Eindeutig Dame

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Beim Aufräumen kam mir folgender Text aus dem Jahr 2005 wieder in die Finger – bitte augenzwinkernd Lesen

Eindeutig Dame

von Susanne Böhling

Selten, dass mich ein „Herr“ begrüßt. Bei einem Empfang passiert es: Anstatt meine Hand mit der seinen zu umschließen, auf dass ich den Druck adäquat erwidern kann, greift er meine Fingerspitzen, und zieht sie in Richtung seines Mundes. Wobei er sich verbeugt. Ich bin irritiert. Gleichzeitig fühle ich mich eindeutig Dame, und das Adjektiv dazu lautet nach meiner Vorstellung „dämlich“.

Fürs Essen können wir aus drei Hauptspeisen wählen. Ich nehme das Roastbeef. Die Französin am Tisch, die gar kein Problem damit hat, Dame zu sein, schließt sich der Bestellung ihres Tischherrn an. Als sie dann den Rehrücken serviert bekommt, ein anderer Herr in der Runde vegetarische Zucchini-Spieße, ist sie sehr enttäuscht: Die hätte sie viel lieber gemocht.

Aber sie war zu sehr Dame, um die Brille herauszuholen, mit der sie die Menü-Karte hätte lesen können oder ihren jungen Tischherren zu bitten, sie ihr vorzulesen. Kann man ja von einer Dame auch nicht verlangen, dass sie sich als altersweitsichtig outet.

Weil aber der Herr ein echter Herr ist, der Damen sogar mit Handkuss begrüßt, tritt er ihr sein Essen ab. Ich korrigiere: Damen sind gewiss nicht „dämlich“. Ich glaube, ich will auch Dame werden.

Susanne Böhling - Queen

 

 

 

 

Manchmal wundere ich mich

ein lila-roter Klodeckel vor einer lila-rosa Wand © Susanne Böhling

nur irritierend und peinlich, aber nicht schlimm: Eine Klobrille mit geschlossenem Deckel

Klosophisches über die Wirkung eines lila-roten Deckels bei Facebook

Es war peinlich. Wirklich. Irgendwann letzten Samstag, Nachts nach einer Einladung unter Seglern, meldete mein sonst so stummer Messenger mit pausenlosem Klingeln einen „Kommentar zu Deinem neuen Profilfoto“ nach dem anderen. Ich wunderte mich, denn wenn ich ein neues Profilfoto eingestellt hätte . . . also das wüsste ich ja wohl. Doch dann schaute ich nach und sah das Bild einer Toilette mit lila-roter Brille und Deckel vor einer lila-rosa Fliesenwand. Ja, das Foto kannte ich. Meine Freundin Gala hatte es mir nachmittags per WhatsApp zugeschickt. Ihr Sohn war zu Besuch, hatte den neuen Klodeckel für sie montiert und sie wollte mir mit dem Foto den Erfolg dokumentieren.

Irritierend und peinlich

Nun ist so ein Klodeckel an sich nichts anstößiges, aber er hat für jede Menge Irritationen gesorgt. „Was hast Du genommen?“ fragte ein Facebook-Freund ­- Gottlob in einer Privatmail. Und mir war es doch peinlich. Ich wurde ziemlich hektisch, weswegen es  bis zum nächsten Morgen dauerte, bis es mir auf den Ratschlag meiner Facebook-Freundin Judith hin gelang, das Foto zu entfernen und zum alten Bild zurück zu kehren.

Unbeabsichtigt hochgeladen

Noch später dämmerte es mir, wie das Foto in das Profil geraten sein könnte: Bei der Einladung unter Seglern hatte ich meiner Tischnachbarin mein übliches Profilfoto bei Facebook zeigen wollen, das ja immerhin von einem Segeltörn stammte. Aber irgendwie hatte ich leichte Schwierigkeiten gehabt, es größer zu ziehen. Immer wieder war ich bei dem Versuch im Fotoalbum meines Smartphones gelandet und hatte anscheinend auf diese Art den Klodeckel in mein Profil katapultiert.

Ein Klo für Aufmerksamkeit

Mittags habe ich den Kopf geschüttelt: Da bemühe ich mich immer wieder, witzige und intelligente Sachen zu posten, die unbeachtet bleiben, und was wird mit Aufmerksamkeit überschüttet? Ein Klodeckel. Um ob dieser Tatsache nicht den Untergang des Abendlandes heraufdämmern zu sehen, verordne ich mir Pragmatismus: Wenn ich demnächst Aufmerksamkeit brauche, werde ich als Beitragsbild den Klodeckel wählen. Und wenn ich was ganz schlimm finde, dann bleibt er offen! Gala hat mir die entsprechenden Fotos schon geschickt!

Eine rosarote Toilettenbrille mit geöffnetem Deckel © Susanne Böhling

Halbschlimm – Brille mit geöffnetem Klodeckel