabei legte ich sagenhafte 20 Kilometer laufend zurück. Mein persönlicher Rekord.

Foto: © Susanne Böhling

Wir brachen relativ früh auf. 8:41 Uhr ging der Zug von Krefeld Hauptbahnhof, in Uerdingen würden die beiden um 8:48 Uhr zusteigen. Ja, und weil klar war, dass Edo der Reiseleiter wäre, habe ich dann auch nicht mehr auf die Uhr geschaut. In Essen mussten wir umsteigen. Ich weiß auch nicht mehr, in welchen Zug, weil Edo solche Dinge derartig zuverlässig im Blick hat, dass sie für mich zu Nebensächlichkeiten verkamen.

Immer mit der Ruhe und öffentlichen Verkehrsmitteln

In Hattingen stiegen wir aus und machten eine kleine Runde Richtung Innenstadt. Dort gab es einen Bäcker und der hatte für uns lecker frisch belegte Brötchen und Kaffee. Ein Stück weiter fanden wir eine Bank an einem kleinen Platz. Die Sonne schien uns ins Gesicht und wir freuten uns an den Häusern. Bei manchen war das Fachwerk zu sehen, bei anderen war die Fassade mit Schiefer vor dem Regen geschützt (Mahlzeit Nummer 2, ich hatte zuhause schon gefrühstückt).

Umsteigen, aussteigen und aufsteigen – die ersten 100 Höhenmeter

Dann brachen wir gemächlich auf Richtung Busbahnhof und nahmen einen Bus, aus dem wir an der Haltestelle Isenberg ausstiegen. Von dort aus ging es steil bergauf zur gleichnamigen Burg aus dem 12. Jahrhundert. Wir schlenderten über die Anlage, sinnierten über die Dicke der Mauern, die Verwendung der Räume, die sie ehemals begrenzten, beherrschten uns, weil das Betreten der Mauerreste verboten ist und genossen den Blick über die Ruhrschleife. Auch die Wetteränderungen waren ein Thema: „Vor einer Woche wären wir hier bestimmt nicht hochgekommen, so viel Schnee und Eis wie es gab.“ Und die Jahreszeit: „Im Sommer verdecken die Blätter an den Bäumen die Aussicht, wir würden die Ruhr kaum zu Gesicht bekommen.“

Warten auf die S-Bahn oder erholen von den Anstiegen?

Dann gingen wir weiter, Richtung Südwesten und kamen auf eine Landstraße. „Nach eineinhalb Kilometern sind wir dann am S-Bahnhof Velbert Nierenhof“, sagte Edo. Und Susi entdeckte einen Weg, der zwar einen Umweg bedeuten würde, uns aber auf weicherem Untergrund (den Matsch bemängeln wir nicht!) durch Feld und Wald ans Ziel bringen würde – wie Edo mit Blick auf seine Wanderapp bestätigen konnte. Am S-Bahnhof fanden wir eine freie Bank, freuten uns über die Erholung nach dem doch steilen Stück über den Isenberg, unterhielten uns über die Familiengeschichte der beiden, und kaum 20 Minuten später ging es schon weiter. Richtung? – „Wuppertal“ stand auf der Bahn!

Foto: © Susanne Böhling

Dort sprach Susi immer von einer Skateranlage und so zog es uns Richtung Norden durchs Zentrum um den Hauptbahnhof, Elberfeld. Wir entdeckten eine Eisdiele und gönnten uns das erste Eis des Jahres 2021 (Mahlzeit Nummer 3).

Foto: © Susanne Böhling

Wuppertal hat eine Topographie

Schleckend zogen wir weiter durch die Straßen, wunderten uns über die Topographie mit den vielen Steigungen und den vielen Einbahnstraßen. Ich teilte Erinnerungen an andere Besuche in dieser besonderen Stadt: Eine Schwebebahnfahrt, das Engels-Denkmal. Aber das heben wir uns für die nächsten Ausflug auf. Ich will einen Fremdenführer organisieren. Dann fanden wir noch eine kleine Parkanlage und dort teilte ich die Butterbrote, die ich für den Tag geschmiert hatte (Mahlzeit Nummer 4, die sollten ja nicht verkommen).

© Susanne Böhling

Unmerklich lotste uns Edo mal hierhin und mal dorthin und ehe ich mich versah, standen wir hoch oben auf der Hardt, einer wunderschönen Gartenanlage, dem botanischen Garten der Stadt, in der gerade großflächig die Krokusse sprossen. Ein Bild, von dem wir uns gern den Atem rauben ließen (es war nicht der steile Anstieg), mal in der Sonne sitzend, mal den Wegen folgend, so dass sich die Perspektive dauernd änderte und oft mit dem Blick hinunter auf Wuppertal.

Auf dem Weg zum Bahnhof genehmigten wir uns noch Pommes und Currywurst (Mahlzeit Nummer 5). Dann nahmen wir den Zug nach Düsseldorf, stiegen um in die K-Bahn und waren kurz nach 19 Uhr auch schon wieder in Krefeld.

Ich konnte meinen Augen kaum trauen: Der Schrittzähler zeigte 24896 Schritte, das sollen fast 18 Kilometer sein. Aber bei Edo waren es auch 17,75 km und bei Susi 18,15 km. Also so ungefähr wird das wohl stimmen.

Ich mache noch eine Extrarunde zum Kiosk

Bei mir kamen dann noch ein paar Schritte dazu, weil ich ein Paket bei einem Kiosk im Norden der Innenstadt abholen wollte (Dort konnte ich nicht widerstehen. Ich habe mir noch einen Schokoriegel gekauft und auf dem Heimweg verspeist. Die 6. Mahlzeit). Die Strecke wurde nicht mehr mitgezählt (ich habe nachgerechnet, es waren insgesamt rund 20 Kilometer), der Akku in meinem Handy hatte nämlich schon schlapp gemacht. Ich hingegen, fühlte mich ziemlich frisch. Im Gegensatz zu anderen Touren, wo ich meine Knochen bereits nach 13 Kilometern deutlich gespürt habe. Da bin ich die Strecke meist in einem durchgegangen. Jetzt frage ich mich, ob das auf Dauer die richtige Taktik ist, denn: 20 Kilometer sind und bleiben 20 Kilometer, die wir an diesem Tag auf den Tacho haben. Und ja, ich fühle mich einerseits frisch. Andererseits gehe ich ganz schnell ins Bett und schlafe geschlagene 11 Stunden.

Zugenommen habe ich von den sechs Mahlzeiten übrigens nicht.

© Susanne Böhling

Nix fließt – alles stockt

Panta rhei – steht im WhatsApp Status einer guten Freundin. „Alles fließt“ bedeutet das wörtlich übersetzt. Der griechischer Philosoph Heraklit wollte damit zum Ausdruck bringen, dass sich alles ständig verändert. Eine schöne Vorstellung und ja, ich schau gern auf den dahinfließenden Rhein, auf die kommenden und gehenden Wasser am Meer oder auf den sprudelnden Gebirgsbach …. ich finde es schön, dass ich nicht mehr die bin, die ich einmal war.

Momentan allerdings, Stand Februar 2021 empfinde ich diesen Spruch als Hohn, wann immer er mir unter die Augen kommt. Momentan, wo sich ein Tag kaum vom anderen unterscheidet, wo es keine Highlights gibt. „Die Zeit plätschert so vor sich hin“ könnte man sagen. Aber das wäre beschönigend. Mir scheint, die Zeit steht still. Still wie Wasser in einer Pfütze, abgestanden, und sobald es wärmer wird, wird es vor sich hin modern. Still wie das Wasser, das knöcheltief auf meinem Balkon steht, zusammen mit ein paar letzten Schneeresten.

Moment mal!

Die Zeit als abgestandene Pfütze ist nicht im Fluss

Ich habe doch einen Ablauf im Balkonboden. Mit dem stimmt anscheinend etwas nicht. Der ist – optisch gesehen – frei. Kein Laub oder andere Pflanzenreste verstopfen ihn. Bleibt nur Eis im Inneren. *grübel grübel* Ja! Ich erinnere mich an die Tränken für die Kälber vor nicht ganz einem halben Jahrhundert. Der Winter meines Landwirtschafts-Praktikums war noch kälter als dieser im Jahr 2021 und vor allem länger kälter. Täglich mussten wir Anstrengungen unternehmen, damit die Kälber mit ihren großen schwarzen Augen und den staksigen Bewegungen etwas zutrinken bekamen. Laut muhten sie, wenn wir mit den Eimern voll heißem Wasser anrückten, mit dem wir die Schläuche auftauten. Anschließend stürzten sie sich gierig auf die Tränken.

Von der abgestandenen Pfütze zum verstopften Ablauf

Also stelle ich jetzt schnell meinen Wasserkocher an, schütte die blubbernde heiße Flüssigkeit in den Ablauf und kann beobachten, wie langsam Bewegung in das Wasser kommt, unmerklich zunächst, bis es schließlich einen kleinen unscheinbaren Strudel bildet und in der Tiefe verschwindet. Es steht also doch nicht still und ich bin zufrieden. Denn Wasser knöcheltief auf einem Balkon mit Fliesenbelag, das wäre dem auf Dauer nicht gut bekommen.

Die Wärme bringt das Eis zum Schmelzen und das Wasser zum Ablauf

Aber: War das schon ein Highlight? Nein. Irgendwie nicht.

Noch einmal lasse ich den Tag Revue passieren. Und da fällt mir ein: Da war was! Heute ging ich ausnahmsweise mal wieder Richtung Bahnhof und kam an der Filiale der Bäckereikette vorbei, bei der ich nie einkaufe. Und da sah ich die beiden jungen Männer wieder, die dort arbeiten. Einer bediente eine Kundin, der andere reparierte die Uhr an der Wand. Beide bemerkten mich und beide lächelten mich an, so wie sie es immer tun, wenn ich zum Bahnhof strebe und sie mich bemerken. Und ich konnte zurück lächeln. Das war schön. Ich glaube, das ist es, was mir fehlt – weil ich im Homeoffice arbeite, gehe ich zurzeit nicht mehr Richtung Bahnhof.

Krefeld Hauptbahnhof

Wenn ich mich bewege, sieht die Welt anders aus

Vielleicht sollte ich es öfter tun. Einfach ohne zum Bahnhof zu müssen. Einfach am Bäckereigeschäft vorbei eine Runde um den Block gehen, ein Lächeln abholen, ein Lächeln schenken und schon sieht der Tag ganz anders aus.

Aber ich bin mir nicht sicher, ob meine Kraft dazu reicht. Sie ist schon ziemlich abgestanden. Ich hoffe, sie fängt nicht an zu modern wenn es wärmer wird.

Hoffentlich reicht meine Kraft für die Runde um den Block

Hochwasser in Uerdingen

Eigentlich wollte ich nur eben mit dem Fahrrad zum Markt in Uerdingen und anschließend eine Runde über Stratum und Linn nach Hause drehen. Dann habe ich mich doch mit einer Hochwasserschau begnügt.

Blick aufs Vereinshaus des Uerdinger Ruderclubs Foto: © Susanne Böhling
Wasser weit und breit – so präsentiert sich heute der Rhein. Das scheinbar gebogene Geländer ist eigentlich gerade und der Rhein macht einen Knick. Foto: © Susanne Böhling

Ich denke an meinen ersten Rudergang bei Hochwasser. Wir fuhren ein Stück Rheinaufwärts durch die Weiden und Pappeln über die Wiesen, die hinauf zum Deich führen und über die ich sonst laufe. Dort war das Wasser ganz ruhig. Später stromab in die Roos, eine Hochwasserausgleichsfläche nördlich des Bayerwerks Richtung Rheinhausen. Zurück mussten wir auf die rechte Rheinseite, weil vor der Kaimauer in Uerdingen die Strömung zu stark war. Wir wären nicht dagegen angekommen. Besonders bei der zweiten Querung, zurück zum Ruderhaus, war mir die starke Strömung unheimlich. Ich sah uns schon im Wasser – ohne Chance auf Rettung. Aber die vier Kerle im Boot legten sich mächtig ins Zeug und so verloren wir trotz der Strömung nicht einmal an Höhe. Trotzdem war ich sehr dankbar, als ich kurz darauf eine Rettungsweste geschenkt bekam. Die hing seitdem immer in meinem Spind im Ruderhaus.

Was allerdings meine Fahrradpläne anbelangt: Es war jetzt entweder zu kalt oder ich nicht warm genug angezogen. Jedenfalls stand da die Straßenbahn der Linie 44 an ihrer Endhaltestelle, an der ich ja vorbei musste. Hätte müssen. Denn ich habe dann kurzerhand die Abkürzung genommen.

Falls Ihr einige andere Rudererlebnisse nachlesen wollt. Hier sind die Links:
Rudern und Baden
Aufbruch zum Rheinmarathon
Der Rheinmarathon – ein besonderes Ereignis
Der Tag nach dem Rheinmarathon