Angenehm – Volker Kutscher

Bei seiner Lesung in Duisburg gewährt der Autor, der mit seinem Kriminalroman “Nasser Fisch” Die Vorlage für die Erfolgsserie „Babylon Berlin“ lieferte, Einblicke in seinen Arbeitsprozess und offenbart seine politische Motivation: für Demokratie, Rechtsstaat und Menschlichkeit.

Lesung beim Verein für Literatur Duisburg

Das Foyer der Duisburger Zentralbibliothek ist voll besetzt, als Volker Kutscher aus dem siebten Fall der Serie um den aus Köln stammenden Kommissar Gereon Rath liest. In dem steht Marlow im Mittelpunkt, der König der Berliner Unterwelt, im Film genannt „der Armenier“ und die Zuhörer, die sich bisher nur an die filmische Umsetzung gehalten haben, erfahren: Gereon und Charly – wie Lotte in den Büchern heißt – kriegen sich! Im Jahr 1935 heißt sie nicht mehr „Ritter“, sondern „Rath“. Wer der Mörder ist, verrät Kutscher natürlich nicht. Aber das kann man ja nachlesen – wäre schade, wenn die Spannung weg wäre.

Volker Kutscher zu Gast beim Verein für Literatur Duisburg in der Zentralbibliothek.

Volker Kutscher erzählt, wie seine Geschichten wachsen 

Was man nur hier erfährt: Wenn Kutscher von seinen Hauptfiguren erzählt, dann klingt das fast, als rede er von Verwandten, wenn nicht sogar von Kindern. „Was Gereon da tut, das finde ich nicht so gut“, sagt er beispielsweise darüber, wie Rath bei der Auffahrt Adolf Hitlers zum Reichparteitag in Nürnberg grüßt. „Manchmal machen sich die Figuren selbstständig“,sagt er später. Oder sie protestieren, wenn er etwas geschrieben hat, was nicht stimmig ist. „Das muss ich dann ernst nehmen. Selbst wenn ich dann die letzten 30 Seiten umsonst geschrieben habe.“ Bei einem Pensum von fünf Seiten täglich entspricht das der Arbeit einer Woche. Seine Bücher seien nicht wie Häuser, die man entwirft und plant bis ins letzte Detail, sondern eher wie ein Baum, der langsam wächst und bisweilen sogar den Autor überrascht.

Volker Kutscher erzählt bei der Lesung auch über seine Arbeitsweise und die Arbeit an Babylon Berlin

Babylon Berlin sichert das Interesse amerikanischer Verlage

Nach der filmischen Umsetzung zu Babylon Berlin wird er gefragt, die doch sowenig Ähnlichkeit mit der Buchvorlage habe: „Ich kann den Drehbuchautoren und Regisseuren Tom Tykwer, Achimvon Borries und Hendrik Handloegten vertrauen, deswegen haben sie alle Freiheit, die sie brauchen“, sagt er angenehm unprätentiös. „Filme machen ist doch etwas ganz anderes, als Bücher zu schreiben.“ Wichtig sei ihm lediglich gewesen, dass sie „aus der Zeit heraus erzählen, genau wie das Buch“, sprich: dass die handelnden Personen nicht wissen können, wohin das alles führt. Mit dem Ergebnis ist er sehr zufrieden. Dass amerikanische Verlage jetzt Interesse an den – bereits übersetzten und in England verlegten Büchern – haben, freut ihn außerdem.

Zwei Jahre Arbeit für ein Jahr der Zwischenkriegszeit

Woran er bei allen Unwägbarkeiten festhalten wird: Alle zwei Jahre wird ein neuer Gereon-Rath-Krimi erscheinen. „Schneller kann ich nicht arbeiten,“ sagt er und spricht auf Nachfrage auch von den Mühen des Schreibens, von den Zweifeln, die der „innere Lektor“ sät, um den Schaffensprozess zu bremsen. „Schreiben ist nicht nur schön, sondern auch anstrengend. Die Muse kommt nicht vorbei.“ In einen Flow, in dem die Figuren ihr Eigenleben entwickeln, komme er meist erst, wenn er sich zuvor durch die Seiten gequält habe.

Krimis für Demokratie und Menschlichkeit

Volker Kutsch signiert nach der Lesung am Tisch der Buchhandlung Scheuermann Bücher

Jeder Band behandelt ein Jahr der Zwischenkriegszeit. Begonnen mit 1929 kommt in zwei Jahren der Krimi zu 1936, dem Jahr der Olympiade. Eigentlich hatte er vor, damit aufzuhören. “Aber das wäre irgendwie doof“, sagt er und stellt in Aussicht, bis 1938 weiter zu machen. „Dann ist aber wirklich Schluss. Krieg will ich nicht erzählen.“ Sein Anliegen sei es, von den barbarischen Ereignissen zu erzählen, die in die Zivilisation eingebrochen sind. „Wenn man sich überlegt, die Reichspogromnacht! Vorne brannten die Laternen der Martinszüge, hinten die Synagogen“, zeigt er sich heute noch entsetzt. „Ich will erzählen, wie es dazu gekommen ist.“ Dass er damit auch verhindern will, dass es wieder so kommt, braucht er nicht zu sagen. Es steht greifbar im Raum und er erntet lang andauernden Applaus.

Hasskommentare ahnden

Freitag, Feierabend, ich trete aus dem Bahnhofsgebäude und ich denke, mich tritt ein Pferd. Über den Platz hallen Worte, Frauen im Kopftuch werden beschimpft. Ich bekomme Gänsehaut, obwohl ich ja vordergründig nicht betroffen bin und verlasse den Ort mit Angst und ein unbeschwerter Start ins Wochenende ist kaum möglich.

Am anderen Tag durchsuche ich die örtliche Presse nach der Kundgebung und bin beruhigt, weil sie trotz eines Aufgebots einer Hundertschaft der Polizei keinen öffentlichen Nachhall gefunden zu haben scheint.

Anders bei Google. Dort finde ich sofort einen Link auf ein mehr als zweistündiges Video – hochgeladen bei YouTube, das ich mir nicht antue. Und jede Menge Kommentare mit eindeutig volksverhetzendem Inhalt. In zweien wird offen zu Gewalt aufgerufen. Ich bin schockiert. Doch dann finde ich neben den Kommentaren drei unscheinbare Punkte, klicke sie an und finde eine Möglichkeit: 

hier klicken – eine Checkbox geht auf

Die muss man ausfüllen, es öffnen sich weitere Fenster, man gibt eine Begründung ab, muss auch seinen Namen nennen, aber das geht schnell und anschließend bin ich froh, dass ich diese Aufrufe zur Gewalt nicht einfach so im Raum stehen lassen musste. 

Inzwischen weiß ich, dass ich weiter gehen und diese Kommentare der Polizei hätte melden können. Öffentliche Aufrufe zur Gewalt sind ein Straftatbestand. Unter der Überschrift 

Hass­kommentare auf Facebook & Co: Neues Gesetz soll Abhilfe schaffen

gibt es einen Artikel bei Stiftung Warentest mit Tipps und Links zu den Seiten der Polizei der einzelnen Bundesländer, auf denen man Anzeige erstatten kann gegen Hass im Internet, hier zum Beispiel in NRW. Sogar Beispiele für Strafen finden sich hier. 

Inzwischen weiß ich auch, dass die Plattform-Betreiber 24 Stunden Zeit haben, solche Kommentare zu löschen. Sonst gibt es einen weiteren Link zu einer Seite des Bundesamtes für Justiz, auf der man sich online beschweren kann. 

Das war in meinem Fall nicht nötig. Der Betreiber hat nicht nur die beiden wirklich eindeutig rechtswidrigen Kommentare gelöscht, sondern fast alle. Auch wenn die Kommentatoren eine Strafe verdient hätten, können sie sich jetzt wenigstens nicht mehr einbilden, dass sie die Meinung aller vertreten und auch damit bin ich etwas zufrieden.  

Bin ich ungeduldig?

Der Spaziergang am letzten Abend in Noord-Holland

Auch ohne strahlenden Sonnenschein und bei maximal 13 Grad Lufttemperatur ist ein Strandspaziergang wunderschön. Noch ein letztes Mal ließen wir die frische Luft in unsere Lungen strömen, weideten unseren Blick an der Weite. Und dann sahen wir einen Fischer. Im von einer Sandbank abgetrennten Teil des Wassers kontrollierte er, bekleidet mit einer Gummihose, an der auch Stiefel hingen, sein Netz.

Nordsee-Fisch wanted

In einem Wagen am Ufer hatte er bereits einige schöne Fische. Gern hätte ich ihm einen abgekauft, denn so frischer Fisch ist schon etwas Besonderes.
Ich esse ihn dann gerne komplett, „from nose to tail“, wie der Engländer sagt, nur die Gräte bleibt übrig. „15 Euro für den Kleinsten“, nannte er mir den Preis. Den fand ich angemessen. Und der Fischer kontrollierte weiter sein Netz.

Ich liebe richtig frischen Fisch

Zugegeben: Lange habe ich nicht gewartet. Als meine Freundin Elisabeth in ihrem Auto vor der Tür unseres Ferienhauses ihre Schuhe wechselte,kam zufällig der Fischer vorbei und sprach sie an. Ob ich noch Interesse an einem Fisch habe. Da sie selbst keinen Fisch isst, Interesse hatte ab sie sich unbestimmt. „Sie war wohl genervt vom Warten“, sagte der Mann. Elisabeth wollte ihm nicht zustimmen. Er dachte nach, beschied dann „sie war zu ungeduldig“ und ging weiter.

Und nun frage ich Euch: War ich wirklich ungeduldig? Oder hätte es einen anderen Grund haben können, wenn ich bei gefühlten 13 Grad Celsius nicht warte, bis der Fischer aus dem Wasser kommt, um mir einen Fisch zu verkaufen? Der Fischer jedenfalls hat diesen Grund jedenfalls nicht bemerkt.

Welchen Grund könnte ich gehabt haben, nicht zu warten …. 

Rote Wege sind für die Räder

Mit dem Rad in Holland das ist das ideale Fortbewegungsmittel für den Nahbereich des Nachbarlandes. Vom Paradies für Fahrradfahrer können wir uns einiges abschauen.

Der Osten. Das war so 10 Jahre nach der Wende das Ziel für einen motorradfahrenden Freund. „Ich will auch mal auf neuen glatten Straßen fahren“, begründete er. Die waren nämlich gerade mit Hilfe des Solis neu gemacht – während „unsere“ zu einem guten Teil einem Fleckenteppich glichen. Mich zieht es momentan eher in den Westen, die Niederlande, das gelobte Land aller Radfahrer. Seit ich mein Auto verkauft habe und mit Bus, Bahn und Rad unterwegs bin.

Eine Enttäuschung bevor ich mit dem Rad in Holland ankomme

Geduldet, nicht geliebt

So stieg ich auf dem Weg an die Küste Noord-Hollands beim zweiten Umsteigen in Arnhem in den IC 3024 Richtung Den Helder. Der entspricht unserem Regionalexpress und dort erlebte ich meine erste Enttäuschung. Der Zug sollte um 8:32 Uhr starten. Ich hatte mich beim letzten Wagon aufgestellt, weil dort nach meiner bisherigen Erfahrung Plätze für Fahrräder sind. Diesmal nicht, also fragte ich den Schaffner auf Englisch, ob es irgendwo einen für den Transport von Rädern bestimmten Wagen gäbe. Darauf antwortete er nicht. Stattdessen wollte er mich und mein Rad nicht mitnehmen. „Fahrräder sind erst nach 9 Uhr erlaubt. Warten Sie auf den nächsten Zug.“ Ich war perplex und berief mich darauf, dass ich bei der Buchung meiner Fahrt „Fahrradmitnahme“ als Bedingung gewählt hatte.

Keine Fahrradmitnahme im Zug vor 9 Uhr

Ein Lift am Bahnhof

Er war wenig beeindruckt und forderte mich erneut auf auszusteigen. Okay, also kleine Brötchen backen. „Ich störe hier niemanden“, sagte ich. „Das sehen Sie doch selbst.“ Er widersprach nicht. „Wenn der Zug so voll wird, dass ich mit meinem Fahrrad störe, kann ich immer noch aussteigen und auf den nächsten Zug warten.“ Er war einverstanden und ich blieb. Wobei der Platz nicht ideal war. Ich habe die ganze Zeit bis 10:16 Uhr stehen müssen, da erreichten wir Alkmaar. Zwischendurch, kurz nach Utrecht – Abfahrt 9:08 Uhr – sagte er: „Jetzt ist es nach 9 Uhr, jetzt dürfen Sie können Sie hier bleiben.“ Ich bedankte mich und sagte ihm nicht, dass ich das schon selbst bemerkt hatte.

Das Paradies fängt mit genügend Abstellmöglichkeiten am Bahnhof an

Fahrradparkplatz in Alkmaar Treinstation

Als ich in Alkmaar ausstieg, fühlte ich mich wie im Paradies. Mit einem super schnellen Aufzug konnte ich mein Rad aus dem Bahnhof herausbefördern, sehr angenehm. Und dann sah ich auch schon die Fahrradparkplätze in den riesigen Ausmaßen, mindestens so groß wie ein Fußballfeld. Sowas brauchen wir in Krefeld auch!

Hier werden Fahrräder als Verkehrsmittel ernst genommen

Eigene Ampelschaltung für die Fahradfahrer

Der Weg nach Bergen war leicht zu finden. Zwar hatte ich mein Handy als Navi funktioniert, aber die Wege waren deutlich ausgeschildert, breit, hatten einen roten Belag und mussten nicht mit Fußgängern geteilt werden. Auf dem Rad in Holland hat man seine eigene Ampelanlage, die Signale für die Radler haben ihre eigene Schaltung, ich musste nicht, wie bei uns, mindestens fünf Minuten warten bis ich einmal links abgebogen war!

Spezielle Wege für das Rad in Holland

Unterführung für Radfahrer

Eine stark befahrene Umgehungsstraße musste ich nicht queren, es gab eine Unterführung! Nur für Fahrräder – für die Fußgänger gab es einen grauen Streifen am Rand der Fahrbahn. In weiten Schwüngen führte der Weg durch die Felder und Wiesen, über eine kleine Brücke über einen Fluss. Bei der Einfahrt nach Bergen aan Zee gab es sogar künstliche Bodenwellen, wie sie bei uns auf Straßen eingebaut werden, auf denen die Autofahrer langsam fahren sollen. Es war ein großes Vergnügen hier mit dem Rad unterwegs zu sein.

Leichte Mängel im Belag

Eingebaute Bodenwellen bremsen auch Radfahrer

Wobei: Auch hier werfen Bäume den Belag auf und machen ihn arg hubbelig. Und die zu Fischgrätmustern verlegten Ziegelsteine als Fahrbahndecke hemmen die Geschwindigkeit. Im Vergleich zu den Zuständen, in denen sich die Fahrradwege in Krefeld befinden ist das ein absolutes Luxusproblem.

Neue Gefahren die E-Bikes

Abstellraum für Räder am Hotel

Beim Frühstück im Hotel erzählte mir ein anderer Gast davon, dass die Niederländer inzwischen die Fahrradfahrer als Plage betrachten: „Es gibt zu viele!“ begründete er. „Dazu kommen die E-Bikes und dann auch noch die schnellen E-Bikes, die mehr als 25 kmh fahren dürfen.“ Außerdem dürfen die Radwege von Moppeds benutzt werden, ebenfalls in zwei Kategorien: Bis 25 kmh ohne Helm, schnellere mit Helm. Kaum vorstellbar, dass das ein Problem sein könnte, so breit wie die Radwege hier ausgelegt sind. Ich denke an den Rheindeich zwischen Krefeld und Düsseldorf. Der ist zwar neu, aber viel zu schmal. „Es werden immer mehr Verkehrstote mit Fahrrädern“, sagte er. Das ist traurig, deswegen bin ich überzeugt, dass unseren Nachbarn etwas einfallen wird, wegen auf dem Rad in Holland noch sicherer zu machen.

An der Alten Kirche Krefeld – Open-Air ökumenisch

Wo gestern noch bei “Kultur findet statt” Band populäre Musik machten, feierten Christen unterschiedlicher Konfessionen am Sonntag am Platz an der Alten Kirche einen ökumenischen Gottesdienst. Sie saßen auf Bierbänken. Danach gab es Suppe im Pfarrgarten.

Beim ökumenischen Gottesdienst an der Alten Kirche findet jeder einen Platz

Die Bühne auf dem Platz an der alten Kirche dient dem ökumenischen Gottesdienst.

Den Camping-Hocker hätte ich zuhause lassen können. Den nahm ich vorsichtshalber mit zum ökumenischen Gottesdient am Platz an der Alten Kirche. Dort war ich bislang zum Feiern – allerdings ganz profan, mit Bier – oder zu den Konzerten des Folkorefestes und und und  … es ist schließlich der beste Platz für Open-Air in Krefeld und immer musste ich stehen. Diesmal war vieles anders. Die Kneipen waren zu, auch wenn auf dem Platz Bierbänke standen. Auf denen konnten die Besucher des 23. ökumenischen Gottesdienstes ziemlich bequem sitzen. Näherte sich jemand suchenden Blickes dem Ort, bedeutete ihm Alexander Karrasch, Küster der Gastgeber-Gemeinde einen noch freien Platz oder er organisierte weitere Stühle.

Anders als gewohnt ist auch gut

So konnte ich als Katholikin, in deren Religionsverständnis auch der evangelische Vater seine deutlichen Spuren hinterlassen hat, ganz entspannt einen besonderen Gottesdienst erleben. Einen, in dem ich auf die gewohnte Eucharistie verzichtete. Eine, in der ich Bibelstellen zu hören bekam, die an diesem Tag nicht in der katholischen Messe gelesen worden wären. Eine, in der viel mehr gesungen wurde „als normal bei uns“.

Vertreter von fünf christlichen Konfessionen bereiten den Gottesdienst vor

Gut besucht ist der ökumenische Gottesdienst.

Das Vorbereitungsgremium hatte sich auf das Motto „Hand in Hand – in Gottes Hand“ geeinigt. „Wir beginnen immer kurz nach Weihnachten und treffen uns fünf bis sieben Mal“, berichtete Ulrich Hagens, Gemeindereferent der katholischen Pfarrei Johannes IIIXX, also in der Gemeinde, in der ich Pfarreiratsmitglied bin. „Inzwischen ist vieles eingespielt“, sagt er. „es ist ja schon das 23. Mal, dass wir das in dieser Form machen.“

Außer ihm waren dabei (und nun hoffe ich, keine Fehler gemacht zu haben. Falls doch: Bitte vergeben!):

Das war anders bei diesem ökumenischen Gottesdienst an der alten Kirche:

Kerzen und Kreuz aus der Alten Kirche  für den Gottesdienst stehen auf einem provisorischen Altar. Außergewöhnlich war für mich außerdem, dass der Psalm (104) nicht nur vorgetragen, sondern im Wechsel mit der Gemeinde gesprochen wurde. Er ist ein Lob Gottes, seiner Schöpfung und der Gnade, mit der er die Menschen speist. „… wenn Du Deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt“, heißt es da – mit dem Bezug zum Motto. Zwei Lieder folgten und dann die Lesung aus der Apostelgeschichte (3,1-16), in der von der ersten Krankenheilung und der ersten Predigt Petrus berichtet wird. Für die Zeit der anschließenden Predigten, wurden die Kinder zu einer eigenen Katechese in die Alte Kirche eingeladen.

Drei unterschiedliche Auslegungen mit einem gemeinsamen Kern

Auf dem Weg in den Pfarrgarten betrete ich zum ersten Mal den Kirchenraum der evangelischen Innenstadtgemeinde.

Jede der folgenden drei Auslegungen – von einem evangelischen, einem katholischen und dem mennonitischen Gemeindevertreter – hatte einen anderen Schwerpunkt, den ich durchaus nachvollziehen und aus dem ich etwas mitnehmen konnte. Ein Konflikt mit den anderen Konfessionen empfand ich nicht. So erlebten die Gläubigen vor der Alten Kirche, worauf es bereits dem Vorbereitungskreis ankam. „Durch diese Zusammenarbeit lernen wir uns besser kennen“, sagt Ulrich Hagens. „Wir finden das Gemeinsame und lernen, uns nicht in den Details theologischer Spitzfindigkeiten zu verlieren. Ich würde mich freuen, wenn wir diesen Kreis ausweiten können.“ Dabei denkt er auch an nicht-christliche Religionen. „Darauf können wir uns allerdings noch nicht einigen.“

Alle essen dieselbe Suppe – in zwei unterschiedlichen Ausfertigung

Kirchenmusikerin Christiane Böckeler im Gespräch mit Pfarrer Volker Schran.

Nach dem Gottesdienst lud die Gemeinde Alte Kirche noch zum Suppe-Essen in ihren Pfarrgarten. Es gab Nudel- und es gab Gulasch-Suppe. Wer sich wo bediente, ließ ebenfalls keine Rückschlüsse auf die Konfession zu. Alle unterhielten sich angeregt und so musste ich aufpassen, dass ich den mitgebrachten Camping-Hocker nicht vergaß, wie den Schirm, wenn es nicht regnet. Es gab nämlich wieder genügend Sitzplätze.

Durch das Neandertal bei Mettmann

Elke hat uns eine schöne Tour für die nächste Wanderung durch das Neandertal ausgesucht. Gemeinsam mit Elisabeth bin ich sie gestern vorgegangen und schicke Euch schon mal ein paar Fotos um Euch zum Mitgehen zu motivieren.

Licht und Schatten und ein bisschen hügelig

Gleich nach unserem Start vom gut ausgeschilderten Wanderparkplatz aus konnten wir  uns mit unserem Wegzeichen vertraut machen: A1

Wegezeichen fürs Neandertal: A1

Wenig Totholz im Gewässer

Der Schauer der Urzeit im Neandertal

Macht mir ein bisschen Gänsehaut: Zu wissen, dass hier mit den Neandertalern “Menschen” durch die Wälder gesprungen sind, deren Wünsche sich nicht sonderlich von den unsrigen unterschieden haben dürften

Es geht auch am Neandertalmuseum vorbei, wo wir ebenfalls eine Rast einlegen können. Diese Stelle hat mich nicht zu Fotos inspiriert, es war laut und rummelig. Aber die Orte waren sauber und öffentlich zugänglich.

Idyllische Gehöfte, gut renoviert und bewohnt finden sich am Weg

Der perfekte Platz für die Anfangs-Rast

Hier gibt es Gelegenheit zu einer kurzen Rast, dahinter gibt es einen wenig einsehbaren Abhang. *hüstel, räusper*

Da wir eine solche Rast gern kurz nach Beginn unserer Wanderung machen, werden wir die Wanderung in umgekehrter Richtung machen. Dann haben auch Elisabeth und ich – die sie schon kennen, nochmal völlig andere Aussichten. Erhalten bleiben werden Euch diese Ansichten. Bei unserem Termin werden sicher noch ausreichend Blätter an den Bäumen sein. Dann liegt auch der Platz für die abschließende Einkehr perfekt kurz vor Erreichen des Parkplatzes.

Faszinierendes Wolkenspiel in einer perfekt geformten Senke

Mein Lieblingsbild

Unübertreffliches Spiel von Licht und Schatten

 

 

Geiz ist Krefeld!

Die Liebe der Krefelder zu ihrer Stadt ist nicht sonderlich ausgeprägt. Am vergangenen Samstag konnte ich diesen Umstand mal wieder beobachten – diesmal in der krefelder Mediothek

Samstag war ich ganz früh in der Mediothek. Also erst mal AN der Mediothek, denn ich war so früh, dass ich noch fünf Minuten auf ihre Öffnung warten musste. Da war die Bankreihe in der Nähe der Zeitungen noch leer. Schnell nahm ich mir einen der Plätze, die mir den von mir bevorzugten Blick in den Raum bieten. Ich hoffte schon, die Herren Zeitungsleser hätten am Samstag besseres zu tun als hier zu diskutieren.

Mein Lieblingsplatz in der Mediothek Krefeld

„Denkste!“ sagte ich mir, als das Gemurmel lauter und lauter wurde. Was heute außerdem störend dazu kam: Es zog durch die offenen Fenster. „Sind die zentral gesteuert?“ fragte ich den Mann rechts neben mir. „Nein, da müssen sie dem Personal Bescheid sagen, aber die …“ ein Kopfschütteln mit hochgezogenen Augenbrauen vollendete seinen Satz.

Wenn es in der Krefelder Mediothek zieht, kann man Abhilfe erbitten

Unverdrossen machte ich mich auf zum nächsten Rondell. Dort war die Mitarbeiterin damit beschäftigt, einem Paar ihre neuen Leseausweise auszustellen. Ich wandte mich an eine andere Mitarbeiterin, die gerade über die Schräge nach unten lief. „Ich werde das veranlassen“, versicherte sie mir zuvorkommend freundlich.

An diesem Rondell können sich Leser ihren Ausweis für die  Krefelder Mediothek ausstellen lassen

„Das haben Sie gut gemacht“, lobte mich mein Nachbar als sich wenige Minuten die Fenster sanft schlossen. Aber er hatte auch eine Vermutung: „Bei mir sind die da anders, denn ich habe keinen Leseausweis, die Zeitungen hier kann ich auch ohne nutzen“, sagte er stolz. Ich schaue ihn mit großen Augen an. „Die 20 Euro im Jahr sind Ihnen zu viel??!?!?“ fragte ich entgeistert. „Für Krefeld?“ erwiderte er und zog die Augenbrauen erneut nach oben, in vollendeter Verachtung. Ich ziehe jetzt ebenfalls die Augenbrauen nach oben.

Die  Krefelder Mediothek ist ein heller, freundlicher Raum

Staunend. „Immerhin ist das die Stadt, die uns diesen tollen Raum zur Verfügung stellt.“ Wieder die verächtlichen Augenbrauen. Diesmal mit einem leichten Schlenker des Kopfes. „Also ich mochte die alte Bibliothek viel lieber“, ereiferte er sich, „da gab es kleinere, abgeschlossene Räume.“ Er hielt inne, denn ich widmete mich wieder dem Text, den ich hier schreiben wollte. „Kannten Sie die alte Bibliothek?“ Er versuchte mit einer Frage meine Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken.

Die Krefelder Mediothek bietet Wissen in angenehmer Atmosphäre

Immer wieder gibt es schöne Perspektiven in der Krefelder Mediothek

„Nein!“ sagte ich knapp und vielleicht kühl, vielleicht auch barsch, ich weiß es nicht. Jedenfalls schwang genug in diesem Wort, vielleicht so etwas wie „und warum wohnen Sie noch hier?“ oder „Sie jedenfalls machen die Stadt nicht lebenswerter“ so dass er mich in Ruhe ließ und mir die Gegenfrage ersparte, ob er denn damals den Bibliotheksausweis bezahlt habe. Als er mit seinem abgerissenen Rucksack auf dem Rücken den Raum verließ, keimte in mir noch ein anderer Verdacht. „Er ist wohl knapp bei Kasse und sucht eine Ausrede.“ Andererseits gibt das niemand gerne zu.

Krefelder Zeitungsleser

Die mediothek Krefeld bietet mir einen schönen platz zum Schreiben. Und SToff für einen Blogeintrag

Ich gebe zu, sie nerven mich ein bisschen. Die Herren im Rentenalter, die anscheinend jeden Vormittag hier ihre Zeitungen lesen. Die Mediothek der Stadt Krefeld hält eine gute Auswahl von Printausgaben bereit, die auch eifrig genutzt werden. Der eine Leser ist noch nicht ganz durch damit, da nimmt ihm der nächste das Exemplar schon aus der Hand.

Muss in einer Mediothek Ruhe herrschen?

Allerdings belassen es einige der Herren nicht beim Lesen. Sie diskutieren auch das Weltgeschehen. Vielleicht erzählen sie sich auch, was bei ihnen zu Hause so passiert ist, über Nacht. Keine Ahnung. Ich versuche, ihre Gespräche auszublenden, denn ich will mich auf meine Schreibprojekte konzentrieren.

Blick vom Platz der Zeitungsleser in der Mediothek Krefeld

Kleine Störungen mobilisieren meinen Willen zur Konzentration

Andererseits bin ich genau wegen dieser kleinen Störungen hier. Denn zuhause, wo mich nichts ablenkt, vertrödle ich die Zeit und schaffe nichts. Diese Tatsache empfand ich lange als Dilemma. Was ich auch tat, ich konnte mich einfach nicht disziplinieren. Dabei bin ich diesbezüglich gar nicht so schlecht und habe im Laufe meines Lebens schon so manche Klippe mit Hilfe von Selbstzucht umschifft. Auch mein ausgeprägter Hang zum Pragmatismus half mir diesmal nicht weiter. Doch inzwischen habe ich gelernt, zu meinen Schwächen zu stehen. Sogar meiner Steuerberaterin konnte ich frei von der Leber weg von meinem Problem erzählen. „Ich arbeite einfach besser, wenn ich Menschen um mich habe. Die müssen nicht mit mir reden und nix, einfach nur da sein.“ Von ihr kam der Tipp: „Dann geh‘ doch in die Bibliothek!“ Super Idee! Und gar nicht schlimm, dass ich nicht selbst drauf gekommen bin!!!

In der Mediothek in Krefeld kann man nicht nur Bücher ausleihen

Das mache ich jetzt. Toll, dass die Stadt uns mit der neuen Mediothek diesen wunderbaren Raum zur Verfügung stellt, in dem ich nicht nur Bücher finde, sondern auch Filme und Musik.

Blick auf das Angebot an Filmen, das die Mediothek Krefeld bereit hält

Ich liebe ich das Geräusch der Körbe, die die Besucher der Bibliothek hinter sich herziehen. Immer wenn sie einen der waagrechten Abschnitte in den schiefen Ebenen erreichen, klackern die Räder über die Metallleisten. Vordergründig eine Störung, aber es beruhigt mich. “Wieder ein Mensch, der sich den Buchstaben widmet, die auf Papier gedruckt sind – mit denen andere Menschen ihre Gedanken, Gefühle, Erfahrungen und Erkenntnisse festgehalten haben – so wie ich es ebenfalls versuche”, denke ich mir und versuche meine Toleranz auch auf die Herren mit den Zeitungen auszudehnen. Denn natürlich könnte ich einen anderen Platz wählen, einen, der weiter entfernt ist …

Die schiefen Ebenen, über die man von einer Etage in die nächste gelangt. Die grauen Abschnitte sind waagerecht. Rollen Körbe über die Metallleisten, verursachen sie ein klackerndes Geräusch

 

Wann reißt der Himmel auf

Bild

Fitnessradeln am Rhein

Irgendwann muss man ja mal was für die Gesundheit tun. Und da “Gym” oder so nix für mich sind, steige ich gern auf Rad. Aber ziellos in der Gegend herumzufahren ist auch nicht mein Ding. Vielleicht also einfach mal den Weg zur Arbeit mit dem Rad bewältigen, immer am Rhein entlang.

Also stieg ich Sonntag morgen (gefühlte Uhrzeit: vor dem Aufstehen = um kurz nach sechs Uhr) aufs Rad. Rüber bis Uerdingen und dann an den Rhein, Ziel Duisburg, Nähe Innenhafen. Doch anstatt stramm in die Pedale zu treten, war ich wieder mal überwältigt von der Schönheit des Flusses in all seinen Facetten. Hätte ich nicht rechtzeitig angehalten, wäre ich vielleicht vom Rad gefallen.

Morgensonne über Duisburg

Blick vom “Bayerwerk” in Uerdingen über den Rhein nach Duisburg-Hüttenheim

Wann bricht der Himmel auf?

Meist sehen wir die Sonne als Scheibe oder erkennen ihr Scheinen daran, dass sie alles hell macht und warm. Doch hier konnte ich beobachten, wie sich ihre Strahlen den Weg bahnten durch die Decke der Wolken, sie ergießen sich auf den Rhein. Bei diesem Schauspiel schoss mir eine Zeile aus einem Silbermond-Song durch den Kopf: “Wann bricht der Himmel auf?” – “Jetzt!” Dachte ich, “jetzt und hier!”

Weiter heißt es: “Nur für mich, nur für mich?” Dieser Anspruch erschien mir dann doch etwas zu egoistisch. Auch wenn ich Sonntagmorgen, um diese Zeit, ziemlich alleine unterwegs war und was Fragezeichen durch ein Ausrufezeichen ersetzen konnte: “Ja, nur für mich! Nur für mich!”

Das Licht der Sonne über dem Rhein bei Krefeld

Man sieht die Sonne noch nicht – aber ihre Strahlen, die durch die Wolken brechen

Die Wolken und der Rhein

Weil ich aber so gar nicht egoistisch bin, sondern gern teile, bekommt Ihr hier die besten Fotos zu sehen.

Der Rheindeich Höhe Friemersheim

Die Eisenbahnbrücke Duisburg von Westen aus im Gegenlicht der Morgensonne

Rückweg über den Rhein bei Gegenwind

Auf dem Rückweg brauche ich noch länger. Was allerdings nicht an den vielen Fotos liegt, die ich machen möchte, sondern am strammen Gegenwind. Ich brauche mehr als zwei Stunden und bin anschließend tot!

Die Eisenbahnbrücke bietet auch einen Fußweg über den Rhein

Auf dem Rückweg ist es noch sonniger

 

Wenn ich nachts Sterne sehe

Es sollte mir zu denken geben: Wenn ich nachts wach werde und bei einem Blick aus dem Fenster, hinaus in die schwarze Weite des unendlichen Himmels Sterne sehe. So geschehen in Nacht nach der Betriebsweihnachtsfeier.

Von Susanne Böhling

Sterne sehen nach einer fröhlichen Feier

Die Betriebsweihnachtsfeier war sehr fröhlich, sehr feucht. Aber ich hatte mich komplett zurückgehalten, nur O-Saft, Wasser, Cola und alkoholfreies Bier hatte ich konsumiert und mir insofern nichts gedacht.

Tränen in den Augen

Lediglich, dass die Augen tränten, schien mir ungewöhnlich. Aber das schob ich auf die Zeit, die ich mit netten Kollegen im Raucherbereich der Location der Feier verbracht hatte.

Ohne Brille kann ich keine Sterne sehen

Die Brille – ohne die sonst nur verschwommen sehe

Auch als ich morgens sofort sah, wo die Brille lag, nach der ich – kurzsichtig wie ich bin – normalerweise tasten muss, dämmerte mir noch nichts. War ja auch schon taghell. Doch dann schob ich sie mir auf die Nase – und sah alles nur noch verschwommen. Da wusste ich plötzlich und sofort Bescheid: Ich hatte vor dem zu Bett gehen vergessen, die Kontaktlinsen herauszunehmen! Daher die Sterne, die Tränen und das schnelle Auffinden der Brille. Ich hätte es mir denken können …