Den Menschen immer im Blick

Beim Besuch der Andreas-Gursky-Ausstellung in Düsseldorf musste ich an einen Vers von Bertold Brecht denken.

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Auf den ersten Blick sind es die riesigen Formate, die mich beeindrucken bei der Ausstellung von Andreas Gurskys Werken, die noch bis zum kommenden Sonntag im Museum Kunstpalast in Düsseldorf hängen.

Dann ist es die Weigerung, Klischees zu bedienen. Das einzige Foto aus dem industriell geprägten Ruhrgebiet ist das von der Ruhr in Mülheim, idyllisch bewaldet, mit Anglern unauffällig am Ufer. Das Foto aus Paris zeigt nicht die prunkvollen Schokoladenseiten, sondern einen öden Plattenbau in Montparnasse, der genauso gut in Ostberlin hätte stehen können. Doch auch der ist farbig und lebendig. Dank des großen Formates kann man auf den Balkonen die Menschen entdecken, ihr alltägliches Treiben, die Spuren, die das hinterlassen hat und das versöhnt mit der scheinbar unentrinnbaren Eintönigkeit der Architektur. Ein Spagat, der die riesigen Formate fordert.

Mit dieser Sichtweise setzt sich Andreas Gursky von seinen Lehrern ab. Bernd und Hilla Becher, die Begründer der berühmten Düsseldorfer Photoschule zeigten skulptural unbelebte Architektur.

Die Menschen hinterlassen auch ihre Spuren vor der Eiger Nordwand. Wie eine stark befahrene Autobahn ziehen sich die Ski-Langlauf-Loipen durch das Tal vor der sonst so grandios einsamen  Berglandschaft.

Dass es ihm um „den Menschen“ geht, zeigt sich meiner Meinung nach schon im Bild „Gasherd“. Es stammt aus dem Jahr 1980, das früheste seiner hier ausgestellten Werke. Der Herd steht das schlicht und neutral, weißemailliert vor weißer Wand. Auffällig nur, dass die Herdflammen brennen – ohne dass ein Topf darauf stünde. Brecht kommt mir unweigerlich in den Sinn:

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Ein Foto aus dem Jahr 2008 zeigt die Waschkaue im Bergwerk Ost in Hamm. Jeder Bergmann legt die Sachen, die er momentan nicht benötigt, in einen Eisenkorb und zieht den an einer Eisenkette an die Decke des Umkleideraumes. Aus der Ferne verschmelzen sie zu einem Muster, einer Geometrie, aus der Nähe betrachtet erkennt man jedes kleinste Detail als Zeugnis der Individualität seines Besitzers. So verfährt Gursky mit Müllbergen, dem Strand in Rimini, der Spargelernte in Beelitz (bei Berlin), dem Flughafen in Frankfurt und der Börse in Tokio.

Spuren des menschlichen Eingreifens in die Landschaft reduzieren sich bei ihm bisweilen zum Ornament, wie die Formel-1-Rennstrecke in Bahrain oder sie verschwinden – bei der Ocean-Serie, Blicken auf Meer und Inseln aus großer Höhe. Auch wenn einen auf dem Bild „Katar“ der golden glänzende Raum gefangen nimmt: Mittelpunkt ist nach meinem Empfinden der Mensch, der darauf winzig klein unter einem milchigen Zelt seine Arbeit tut.

Die neuesten Werke, Bangkok, zeigen Licht auf schwarzem Wasser, kleine Ausschnitte, riesig vergrößert, entsprechend der Wirkung, die solche Reflexe in der Natur auf den Betrachter haben. Bei näherer Betrachtung sieht man Moose und Pflanzenteile, Müll und erkennt: „Das Wasser ist dreckig. Aber das Licht bleibt grandios.“

Ich bin mir sicher, dass Gurskys Triebfeder das Staunen ist, das er bei allem Erfolg noch nicht verlernt hat. Er teilt es mit uns.

Typisch Pott: Mit wenigen Worten viele gute Gags

Der Comedy-Newcomer Markus Krebs aus Duisburg hat bereits seinen eigenen Stil gefunden – und der kam gut an im Roten Krokodil in Mönchengladbach.

Tourplakat Markus Krebs

Tourplakat Markus Krebs

Der Mann braucht nicht lange. Wenn Markus Krebs nur auf die Bühne kommt, mit diesem Gang, der irgendwie seinem Bauch geschuldet ist, mit den langen fisseligen Haaren unter der Wollmütze, mit der Sonnenbrille vor den Augen sich breit grinsend auf den Barhocker setzt und nach der Bierflasche auf dem Tischchen neben sich greift, erntet er bereits die ersten Lacher.

„Kommt ein Mann mit zwei linken Füßen in Schuhladen und verlangt Flipp-Flipps“, ist ein  verdammt kurzer, aber sehr typischer Gag. Die können, müssen aber nicht flach sein, und die langen Pausen, die er dazwischen lässt, in denen er sich gemeinsam mit dem Publikum über die blöden Sprüche amüsiert, sind durchaus berechtigt. Es dauert oft eine ganze Weile, bis es den Witz voll durchblickt. „Gladbach halt“, kommentiert er schon mal achselzuckend.

Mit diesem Konzept verkörpert der 42-Jährige Newcomer die Mentalität seiner Heimatstadt Duisburg. 2009 trat er zum ersten Mal beim Niederrheinischen Comedy-Preis auf – und gefiel dem Publikum auf Anhieb. Im vergangenen November gewann er den RTL Comedy Grand Prix, ist jetzt zum ersten Mal auf Tour und füllt das Rote Krokodil in Wickrath bis auf den letzten der 300 Plätze.

Meist zielen seine Pointen auf die Menschen seiner Region, als deren typischer Vertreter er sich versteht. Wenn er an seine WG zurück denkt – „das heißt normal Wohngemeinschaft. Bei uns: „Wir gammeln“ ­ dann glaubt ihm das jeder. Das Pfandgeld reichte meist für den Strom und die Reise nach Mallorca, aber die Miete, die blieben sie meist schuldig. „Markus, denk dran“, sagte Vermieter Fritz jedes Mal warnend, wenn sie sich sahen. Krebs habe immer noch nicht bezahlt, „obwohl ich mir das jetzt leisten könnte.“ Er denkt lieber dran, bleibt kurz, knapp und brutal direkt. „Die kann mittem Gesicht verhüten“, charakterisiert er das Aussehen einer Frau. Selbst bleibt er auch nicht davor verschont. Seine Frau habe seinen Bauch kommentiert: „Da hat ein Arbeitsloser wenigstens immer ein Dach über dem Kopf.“

Schade, dass Krebs sich noch keinen ganzen Abend zutraut. Der junge Malte Pieper (21 Jahre) dem er 20 Minuten seiner Zeit abtritt, langweilt eher. Und auch dass er zum Schluss minutenlang eine vermeintliche Unfallmeldung der Bauberufsgenossenschaft vorliest, kommt nicht so gut an. Erstens ist es alt, und zweitens einfach nicht sein Stil.

Musikdramen, die mitnehmen

Bei aller Tragik und allem Verständnis hat es mich zunächst fast amüsiert: Dass Beverly Blankenship, die Regisseurin des Doppelopernabends im Theater in Rheydt, die gleiche Symbolsprache benutzte wie Quentin Tarantino in „Django Unchained“. Den Film hatte ich mir am Freitagabend angesehen.

©746_Villi_AngelicaFotos: Stutte

So saß ich also Sonntagabend in der Premiere von Giacomo Puccinis „Le Villi / Suor Angelica“ und sah zu, wie sich Janet Bartolova als „Anna“ über und über mit Blut beschmierte. Es symbolisierte wie bei Tarantino die Rache. Sie war anfangs eine Frau, die ihren Geliebten frohen Mutes gehen ließ, im festen Glauben, dass er – ganz wie er es ständig versicherte – zu ihr zurück kehren würde. Später gelang es ihr immer weniger, ihn zu erreichen, zu berühren und schließlich musste sie einsehen, dass er sie verlassen hatte. Nun war sie jeder Perspektive beraubt und entwickelte Rachegelüste. Die gipfelten in der Vorstellung, sie würde ihn als „Willie“ zu einem tödlichen Tanz auffordern – und die sonst grau gehaltene Szenerie färbte sich eindrucksvoll rot.

Mir gefiel das Konzept, die Sage aus dem Schwarzwald näher an uns heran zu holen. Ich genoss die psychologisch einfühlsame Komposition, die tollen Solisten, den Chor, das Orchester (die Niederrheinischen Sinfoniker unter Mihkel Kütson) und applaudierte anschließend anerkennend.

©615_Villi_AngelicaDieser Einakter Puccinis wurde bei dieser Inszenierung erstmalig gepaart und verwoben mit „Suor Angelica“, einem weiteren Puccini-Einakter. Der erzählt die Geschichte der jungen Adeligen, die von nach der Geburt ihres unehelichen Kindes in ein Kloster verbannt wurde. Blankenship hatte schon „Annas“ Geschichte in dieses Heim verlegt, als vorübergehende Unterkunft für die Schwangere, während sie auf die Rückkunft ihres Verlobten wartete. Ein Magdalenenheim in dem irische Familien bis in dieses Jahrhundert hinein ihre Kinder ohne Nennung von Gründen abgeben konnten, wo sie Willkür und Missbrauch ausgesetzt waren.

Angelicas Sehnsucht nach ihrem Kind wird schon bei Annas Fehlgeburt deutlich. Sie nimmt das Kind, betrachtet es eindringlich, trägt es weg. Als nun die Zöglinge im Heim von ihren Wünschen sprechen, denkt die eine an Süßigkeiten, die andere, eine Hirtin, träumt davon, noch einmal ein Lämmchen streicheln zu wollen. Angelica schweigt. Wobei jeder spürt, welche Sehnsucht sie hegt, dass sie den Mut nicht findet, darüber zu reden, ja nicht einmal in der Lage ist, sich selbst diese Sehnsucht einzugestehen.

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Spätestens ab diesem Zeitpunkt ist man mitgenommen, man leidet mit Angelica, die von Dara Hobbs verkörpert wurde. Wie sie in Wut geriet, als die Tante, die sie nur besuchte um eine Unterschrift in einer Erbangelegenheit zu bekommen, ihr nebenbei mitteilte, dass das Kind schon seit zwei Jahren tot sei. Wenn Hobbs dann in Rage die Tische umwirft und die Tante mit deren Stock bedroht, dann ist das so verdammt echt und die Töne der dramatischen Sopranistin entspringen direkt ihrer Seele und nicht nur ihrer Kehle.

Es fiel schwer, nach den Schlussakkorden in die Realität zurückzufinden, die künstlerische Leistung  mit dem begeisterten Applaus zu würdigen, den sie verdient hatte. Es kostete Kraft, sich klar zu machen, dass unsere Situation weder der Annas noch Angelicas gleichen muss. Weil wir in einer Gegenwart leben, in der ein treuloser Bräutigam nicht den Verlust der Zukunft bedeutet, wir verhüten können und uneheliche Kinder fast schon normal sind.

Als Kulturoptimistin keimte in mir die Frage: „Haben solche Dramen wie Suor Angelica dazu beigetragen, unmenschliche Normen aufzuweichen und unsere Zeiten humaner werden zu lassen?“

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Weiß – statt 80 Grautöne

Bei Schnee wandeln sich die von mir beschriebenen 80 Grautöne des Niederrheins in Weiß-Töne. Sonntag nutzte ich das seltene Wetter und entdeckte vier Stunden lang für mich neues Terrain

Eigentlich wollte ich irgendwo ins Warme. Sauna oder so. Die seit Tagen anhaltende Kälte nervte mich allmählich. Aber dann fiel am Sonntagmorgen Schnee, leise und für unsere Verhältnisse auch ziemlich dicht, so dass es mich nach draußen zog.

In Uwe Winkler fand ich einen Begleiter. „In den Stadtwald“, schlug er vor. „Ne, da bin ich zu oft. Hülser Berg?“ lautete mein Gegenvorschlag. „Dahin können wir auch laufen“, beschied er und wir stapften gut eingemummelt los.

Der Weg führte uns zunächst doch durch den Stadtwald, über die Fußgängerbrücke nach Verberg gelangten. Wir bogen auf den Herrmann-Kresse-Weg und Uwe entdeckte mir die Verberger Kuhlen.

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Spiegelnd ruhige Wasseroberfläche

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Nur am Ufer bildete sich etwas Eis. Anscheinend war es gar nicht wirklich kalt.

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„Auf diesem Baum hatten sich die Kinder im Sommer ein Haus gebaut“, erzählte Uwe.

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Uwe wies mich auch auf die neue Plattform hin, die die Stadt hier in der Luxusausführung in Edelstahl installiert hat.

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Sie macht den Eindruck, dass auch Menschen mit Rollatoren und Rollstühlen hierher gelangen könnten, um den Blick über das Wasser schweifen zu lassen, und Vögel und Insekten zu beobachten. Uwe fragte mich nach einem Reiher, den er hier im vergangenen Sommer gesehen hatte. „Kleiner als die Graureiher und weiß?“ – „Das könnte ein Silberreiher gewesen sein, den kenne ich aus Ungarn, vom Balaton.“

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Wir gingen weiter an Weiden und Gräben vorbei auf dem „Roten Weg“, auf dem vorzeiten eine Straßenbahn zwischen Krefeld und Moers fuhr. und gelangten zum Egelsberg. Auf der Auffahrt zum Flughafen fuhren Kinder Schlitten.

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Oben empfing uns ein eisiger Wind, so dass wir sofort wieder den Schutz des Hanges mit seinem Dickicht suchten. Weil wir nun freie Flächen vermeiden wollten, machten wir diverse Umwege und verloren zeitweise sogar die Orientierung.

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So ohne Sonne, die einem unter Beachtung der Uhrzeit ungefähr die Richtung weist und weil die flache Landschaft schneebedeckt noch viel weniger Orientierungspunkte offenbart. So dauerte es vier Stunden, bis wir wieder bei Uwe zuhause ankamen und wir waren froh, die Gunst der Stunde genutzt zu haben, denn auf dem Rückweg ließ Regen die weiße Pracht bereits wieder in sich zusammen sinken.

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Schockierend dosierte Gewalt

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Über Pulp Fiction kann ich herzlich lachen. Die Erzählstruktur ist raffiniert und der Anfangsdialog zwischen Vincent Vega und Jules Winfield, auf dem Weg zu einem Auftragsmord, mit John Travoltas Doppelkinn in Nahaufnahme, gehört mit zu dem komischsten, was mir Film zu bieten hat: „Ist es das Gleiche, ob man einer Frau die Füße massiert oder seine Zunge in ihr Allerheiligstes versenkt?“ Gewalt erscheint mir dort so unwirklich, so lächerlich, der Baller-Fantasie kleiner Jungen entsprungen. Und dieses ständige Gefasel von „Du bist mein Nigger“ als Ausdruck von knechtender Abhängigkeit einfach absurd.

Pulp Fiction war der Grund, mir den neuen Tarantino, „Django Unchained“ anzusehen. Seine anderen Filme kenne ich nicht. Und ich war schockiert! Da nutzten auch die Wortspielereien, der geistreiche Sprachwitz des Dr. King Schultz (gespielt von Christoph Waltz) nichts, die dem Film über mindestens zwei der drei Stunden die Schärfe nehmen. Da nutzt auch das scheinbare Happy End nichts.

Dieser Schock bei den Zuschauern scheint mir die Absicht des Regisseurs und er beherrscht sein Handwerk perfekt. Wenn diesmal das Blut spritzt, dann macht das das Elend der Sklaven so deutlich, dass es jedem unter die Haut geht. Höhepunkt des Grauens ist die Szene, in der der Plantagen- und Sklavenbesitzer Calvin Candie (herrlich fies: Leonardo di Caprio) einen entflohenen Schwarzen von Hunden zerfleischen lässt.

Rache-Gelüste erschienen mir logisch in einer Welt ohne Perspektive, ohne jeden Funken Hoffnung auf Besserung. Sympathisch, dass ausgerechnet ein Deutscher in dem Film als einziger Antirassist und Humanist gezeigt wird. Er bildet Django im umfassenden Sinn, so dass der Schwarze die Hautfarben-unabhängigen Abhängigkeiten erkennt, als er zum speichelleckenden Anwalt des Calvin Candie sagt:„Dann bist Du also sein Nigger.“ Ist vielleicht Abhängigkeit ein durchgängiges Motiv für Tarantino?

Als poetischen Hintergrund für Djangos Suche nach seiner Frau Broomhilda nutzt Tarantino die Sage von Siegfried und Brünhilde. Er zeigt mit Jamie Foxx, mit schwarzen krausen Haaren und dunkler Haut als perfekte Verkörperung des Germanischen Helden, mit seinem schönen Körper und geschmeidig lässigen Bewegungen im Zeitlupentempo.

Noch auf dem Rückweg vom Kino beschloß ich, mir die anderen Tarantino-Filme auch noch anzusehen und fragte ich in der Videothek nach ihrer Verfügbarkeit. „Wir haben hier vier Stück in einer Kassette, nur zehn Euro pro Kalendertag“, sagte die Bedienung. Ich glaube, ich nehme höchstens einen pro Woche, wenn die genauso wenig komisch sind wie „Django Unchained“. Und ich fange auch nicht sofort an mit dem Projekt.

Blut wie Rache – und Schnee

Dramatisch aufwühlend wirkten Film und Oper am Wochenende, erholsam eintönig die Landschaft des Niederrheins beim Spaziergang

Verberger Kull

Es ist Montagmorgen, ich recke mich, strecke mich. Ein hochdramatisches Wochenende liegt hinter mir, eines mit viel Blut am Freitag im Kino in „Django Unchained“, dem neuesten Film von Quentin Tarrantino und mit viel Blut am Sonntagabend im Theater, in der Premiere des Puccini-Doppelopernabends „Le Villi/Suor Angelica“. www.theater-kr-mg.de In beiden Werken steht das Blut für die Rache und beide zeigen mir auf: Sie ist die einzige Triebfeder die bleibt, wenn Glaube und Hoffnung an den Sieg der Liebe zerstört sind. Ich halte sie jetzt für legitim, auch wenn mir selbst davor graust.

djano rotDazwischen ein Treffen mit Wolf  Tekook für sein neues Fotoprojekt. Der Krefelder Digitalkünstler arbeitet unter dem vorläufigen Titel „Rolle(n)verhalten“ zum Rollenverständnis von Frauen.

Copyright beim Fotografen, Matthias Stutte.

Copyright beim Fotografen, Matthias Stutte.

Den richtigen Ausgleich zu dem vielen Rot brachte schließlich  am Sonntag ein Schneespaziergang  durch den Stadtwald, bis zum Egelsberg und zurück, was mehr als vier Stunden dauerte. Dank an Uwe Winkler, der mir mit den Verberger Kuhlen neue, mir eine bislang unbekannte und wunderschöne Seite Krefelds zeigte.

Zwei Mal Puccini

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Sie soll mutig sein, die Inszenierung des Doppelopernabends mit den Einaktern „Suor Angelica“ und „Le Villi“ von Giacomo Puccinis. Oberndirektor Andreas Wendholz, hat für die Premiere am kommenden Sonntag, 20. Januar im Theater in Rheydt Beverly Blankenship als Regisseurin gewonnen.

Puccinis Erstlingswerk Le Villi ist die Geschichte einer Braut, die kurz vor der Hochzeit von ihrem Bräutigam verlassen wird. Sie stirbt daraufhin an gebrochenem Herzen stirbt. Später erscheint sie ihm als Geist – als Willie – und verführt ihn zu einem Tanz, der ihn das Leben kostet.

Ein Gedanke, wie ihn Angelica gehegt haben könnte, die Protagonistin des zweiten Stücks. Es gehört zu Puccinis Spätwerk und handelt von einer adeligen Frau, die nach der Geburt ihres unehelichen Kindes von ihrer Familie in ein Kloster abgeschoben wird. Von einer Tante erfährt sie, dass ihr Kind tot ist und sie nimmt sich das Leben.

Blankenship hat diese Geschichte in ein irisches Magdalenenheim verlegt. In solchen Institutionen konnten Eltern bis in dieses Jahrtausend hinein ihre Kinder ohne Angabe von Gründen abgeben und lieferten sie der Willkür der Erziehende aus.  „Diese Interpretation wird zwar nicht ausdrücklich gewünscht“, sagt Kütson, „aber sie widerspricht dem Text auch nicht“, sagt er. „Als Komponist, der Seelenregungen punktgenau analysiert und musikalisch darstellt, wird die bedrückende Situation in dem Heim und die Gefühlskälte überaus deutlich.“

Dem Theater Krefeld  Mönchengladbach ist es in der Vergangenheit immer wieder gelungen, klassisches Musiktheater auf sinnvolle Weise modern zu inszenieren. So, dass das Ursprüngliche Werk nicht gelitten hat, aber doch so, dass Beweggründe und Seelenregungen scheinbar altmodischer  Bühnencharaktere dem Zuschauern aufregend nahe gekommen sind. Ich bin gespannt, ob das auch diesmal gelingt.

Außerdem freue mich über Dara Hobbs als Gastsängerin. Sie war bis zum Ende der vorhergehenden Saison ein von mir geschätztes Ensemble-Mitglied

Konflikte zu musikalischer Harmonie geführt

05_Figaro_FOTO_Hans_Joerg_MichelFigaros Hochzeit von Wolfgang Amadeus Mozart überzeugt in Duisburg mit hervorragenden Sängern

Es ist nur scheinbar ein Spaß, eine komische Oper: Figaros Hochzeit von Wolfgang Amadeus Mozart, die momentan in Duisburg an der Deutschen Oper am Rhein spielt. Die Musik ist so harmonisch, die Kostüme und das Bühnenbild duftig und der Entstehungszeit entlehnt. Und zum Schluss sind alle zufrieden und glücklich.

Doch bis dahin ist es ein langer Weg. Denn Figaro und seine Braut Susanna möchten nicht, dass sie vor der Hochzeit noch ins Bett ihres Dienstherren, des Grafen, muss und die Gräfin ist maßlos traurig, dass sie die Liebe ihres Mannes verloren hat. Wenn die Sopranistin Sylvia Hamvasi bei der Duisburger Inszenierung die entsprechende Arie anstimmt, kann das empfindliche Gemüter durchaus zu Tränen rühren und ist gleichzeitig so schön! Auch wenn er das Übel nicht beschönigt, sondern alle Gefühle, auch die schlimmen eins zu eins hörbar, spürbar macht.

Da ist beispielsweise Figaro ganz auf der sachlichen Seite damit beschäftigt, das ihnen zugewiesene, zukünftige Ehegemach auszumessen. Seine Braut hingegen ist ziemlich verzweifelt. Sie weiß, dass die Nähe zu den gräflichen Gemächern nicht der Bequemlichkeit der Dienstleute entgegenkommen soll – der Graf will einen kurzen Weg in ihr Bett, sobald er Figaro weggeschickt hat. Beide Seelenlagen setzt Mozart in der Melodieführung der jeweiligen Stimme ausdifferenziert und nachvollziehbar um – und doch harmonieren sie!

Und zum Schluss bleibt die Hoffnung: Vielleicht sind auch unsere Gefühle schön und Teil einer Harmonie, für die wir noch kein Ohr haben.

www.operamrhein.de

Veröffentlicht unter Musik

Tänzerisch leichte Radkunststücke machen Danny MacAskill zum Trial Profi

Der Zaun und Danny MacAskill

Der Zaun und Danny MacAskill

Von meinem Sohn bekam ich den Hinweis auf die  zauberhaften YouTube Videos des jungen Schotten und war sofort begeistert.

Da hat der junge Mann sich ganz schön was vorgenommen. Das erkennt jeder auf den ersten Blick. Mit dem Rad erst auf einen zirka zwei Meter breiten und 1,50 Meter hohen Betonsockel zu springen und von da aus über den dort verankerten Zaun zu fahren, der aus einzelnen, parallel angeordneten Metallstangen besteht? Das ist die erste Aufgabe, der sich der 27-Jährige in seinem ersten YouTube Video „Inspired Bicycles“ http://www.youtube.com/watch?v=Z19zFlPah-o&feature=player_detailpage zu „The Funeral“ der Band of Horses widmet. Ein Wunder, dass er überhaupt auf den Sockel kommt! Kein Wunder, dass er abschmiert, sich das Rad zwischen den Stangen verkeilt und wieder gerade gebogen werden muss, dass er runter fällt. Kein Wunder, dass er da – leicht übertrieben theatralisch – den Kopf hängen lässt.

Aber dann! Langsam, er tastet sich an die Aufgabe ran, mehrfach richtet er hüpfend sein Hinterrad aus, fast zögernd lässt er dann das Vorderrad auf die Enden der Stangen gleiten, wie ein Seiltänzer, zwischendurch muss er ein Bein abspreizen, damit er die Balance halten kann und schließlich hat es geschafft! Die Musik gewinnt an Schwung, vor lauter Freude springt er mit seinem Rad an einem Baumstamm hoch und weiter geht es über Mauern, Absperrungen und Geländer, treppauf und treppab, und an senkrechten Wänden stößt er sich ab wie es die übermütigen Bergziegen tun, er schlägt Salti und dreht Piroutetten.

2009 hat er das fünfeinhalb minütige Video bei YouTube eingestellt, innerhalb von 40 Stunden wurde es 350000 Mal angeklickt, inzwischen über 31 Millionen Mal, was einen nicht wundert, so wunderbar leichtfüßig, wie er seine ungeheure sportliche Leistung verpackt. Danny hat seinen Beruf als Fahrradmechaniker in Edinburgh aufgegeben und widmet sich mit seiner Stuntgruppe The Clan voll und ganz dem Trial-Radfahren. Way back home, das Video, dass er vor zwei Jahren eingestellt hat, nimmt den Zuschauer auf gleiche Weise mit durch die Schottische Landschaft, hinauf auf die Isle of Skye, wo MacAskill herstammt.  http://www.youtube.com/watch?v=Cj6ho1-G6tw Und auch das tut er wieder auf so poetische und tänzerische Art, dass es mir den dunkelsten Tag aufhellt.

 

Nicht verpassen – Sommermusik auf Schloss Rheydt

Die Athmosphäre beim Konzert von FUN & Friends im Jahr 2012

Die Athmosphäre beim Konzert von FUN & Friends im Jahr 2012

Die Karten für das besondere Event in dem besonderen Ambiente sind schon fast alle verkauft

Wer dabei sein will, sollte sich jetzt schon Tickets sichern, denn im vergangenen Jahr mussten viele Interessenten draußen bleiben. Auch in diesem Jahr lockt Günter vom Dorp vom 19. bis 28.Juli mit einem Aufgebot an regionalen und internationalen Stars, auf die Turnierwiese des Renaissance-Schlosses. Das allein ist jeden Besuch wert und bietet immer – auch bei schlechtem Wetter – eine Traumkulisse für Live-Auftritte, die so zu einmaligen Erlebnissen werden – auch für die Künstler.

Tradition sind die Auftritte der Niederrheinischen Sinfoniker unter Mikhel Kütson mit „Love is in the Air“ und der von FUN & Friends – mit dem Jugendsinfonieorchester der Gladbacher Musikschule.

Im nächsten Jahr werden auch die Black Brothers and The Bad Bones auftreten. Diese Band feiert seit 25 Jahren die Hits der legendären Blues Brothers. Ihre Auftritte zwischen Konzert und Party sind Kult in Willich und haben in 2012 über 1000 Besucher angelockt.

Echo-Preisträger Roger Cicero und sein Big Band sind mit dabei und Al McKay, der jahrelang zur Stammbesetzung von Earth Wind & Fire gehörte. Karibik-Feeling verspricht die Buena Vista Cuba Night mit Soneros de Verdad, der zweiten Generation des legendären Buena Vista Social Clubs.

Zwei starke Frauen entern ebenfalls die Bühne: Ulla Meineke – eine Institution der deutschsprachigen Popkultur und Lydie Auvray, Sängerin und Akkordeonistin, die in französischem Flair Walzer und Tango verbindet.

Weitere Infos und Karten unter www.sommermusik-mg.de