Der Schnee von heute

Manchmal ist allein sein gar nicht das Schlimmste. Sonntag Morgen zum Beispiel. Da war ich mir schon kompliziert genug

Irgendwann, als ich beschloss aufzustehen, sah ich, dass von dem Schnee, der Samstag am späten Abend gefallen war, immer noch etwas zu sehen war! Das hat Seltenheitswert am Niederrhein! Also … irgendwas muss ich damit doch anfangen … vielleicht sollte ich mit dem Zug nach Kleve fahren, dort auf den weiten Flächen müsste seine bezaubernde Wirkung um ein Vielfaches höher sein als auf dem Dach, auf das ich von meinem Fenster aus schaue. Rapp zapp, „9:36 Uhr“ sagt die App, würde die nächste Bahn fahren.

Was jetzt? Ja, nein, vielleicht?

Ich begann mir Brot zu schmieren und Tee zu kochen für den Thermobecher und suchte die passende Kleidung aus, während Gedanken durch meinen Kopf schossen. Zweifel, wie „Ob sich das lohnt?“ oder „Ob ich dann noch rechtzeitig zur Kirche komme? Oder vielleicht zur Abendmesse gehen soll?“ wechselten sich ab mit Euphorie: „Wie gut, dass ich so nahe am Bahnhof wohne“, und „mit dem Zug bin ich jetzt viel lieber unterwegs als mit dem Auto, da stört der Schnee auf den Straßen weniger.“ Ich weiß nicht, wie oft ich meinen Entschluss änderte. Mag sein, dass die Frequenz in „Hz – Hertz – Schwingung pro Sekunde“ messbar gewesen wäre. Und gut, dass es nur 40 Minuten bis zur Abfahrt des Zuges waren. – Ich auf Wechselstromfrequenz? Mit der Energie könnte man ein Atomkraftwerk einsparen.

Das Hin und Her der Entscheidungen: Wechselstrom oder doch schon Drehstrom?

Wenn ich mir jetzt vorstelle, da wäre ein Kerl gewesen! Dass er sich mit mir auf dieser Frequenz hätte einschwingen können, das kann – und das will – ich lieber nicht erwarten. Stell dir vor, diese Sinuskurven laufen nicht synchron? Schrecklich!

Kurzzeitig (als ich nach meiner Rückkehr die Situation mit Bewusstsein durchleuchtete) konnte ich mir vorstellen, dass er mich auf den Schoß nimmt, mir übers Köpfchen streichelt um mich zu beruhigen. Aber dann hätte ich womöglich den Zug verpasst – und das hätte ich ihm nie verziehen, denn dass mit jeder Minute der Schnee schmolz und das Grau das Weiß aus der Landschaft verdrängen würde, war ja wohl klar.

Oder er will mitkommen. Dann hätte ich es womöglich nicht geschafft, genügend Butterbrote für zwei zu schmieren und für seinen Kaffee hätte mir der Thermobecher gefehlt. Oder er will mitkommen und ist nicht spontan genug. Vielleicht hätte er mich einfach in Ruhe machen lassen sollen und wäre bei seinem Plan für den Tag geblieben. Aber dann hätte ich womöglich eine dritte Alternative gehabt. Das wäre ja dann schon Drehstrom gewesen und bestimmt hätte es mir dann die Sicherung rausgehauen.

Nachmittags ohne Schnee, aber mit Begleitung

So sitze ich ganz entspannt an meinem Tisch, lese Zeitung und mache mir meine Gedanken. Und weil ich so früh zurück war von meiner Zugfahrt, kann ich sogar noch mit einer Freundin zu einer Wanderung aufbrechen. Es war nämlich wirklich so viel weniger Schnee als erwartet, dass ich die Fahrt schon in Nieukerk (ein Drittel des Weges nach Kleve) abgebrochen habe. Da brauchte ich nur zehn Minuten auf den Zug in Gegenrichtung zu warten, der mich wieder nach Hause gebracht hat. Konnte ich auch ganz allein entscheiden, keine Diskussion! In diesen zehn Minuten – aber auch schon auf den wenigen Metern zum Bahnhof – wurde mir klar, dass sich die frische Luft auf jeden Fall lohnt. Da waren meine Nase und meine Lungen sofort einer Meinung und von der sind sie nicht mehr abgewichen.

Bei der Wanderung am Nachmittag haben wir sogar ein bisschen Sonne

Ganz entspannt habe ich den Weg mit einer Freundin gemacht. Sie hatte von dem ewigen Hin- und Her am Morgen nichts mitbekommen

Ommm – auf türkisch

Nur nicht aufregen. Auch in scheinbar aussichtslosen Situationen gibt es Grund zur entspannung. bei mir übernehmen das die nachbarn.

Zugegeben: Ich war aufgeregt! Seit 9:30 Uhr saß ich auf meinem Koffer. Oder besser: Auf meinen Koffern! Es war bei weitem nicht nur einer! Ich sollte für mindestens vier Wochen in Reha … Dort sollte mein gebrochenes Bein wieder fit werden. Das durfte ich nicht belasten, musste mich bei jedem Schritt auf zwei „Unterarmgehilfen“ stützen, konnte also nichts selbst tragen. Wie sollte mein Gepäck in den Wagen? Vier Stockwerke ohne Aufzug und meine Wohnung liegt mitten in der Fußgängerzone. Ein unlösbares Problem. Furchtbar.

Hilfsbereitschaft aus der ersten Etage

Den Nachbarn aus der ersten Etage, ein Familienvater mit türkischem Hintergrund, rief ich um 9:50 Uhr an und bat ihn, mir das Gepäck schon mal herunterzutragen. Er hatte mir schon zu Beginn meiner Behinderung seine Hilfe angeboten und mir seine Karte gegeben. Jetzt war es 10 Uhr, die Koffer standen ordentlich aufgereiht unter den Briefkästen im Hauseingang, und ich – auf einem Bein – vor der Tür. Es war jetzt 10:10 Uhr. Noch immer kein Anruf vom Fahrer, der sollte sich doch 20 Minuten vor Ankunft bei mir melden. Seit 10 Uhr darf man nicht mehr in die Fußgängerzone fahren.

Yoga ist diesmal keine Lösung

Es würde schwierig werden. Ich war also immer noch aufgeregt. Oder sogar etwas aufgeregter. Die Atemzüge (habe ich überhaupt geatmet) wurden kürzer, die Sauerstoffzufuhr für mein Gehirn (Gehirn, was ist das?) schlechter … „Und jetzt machen wir alle Ommm“ hätte mein Yogalehrer gesagt. Aber er war nicht da und mir selbst kam diese Empfehlung einfach nicht in den Sinn, aufgeregt wie ich war und mit meinen Gedanken um den Fahrer und um das Gepäck … „ich habe doch hoffentlich nichts vergessen?“

Rettung aus der Änderungsschneiderei

Da ging die Tür der Änderungsschneiderei auf. Die Nachbarin aus der ersten Etage, die hier den Leuten die Hosen kürzer und die Röcke weiter macht, und deren Ehemann mir die Koffer geschleppt hatte, stellte mir augenzwinkernd einen Stuhl vor die Tür. Mit einem dankbaren Blick ließ ich mich darauf plumpsen und holte das erste Mal wieder Luft. Die Nachbarin verschwand in ihrer Änderungsschneiderei.

Kaffee wirkt wunder

Kurz darauf ging die Tür ein zweites Mal auf, sie kam heraus und drückte mir eine frische Tasse Kaffee in die Hand. Der Kaffee duftete, gierig und tief sog ich den Dampf in meine Lungen. Mein Atem beruhigte sich, ich nahm einen kleinen Schluck und lächelte sie an. Mit jedem weiteren Schluck beruhigte ich mich etwas mehr und irgendwann fing mein gesundes Bein an zu baumeln, ein sicheres Zeichen für komplette Entspannung. Der Transportdienst war eine dreiviertel Stunde zu spät, er hatte mich nicht 20 Minuten vor seiner Ankunft angerufen. Es hatte einen Stau gegeben, das hätte ich mir ja denken können.

Ich kann mir nicht immer selbst helfen

Und jedem Menschen, dem „Ommm“ in solchen Situationen nicht einfällt, was umso wahrscheinlicher ist, je größer die Aufregung, wünsche ich freundliche Nachbarn wie die meinen.

Heiliger im Hauptbahnhof

Krefeld Hauptbahnhof
Auch hier kann man sich vom Märtyrer St. Stephanus inspirieren lassen

Auch wenn der Tag des Heiligen Stephanus bereits am 26. Dezember gefeiert wurde: Es gibt viele Gelegenheiten, sich von ihm inspirieren zu lassen. Es lohnt sich. Auch im Krefelder Hauptbahnhof und an allen Tagen des Jahres.

Wie großzügig bin ich? Wie nachtragend? Und was macht das mit mir?

Einmal habe ich es schon geschafft. Ein einziges Mal. Wobei die Situation auch nicht ganz vergleichbar war. Also gar nicht vergleichbar. Eher lächerlich im Vergleich zu dem, was Stephanus geleistet hat. Der erste Märtyrer in der Nachfolge Christi, der noch bei seiner Steinigung seinen Mördern verziehen hat: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ waren seine letzten Worte.

Ausgangspunkt: Ein belangloses Gespräch unter Kolleginnen

Bemerkenswert an Rande vielleicht, dass es eine muslimische Kollegin und Freundin war, die mich kurz zuvor an ihn denken ließ: „Wir sind manchmal so nachtragend“, sagte sie. „Dabei ist es lächerlich, worüber wir uns aufregen. Wenn wir uns erinnern, was unsere Propheten alles ausgehalten haben.“

Anstoß: Hilfssheriff im Krefeld Hauptbahnhof

Ein paar Tage später fuhr ich mit meinem Rädchen rüber zum Bahnhof, ich wollte den Zug nach Uerdingen nehmen, wo ich ein paar Besorgungen zu machen hatte. Ich stieg auch im Bahnhofsgebäude nicht ab, denn ich liebe es, über den glatten Steinboden zu fahren. Ein Schwall von Reisenden bremste mich, Menschen die aus einem Zug die Treppen herunter zum Vorplatz strömten. Ich hielt an, balancierte auf der Stelle stehend, um sie nicht zu gefährden. Eine entgegenkommende Frau sah das anders: „Sie wissen ganz genau, dass das verboten ist“, wetterte sie. „Okay“, seufzte ich innerlich, „die Deutschen sind ein Volk von Hilfssheriffs“, hielt weiterhin die Balance und ließ sie unkommentiert ziehen. Als ich endlich auf den Anzeiger am Bahnsteig schauen konnte, sah ich, dass mein Zug ausfallen würde.

Blick auf die Anzeigetafeln
mein Zug würde ausfallen

Also schnell Kehrt machen und zur Straßenbahn, natürlich radelnd, schließlich hatte ich es jetzt auch noch eilig. In der Tür des Bahnhofs sah ich wieder die Frau, die so wenig Verständnis gezeigt hatte für meinen Fahrspaß.

Die Ausgangstür
Und da versperrt sie mir den Weg, die unfreundliche Frau

Ich stürze – war der Hilfssheriff vielleicht eine Hexe?

Ich entschied mich für eine andere Tür, legte mich die die dafür notwendige Kurve und – lag da. War auf dem wunderbar glatten Steinboden ausgeglitten. Seltsamerweise hatte auch die Frau ihre Richtung gewechselt, sie ging an mir vorüber, und höhnisch schallte es durch den ganzen Bahnhof: „Ja, das freut mich ja jetzt richtig, denn das darf man ja nicht.“ Also da hätte ich jetzt doch gern etwas entgegnet, denn das ging eindeutig über die Kompetenzen eines Hilfssheriffs hinaus. Ich ordnete sie schon in die Kategorie Hexe ein. Aber mir fiel im besten Willen kein Konter ein. Das Einzige, was mein Hirn durchzuckte war: „Herr, rechne ihr diese Sünde nicht an!“ denn jemandem eine Verletzung zu gönnen, ja, das halte ich für eine Sünde.

ausgerutscht in der Kurve

Es gibt sehr viele hilfsbereite Menschen

Im gleichen Augenblick war ein junges Paar an meiner Seite, sie fragten, ob ich mich verletzt hätte und ob sie mir helfen könnten. Also das naheliegendste. Dann schüttelten auch sie die Köpfe über die Bemerkung der Frau. Ich berappelte mich derweil, fühlte, dass noch alles dran war und bedankte mich. Ich erreichte sogar noch die Straßenbahn und bekam einen Sitzplatz direkt neben dem Abstellplatz für mein Rädchen.

Die wunderbare Wirkung guter Gedanken

Schnell komme ich runter

Mein Puls beruhigte sich allmählich. Dann bemerkte ich den Frieden in meinem Herzen. Seltsamerweise hegte ich keinen Groll mehr gegen die Frau. Wo es mir doch sonst immer fürchterlich stinkt, wenn mir keine effektvolle Antwort einfällt, auf so eine Unverschämtheit, und ich dann schon mal wochenlang darüber nachdenke, was ich ihr hätte nachrufen können. Das nagt dann bisweilen wochenlang an mir, die Gedanken kreisen um die vermeintliche Schmach und ich habe nicht eher Ruhe bis mir ein Konter einfällt – für den es dann längt zu spät ist. Ich blieb friedlich, freute mich, dass ich mich nicht verletzt hatte und war dankbar: für die Hilfsbereitschaft des jungen Paares, für das Beispiel des Heiligen Stephanus und das Gespräch mit der Freundin und Kollegin. Wer hätte das gedacht.

Der Kampf verliert seinen Reiz

Leider kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich seitdem noch einmal so großzügig verziehen habe. Das mag daran liegen, dass mir auf Unverschämtheiten meistens eine Antwort einfällt. Es kann aber auch sein, dass mir Konter nicht mehr so wichtig sind. Der Frieden in meinem Herzen war so viel angenehmer als der wochenlange Kampf um eine passende Antwort.

verständnis für die andere Seite

Ich habe auch noch einmal über die Frau nachgedacht: Sie war jünger, hatte es aber schwer, mit ihrem Koffer, mit ihrem Gewicht, vielleicht war der Aufzug im Bahnhof belegt, sie hatte es eilig und hatte gerade mit Mühe und Not die Treppen bewältigt. Und dann kommt da Eine und fährt einfach Fahrrad im Bahnhof. Ich kann mir gut vorstellen, dass das auch in mir Aggressionen auslösen könnte, die mit der Radfahrerin eigentlich nichts zu tun haben.

Die Grenze

Ob ich mir allerdings zukünftig solche Fahrten verkneife, das glaube ich nicht. Ihre Lust am Leben wird nicht größer, wenn ich auf meine Lust am Leben verzichte.

© Susanne Böhling, 2021

Messer im atelier extra 3

Als stolze Besitzerin eines Messers aus Bernhard Schedalkes 
Werkstatt freue mich auf eine Ausstellung seiner Kunst am
Wochenende in Oedt
Messer mit der Magie von Kultgegenständen aus der Werkstatt von Bernhard Schedalke
Auf einem Weihnachtsmarkt bin ich über die Messer
von Bernhard Schedalke gespolpert und konnte anschließend,
im Januar 2012 eine Geschichte über ihn machen.

Hier ein Auszug aus dem Zeitungsartikel

Gelegenheit macht Messer

Es war die Gelegenheit, die Bernhard Schedalke zum Messermachen brachte. Im früheren Betrieb des gelernten Werkzeugmachers machten sich die Mitarbeiter aus den abgebrochenen Maschinensägeblättern Teppichmesser. „Die meisten haben nur die Spitze geschliffen. Meine sahen damals schon anders aus”, sagt der Mann, der es bis heute ablehnt, Dinge nur nach ihrem Zweck zu beurteilen und Schönheit zu einem ebenbürtigem Kriterium erhebt. Wobei die Schneidfähigkeit nie verloren geht. Stets trägt er ein kleines Taschenmesser aus seiner Produktion bei sich. „Da kann ich mir im Steakhaus schon mal selbst helfen, wenn die Messer dort stumpf sind.“

Teures Material und geduldige Handarbeit

Irgendwann kaufte er sich Stahl für zwei Messer. „Der kostete damals neun bis zehn Mark pro Zentimeter”, sagt er über den Materialaufwand. Als Werkstatt diente ihm eine Ecke in der Küche der Familie. Dort stand das erste Schleifrad, mit dem er den vier Millimeter dicken Stahlbändern maschinell einen Hohlschliff verpasste. Der Rest war großenteils Handarbeit. Mit feinen Feilen löste er die gewünschte Form aus dem Stahl.

handwerkliche und ästhetische Qualität

Doch bereits die ersten Teile zeichnete eine hohe handwerkliche und ästhetische Qualität aus. „Auf der ersten Ausstellung 1984 traf ich direkt meinen ersten Sammler“, erinnert er sich. Der bot ihm einen Betrag, der Schedalkes Vorstellungsvermögen zunächst übertraf und machte ihn mit den in der Szene üblichen Preisen bekannt. Der St. Töniser etablierte sich schnell, Fachzeitschriften, auch in Norwegen und Frankreich würdigten bald seine Kunst.

„Was ich eingenommen habe, habe ich in teure Materialien investiert“, erzählt er über seine Entwicklung. Schwarzes Ebenholz, Grenadill, verwendet er genauso wie Elfenbein, 10000 Jahre alte Mammutzähne oder Tierknochen. „Der Mammutzahn kostete eine D-Mark pro Gramm, die Tierknochen finden wir zufällig“, sagt er. So hat er aus den Stahlresten aus der Herstellung eines großen Messers und einem Mäusezahn als Griff ein Minimesser gemacht, das sich Messebesucher an seinem Stand mit der Lupe ansehen können.

Das erste messer war direkt ein voller erfolg

Das Messer, das er seinem ersten Sammler verkaufte, hat er nach dessen Tod wieder zurück bekommen. Eine breite Schneide, ein Griff aus Grenadill, darin eingelassen Perlmutt und Silber, von antiker Strenge und Schönheit.

So stellt man sich das Messer vor, mit dem Julius Cäsar ermordet wurde.

Heute ist es unverkäuflich. „Wenn ich nicht Messermacher wäre, wäre ich sicherlich Sammler“, sagt er über die Faszination, die die an sich schlichten Schneidwerkzeuge auf ihn ausüben, denen er die Magie von Kultgegenständen verleiht.

Diesmal mit in der Ausstellung D i e t e r   K a m i n s k i, Shrimshaw- Künstler

Angenehm – Volker Kutscher

Bei seiner Lesung in Duisburg gewährt der Autor, der mit seinem Kriminalroman “Nasser Fisch” Die Vorlage für die Erfolgsserie „Babylon Berlin“ lieferte, Einblicke in seinen Arbeitsprozess und offenbart seine politische Motivation: für Demokratie, Rechtsstaat und Menschlichkeit.

Lesung beim Verein für Literatur Duisburg

Das Foyer der Duisburger Zentralbibliothek ist voll besetzt, als Volker Kutscher aus dem siebten Fall der Serie um den aus Köln stammenden Kommissar Gereon Rath liest. In dem steht Marlow im Mittelpunkt, der König der Berliner Unterwelt, im Film genannt „der Armenier“ und die Zuhörer, die sich bisher nur an die filmische Umsetzung gehalten haben, erfahren: Gereon und Charly – wie Lotte in den Büchern heißt – kriegen sich! Im Jahr 1935 heißt sie nicht mehr „Ritter“, sondern „Rath“. Wer der Mörder ist, verrät Kutscher natürlich nicht. Aber das kann man ja nachlesen – wäre schade, wenn die Spannung weg wäre.

Volker Kutscher zu Gast beim Verein für Literatur Duisburg in der Zentralbibliothek.

Volker Kutscher erzählt, wie seine Geschichten wachsen 

Was man nur hier erfährt: Wenn Kutscher von seinen Hauptfiguren erzählt, dann klingt das fast, als rede er von Verwandten, wenn nicht sogar von Kindern. „Was Gereon da tut, das finde ich nicht so gut“, sagt er beispielsweise darüber, wie Rath bei der Auffahrt Adolf Hitlers zum Reichparteitag in Nürnberg grüßt. „Manchmal machen sich die Figuren selbstständig“,sagt er später. Oder sie protestieren, wenn er etwas geschrieben hat, was nicht stimmig ist. „Das muss ich dann ernst nehmen. Selbst wenn ich dann die letzten 30 Seiten umsonst geschrieben habe.“ Bei einem Pensum von fünf Seiten täglich entspricht das der Arbeit einer Woche. Seine Bücher seien nicht wie Häuser, die man entwirft und plant bis ins letzte Detail, sondern eher wie ein Baum, der langsam wächst und bisweilen sogar den Autor überrascht.

Volker Kutscher erzählt bei der Lesung auch über seine Arbeitsweise und die Arbeit an Babylon Berlin

Babylon Berlin sichert das Interesse amerikanischer Verlage

Nach der filmischen Umsetzung zu Babylon Berlin wird er gefragt, die doch sowenig Ähnlichkeit mit der Buchvorlage habe: „Ich kann den Drehbuchautoren und Regisseuren Tom Tykwer, Achimvon Borries und Hendrik Handloegten vertrauen, deswegen haben sie alle Freiheit, die sie brauchen“, sagt er angenehm unprätentiös. „Filme machen ist doch etwas ganz anderes, als Bücher zu schreiben.“ Wichtig sei ihm lediglich gewesen, dass sie „aus der Zeit heraus erzählen, genau wie das Buch“, sprich: dass die handelnden Personen nicht wissen können, wohin das alles führt. Mit dem Ergebnis ist er sehr zufrieden. Dass amerikanische Verlage jetzt Interesse an den – bereits übersetzten und in England verlegten Büchern – haben, freut ihn außerdem.

Zwei Jahre Arbeit für ein Jahr der Zwischenkriegszeit

Woran er bei allen Unwägbarkeiten festhalten wird: Alle zwei Jahre wird ein neuer Gereon-Rath-Krimi erscheinen. „Schneller kann ich nicht arbeiten,“ sagt er und spricht auf Nachfrage auch von den Mühen des Schreibens, von den Zweifeln, die der „innere Lektor“ sät, um den Schaffensprozess zu bremsen. „Schreiben ist nicht nur schön, sondern auch anstrengend. Die Muse kommt nicht vorbei.“ In einen Flow, in dem die Figuren ihr Eigenleben entwickeln, komme er meist erst, wenn er sich zuvor durch die Seiten gequält habe.

Krimis für Demokratie und Menschlichkeit

Volker Kutsch signiert nach der Lesung am Tisch der Buchhandlung Scheuermann Bücher

Jeder Band behandelt ein Jahr der Zwischenkriegszeit. Begonnen mit 1929 kommt in zwei Jahren der Krimi zu 1936, dem Jahr der Olympiade. Eigentlich hatte er vor, damit aufzuhören. “Aber das wäre irgendwie doof“, sagt er und stellt in Aussicht, bis 1938 weiter zu machen. „Dann ist aber wirklich Schluss. Krieg will ich nicht erzählen.“ Sein Anliegen sei es, von den barbarischen Ereignissen zu erzählen, die in die Zivilisation eingebrochen sind. „Wenn man sich überlegt, die Reichspogromnacht! Vorne brannten die Laternen der Martinszüge, hinten die Synagogen“, zeigt er sich heute noch entsetzt. „Ich will erzählen, wie es dazu gekommen ist.“ Dass er damit auch verhindern will, dass es wieder so kommt, braucht er nicht zu sagen. Es steht greifbar im Raum und er erntet lang andauernden Applaus.

Hasskommentare ahnden

Freitag, Feierabend, ich trete aus dem Bahnhofsgebäude und ich denke, mich tritt ein Pferd. Über den Platz hallen Worte, Frauen im Kopftuch werden beschimpft. Ich bekomme Gänsehaut, obwohl ich ja vordergründig nicht betroffen bin und verlasse den Ort mit Angst und ein unbeschwerter Start ins Wochenende ist kaum möglich.

Am anderen Tag durchsuche ich die örtliche Presse nach der Kundgebung und bin beruhigt, weil sie trotz eines Aufgebots einer Hundertschaft der Polizei keinen öffentlichen Nachhall gefunden zu haben scheint.

Anders bei Google. Dort finde ich sofort einen Link auf ein mehr als zweistündiges Video – hochgeladen bei YouTube, das ich mir nicht antue. Und jede Menge Kommentare mit eindeutig volksverhetzendem Inhalt. In zweien wird offen zu Gewalt aufgerufen. Ich bin schockiert. Doch dann finde ich neben den Kommentaren drei unscheinbare Punkte, klicke sie an und finde eine Möglichkeit: 

hier klicken – eine Checkbox geht auf

Die muss man ausfüllen, es öffnen sich weitere Fenster, man gibt eine Begründung ab, muss auch seinen Namen nennen, aber das geht schnell und anschließend bin ich froh, dass ich diese Aufrufe zur Gewalt nicht einfach so im Raum stehen lassen musste. 

Inzwischen weiß ich, dass ich weiter gehen und diese Kommentare der Polizei hätte melden können. Öffentliche Aufrufe zur Gewalt sind ein Straftatbestand. Unter der Überschrift 

Hass­kommentare auf Facebook & Co: Neues Gesetz soll Abhilfe schaffen

gibt es einen Artikel bei Stiftung Warentest mit Tipps und Links zu den Seiten der Polizei der einzelnen Bundesländer, auf denen man Anzeige erstatten kann gegen Hass im Internet, hier zum Beispiel in NRW. Sogar Beispiele für Strafen finden sich hier. 

Inzwischen weiß ich auch, dass die Plattform-Betreiber 24 Stunden Zeit haben, solche Kommentare zu löschen. Sonst gibt es einen weiteren Link zu einer Seite des Bundesamtes für Justiz, auf der man sich online beschweren kann. 

Das war in meinem Fall nicht nötig. Der Betreiber hat nicht nur die beiden wirklich eindeutig rechtswidrigen Kommentare gelöscht, sondern fast alle. Auch wenn die Kommentatoren eine Strafe verdient hätten, können sie sich jetzt wenigstens nicht mehr einbilden, dass sie die Meinung aller vertreten und auch damit bin ich etwas zufrieden.  

Bin ich ungeduldig?

Der Spaziergang am letzten Abend in Noord-Holland

Auch ohne strahlenden Sonnenschein und bei maximal 13 Grad Lufttemperatur ist ein Strandspaziergang wunderschön. Noch ein letztes Mal ließen wir die frische Luft in unsere Lungen strömen, weideten unseren Blick an der Weite. Und dann sahen wir einen Fischer. Im von einer Sandbank abgetrennten Teil des Wassers kontrollierte er, bekleidet mit einer Gummihose, an der auch Stiefel hingen, sein Netz.

Nordsee-Fisch wanted

In einem Wagen am Ufer hatte er bereits einige schöne Fische. Gern hätte ich ihm einen abgekauft, denn so frischer Fisch ist schon etwas Besonderes.
Ich esse ihn dann gerne komplett, „from nose to tail“, wie der Engländer sagt, nur die Gräte bleibt übrig. „15 Euro für den Kleinsten“, nannte er mir den Preis. Den fand ich angemessen. Und der Fischer kontrollierte weiter sein Netz.

Ich liebe richtig frischen Fisch

Zugegeben: Lange habe ich nicht gewartet. Als meine Freundin Elisabeth in ihrem Auto vor der Tür unseres Ferienhauses ihre Schuhe wechselte,kam zufällig der Fischer vorbei und sprach sie an. Ob ich noch Interesse an einem Fisch habe. Da sie selbst keinen Fisch isst, gab sie sich unbestimmt. „Sie war wohl genervt vom Warten“, sagte der Mann. Elisabeth wollte ihm nicht zustimmen. Er dachte nach, beschied dann „sie war zu ungeduldig“ und ging weiter.

Und nun frage ich Euch: War ich wirklich ungeduldig? Oder hätte es einen anderen Grund haben können, wenn ich bei gefühlten 13 Grad Celsius nicht warte, bis der Fischer aus dem Wasser kommt, um mir einen Fisch zu verkaufen? Der Fischer jedenfalls hat diesen Grund jedenfalls nicht bemerkt.

Welchen Grund könnte ich gehabt haben, nicht zu warten …. 

Rote Wege sind für die Räder

Mit dem Rad in Holland das ist das ideale Fortbewegungsmittel für den Nahbereich des Nachbarlandes. Vom Paradies für Fahrradfahrer können wir uns einiges abschauen.

Der Osten. Das war so 10 Jahre nach der Wende das Ziel für einen motorradfahrenden Freund. „Ich will auch mal auf neuen glatten Straßen fahren“, begründete er. Die waren nämlich gerade mit Hilfe des Solis neu gemacht – während „unsere“ zu einem guten Teil einem Fleckenteppich glichen. Mich zieht es momentan eher in den Westen, die Niederlande, das gelobte Land aller Radfahrer. Seit ich mein Auto verkauft habe und mit Bus, Bahn und Rad unterwegs bin.

Eine Enttäuschung bevor ich mit dem Rad in Holland ankomme

Geduldet, nicht geliebt

So stieg ich auf dem Weg an die Küste Noord-Hollands beim zweiten Umsteigen in Arnhem in den IC 3024 Richtung Den Helder. Der entspricht unserem Regionalexpress und dort erlebte ich meine erste Enttäuschung. Der Zug sollte um 8:32 Uhr starten. Ich hatte mich beim letzten Wagon aufgestellt, weil dort nach meiner bisherigen Erfahrung Plätze für Fahrräder sind. Diesmal nicht, also fragte ich den Schaffner auf Englisch, ob es irgendwo einen für den Transport von Rädern bestimmten Wagen gäbe. Darauf antwortete er nicht. Stattdessen wollte er mich und mein Rad nicht mitnehmen. „Fahrräder sind erst nach 9 Uhr erlaubt. Warten Sie auf den nächsten Zug.“ Ich war perplex und berief mich darauf, dass ich bei der Buchung meiner Fahrt „Fahrradmitnahme“ als Bedingung gewählt hatte.

Keine Fahrradmitnahme im Zug vor 9 Uhr

Ein Lift am Bahnhof

Er war wenig beeindruckt und forderte mich erneut auf auszusteigen. Okay, also kleine Brötchen backen. „Ich störe hier niemanden“, sagte ich. „Das sehen Sie doch selbst.“ Er widersprach nicht. „Wenn der Zug so voll wird, dass ich mit meinem Fahrrad störe, kann ich immer noch aussteigen und auf den nächsten Zug warten.“ Er war einverstanden und ich blieb. Wobei der Platz nicht ideal war. Ich habe die ganze Zeit bis 10:16 Uhr stehen müssen, da erreichten wir Alkmaar. Zwischendurch, kurz nach Utrecht – Abfahrt 9:08 Uhr – sagte er: „Jetzt ist es nach 9 Uhr, jetzt dürfen Sie können Sie hier bleiben.“ Ich bedankte mich und sagte ihm nicht, dass ich das schon selbst bemerkt hatte.

Das Paradies fängt mit genügend Abstellmöglichkeiten am Bahnhof an

Fahrradparkplatz in Alkmaar Treinstation

Als ich in Alkmaar ausstieg, fühlte ich mich wie im Paradies. Mit einem super schnellen Aufzug konnte ich mein Rad aus dem Bahnhof herausbefördern, sehr angenehm. Und dann sah ich auch schon die Fahrradparkplätze in den riesigen Ausmaßen, mindestens so groß wie ein Fußballfeld. Sowas brauchen wir in Krefeld auch!

Hier werden Fahrräder als Verkehrsmittel ernst genommen

Eigene Ampelschaltung für die Fahradfahrer

Der Weg nach Bergen war leicht zu finden. Zwar hatte ich mein Handy als Navi funktioniert, aber die Wege waren deutlich ausgeschildert, breit, hatten einen roten Belag und mussten nicht mit Fußgängern geteilt werden. Auf dem Rad in Holland hat man seine eigene Ampelanlage, die Signale für die Radler haben ihre eigene Schaltung, ich musste nicht, wie bei uns, mindestens fünf Minuten warten bis ich einmal links abgebogen war!

Spezielle Wege für das Rad in Holland

Unterführung für Radfahrer

Eine stark befahrene Umgehungsstraße musste ich nicht queren, es gab eine Unterführung! Nur für Fahrräder – für die Fußgänger gab es einen grauen Streifen am Rand der Fahrbahn. In weiten Schwüngen führte der Weg durch die Felder und Wiesen, über eine kleine Brücke über einen Fluss. Bei der Einfahrt nach Bergen aan Zee gab es sogar künstliche Bodenwellen, wie sie bei uns auf Straßen eingebaut werden, auf denen die Autofahrer langsam fahren sollen. Es war ein großes Vergnügen hier mit dem Rad unterwegs zu sein.

Leichte Mängel im Belag

Eingebaute Bodenwellen bremsen auch Radfahrer

Wobei: Auch hier werfen Bäume den Belag auf und machen ihn arg hubbelig. Und die zu Fischgrätmustern verlegten Ziegelsteine als Fahrbahndecke hemmen die Geschwindigkeit. Im Vergleich zu den Zuständen, in denen sich die Fahrradwege in Krefeld befinden ist das ein absolutes Luxusproblem.

Neue Gefahren die E-Bikes

Abstellraum für Räder am Hotel

Beim Frühstück im Hotel erzählte mir ein anderer Gast davon, dass die Niederländer inzwischen die Fahrradfahrer als Plage betrachten: „Es gibt zu viele!“ begründete er. „Dazu kommen die E-Bikes und dann auch noch die schnellen E-Bikes, die mehr als 25 kmh fahren dürfen.“ Außerdem dürfen die Radwege von Moppeds benutzt werden, ebenfalls in zwei Kategorien: Bis 25 kmh ohne Helm, schnellere mit Helm. Kaum vorstellbar, dass das ein Problem sein könnte, so breit wie die Radwege hier ausgelegt sind. Ich denke an den Rheindeich zwischen Krefeld und Düsseldorf. Der ist zwar neu, aber viel zu schmal. „Es werden immer mehr Verkehrstote mit Fahrrädern“, sagte er. Das ist traurig, deswegen bin ich überzeugt, dass unseren Nachbarn etwas einfallen wird, wegen auf dem Rad in Holland noch sicherer zu machen.

An der Alten Kirche Krefeld – Open-Air ökumenisch

Wo gestern noch bei “Kultur findet statt” Band populäre Musik machten, feierten Christen unterschiedlicher Konfessionen am Sonntag am Platz an der Alten Kirche einen ökumenischen Gottesdienst. Sie saßen auf Bierbänken. Danach gab es Suppe im Pfarrgarten.

Beim ökumenischen Gottesdienst an der Alten Kirche findet jeder einen Platz

Die Bühne auf dem Platz an der alten Kirche dient dem ökumenischen Gottesdienst.

Den Camping-Hocker hätte ich zuhause lassen können. Den nahm ich vorsichtshalber mit zum ökumenischen Gottesdient am Platz an der Alten Kirche. Dort war ich bislang zum Feiern – allerdings ganz profan, mit Bier – oder zu den Konzerten des Folkorefestes und und und  … es ist schließlich der beste Platz für Open-Air in Krefeld und immer musste ich stehen. Diesmal war vieles anders. Die Kneipen waren zu, auch wenn auf dem Platz Bierbänke standen. Auf denen konnten die Besucher des 23. ökumenischen Gottesdienstes ziemlich bequem sitzen. Näherte sich jemand suchenden Blickes dem Ort, bedeutete ihm Alexander Karrasch, Küster der Gastgeber-Gemeinde einen noch freien Platz oder er organisierte weitere Stühle.

Anders als gewohnt ist auch gut

So konnte ich als Katholikin, in deren Religionsverständnis auch der evangelische Vater seine deutlichen Spuren hinterlassen hat, ganz entspannt einen besonderen Gottesdienst erleben. Einen, in dem ich auf die gewohnte Eucharistie verzichtete. Eine, in der ich Bibelstellen zu hören bekam, die an diesem Tag nicht in der katholischen Messe gelesen worden wären. Eine, in der viel mehr gesungen wurde „als normal bei uns“.

Vertreter von fünf christlichen Konfessionen bereiten den Gottesdienst vor

Gut besucht ist der ökumenische Gottesdienst.

Das Vorbereitungsgremium hatte sich auf das Motto „Hand in Hand – in Gottes Hand“ geeinigt. „Wir beginnen immer kurz nach Weihnachten und treffen uns fünf bis sieben Mal“, berichtete Ulrich Hagens, Gemeindereferent der katholischen Pfarrei Johannes IIIXX, also in der Gemeinde, in der ich Pfarreiratsmitglied bin. „Inzwischen ist vieles eingespielt“, sagt er. „es ist ja schon das 23. Mal, dass wir das in dieser Form machen.“

Außer ihm waren dabei (und nun hoffe ich, keine Fehler gemacht zu haben. Falls doch: Bitte vergeben!):

Das war anders bei diesem ökumenischen Gottesdienst an der alten Kirche:

Kerzen und Kreuz aus der Alten Kirche  für den Gottesdienst stehen auf einem provisorischen Altar. Außergewöhnlich war für mich außerdem, dass der Psalm (104) nicht nur vorgetragen, sondern im Wechsel mit der Gemeinde gesprochen wurde. Er ist ein Lob Gottes, seiner Schöpfung und der Gnade, mit der er die Menschen speist. „… wenn Du Deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt“, heißt es da – mit dem Bezug zum Motto. Zwei Lieder folgten und dann die Lesung aus der Apostelgeschichte (3,1-16), in der von der ersten Krankenheilung und der ersten Predigt Petrus berichtet wird. Für die Zeit der anschließenden Predigten, wurden die Kinder zu einer eigenen Katechese in die Alte Kirche eingeladen.

Drei unterschiedliche Auslegungen mit einem gemeinsamen Kern

Auf dem Weg in den Pfarrgarten betrete ich zum ersten Mal den Kirchenraum der evangelischen Innenstadtgemeinde.

Jede der folgenden drei Auslegungen – von einem evangelischen, einem katholischen und dem mennonitischen Gemeindevertreter – hatte einen anderen Schwerpunkt, den ich durchaus nachvollziehen und aus dem ich etwas mitnehmen konnte. Ein Konflikt mit den anderen Konfessionen empfand ich nicht. So erlebten die Gläubigen vor der Alten Kirche, worauf es bereits dem Vorbereitungskreis ankam. „Durch diese Zusammenarbeit lernen wir uns besser kennen“, sagt Ulrich Hagens. „Wir finden das Gemeinsame und lernen, uns nicht in den Details theologischer Spitzfindigkeiten zu verlieren. Ich würde mich freuen, wenn wir diesen Kreis ausweiten können.“ Dabei denkt er auch an nicht-christliche Religionen. „Darauf können wir uns allerdings noch nicht einigen.“

Alle essen dieselbe Suppe – in zwei unterschiedlichen Ausfertigung

Kirchenmusikerin Christiane Böckeler im Gespräch mit Pfarrer Volker Schran.

Nach dem Gottesdienst lud die Gemeinde Alte Kirche noch zum Suppe-Essen in ihren Pfarrgarten. Es gab Nudel- und es gab Gulasch-Suppe. Wer sich wo bediente, ließ ebenfalls keine Rückschlüsse auf die Konfession zu. Alle unterhielten sich angeregt und so musste ich aufpassen, dass ich den mitgebrachten Camping-Hocker nicht vergaß, wie den Schirm, wenn es nicht regnet. Es gab nämlich wieder genügend Sitzplätze.

Durch das Neandertal bei Mettmann

Elke hat uns eine schöne Tour für die nächste Wanderung durch das Neandertal ausgesucht. Gemeinsam mit Elisabeth bin ich sie gestern vorgegangen und schicke Euch schon mal ein paar Fotos um Euch zum Mitgehen zu motivieren.

Licht und Schatten und ein bisschen hügelig

Gleich nach unserem Start vom gut ausgeschilderten Wanderparkplatz aus konnten wir  uns mit unserem Wegzeichen vertraut machen: A1

Wegezeichen fürs Neandertal: A1

Wenig Totholz im Gewässer

Der Schauer der Urzeit im Neandertal

Macht mir ein bisschen Gänsehaut: Zu wissen, dass hier mit den Neandertalern “Menschen” durch die Wälder gesprungen sind, deren Wünsche sich nicht sonderlich von den unsrigen unterschieden haben dürften

Es geht auch am Neandertalmuseum vorbei, wo wir ebenfalls eine Rast einlegen können. Diese Stelle hat mich nicht zu Fotos inspiriert, es war laut und rummelig. Aber die Orte waren sauber und öffentlich zugänglich.

Idyllische Gehöfte, gut renoviert und bewohnt finden sich am Weg

Der perfekte Platz für die Anfangs-Rast

Hier gibt es Gelegenheit zu einer kurzen Rast, dahinter gibt es einen wenig einsehbaren Abhang. *hüstel, räusper*

Da wir eine solche Rast gern kurz nach Beginn unserer Wanderung machen, werden wir die Wanderung in umgekehrter Richtung machen. Dann haben auch Elisabeth und ich – die sie schon kennen, nochmal völlig andere Aussichten. Erhalten bleiben werden Euch diese Ansichten. Bei unserem Termin werden sicher noch ausreichend Blätter an den Bäumen sein. Dann liegt auch der Platz für die abschließende Einkehr perfekt kurz vor Erreichen des Parkplatzes.

Faszinierendes Wolkenspiel in einer perfekt geformten Senke

Mein Lieblingsbild

Unübertreffliches Spiel von Licht und Schatten