Dicht, schön und zeitlos – Erzählungen von Heinrich von Kleist

kleistWenn über die Feiertage Entspannung eingetreten ist und mein Geist Futter braucht, das der exzellenten Qualität der vielen Festessen entspricht, ohne genauso üppig zu sein, hole ich mir die Erzählungen von Heinrich von Kleist aus dem Regal.

Sie entstanden vor mehr als 200 Jahren, sind aber keineswegs antiquiert. Denn Kleist offenbart hier eine Sprachkunst, die sowohl in Knappheit wie in Tiefe beispielhaft ist. Auf jeder Seite finde ich Bilder, die mich auch dann verfolgen und beschäftigen, wenn das Buch an die Seite gelegt werden musste. Anfangs stellt es eine Herausforderung dar, die raffiniert ineinander geschachtelten Sätze, zu verstehen – aber nicht nur die Leber wächst mit ihren Aufgaben. Sprachmelodien und -Rhythmen sind dabei so elegant und schön, dass ich mich verführen lasse, beispielsweise die schreckliche Geschichte von Michael Kohlhaas zu lesen. Meine Seele mit dem Protagonisten auf den schmalen Grad zu schicken zwischen objektivem Gerechtigkeitssinn und engstirniger Selbstgerechtigkeit. Auch wenn wir heute in einem Rechtsstaat leben, Selbstjustiz aus der Mode gekommen ist und man jedenfalls nicht mehr am Galgen enden wird: Auch als nagendes Gefühl kann es verheerend sein, sich so zu versteigen.

Heinrich von Kleist: Erzählungen

Skyfall – der Himmel stürzt ab, aber das Empire steht

James Bond in einer Kulisse, die an Metropolis erinnert

Skyfall – der Himmel fällt, aber das Empire steht

Natürlich gibt es vorhersehbar spektakuläre Explosionen und Verfolgungsjagden im neuen James Bond. Aber er offenbart überraschende Details und die wirkliche Stärke der 50 Jahre alten Action-Reihe.

Wie er sich ohne Anflug von Angst über den Aufzugschacht Zugang zu einer der oberen Etagen in einem himmelhohen Gebäude verschafft! Sagenhaft, diese Nerven, wird es dem Zuschauer doch allein vom Blick in die Tiefe schlecht! Wie die U-Bahn durch die Decke in eine noch tiefer liegende Etage des Londoner Untergrunds bricht, entgleist und der Agent sich dennoch mit einem Sprung an die Seite rettet. Das ist Action und Spannung, wie man sie von einem Bond-Film erwarten kann.

Dabei wird allerdings ein Unterschied zu früheren Filmen offenbar: „Skyfall“ setzt auf eine andere Ästhetik, der Stil der Gebäude erinnert an die 20er Jahre. Auch die Architektur der verlassenen Insel lässt eher an „Metropolis“ denken als an die Glas- und Stahlpaläste früherer Filme.

Auch James Bond offenbart sich neu. Schmutzig, das war er schon bei der ersten Folge mit Daniel Craig in der Hauptrolle. Diesmal ist er ein Wrack. Konflikte werden sichtbar und sogar seine Kindheit holt Bond ein. Mit Bildern der herben Schönheit des schottischen Hochlandes. Durch die Süße südlicher Meere säuft sich der Agent nur ganz am Anfang. Mit zitternder Hand, wo er früher stets nüchtern war, egal wie Martinis er intus hatte.

Er zeigt ein zerfurchtes Gesicht, das früher bei ihm stets faltenfrei war, wie sein Anzug und sein Hemd. Diesmal ist er einer, der nicht mehr für den Dienst tauglich ist, der vom Zeitalter der Computer überholt und ad absurdum geführt zu sein scheint. Und würde nicht auf so eine Sequenz die nächste Action-Szene folgen, käme der Zuschauer glatt auf den Gedanken, der Film könne eine Parallele ziehen zu dem Land, dem Bond dient.

Natürlich ist er trotzdem derjenige, der allen den „Arsch“ rettet. Sogar dieses Wort kommt – welch ein Wunder – vor in dem Film, der die Engländer sonst immer als vollendete Gentlemen zeigt. Doch das, das bleiben sie weiterhin und genau das unterscheidet den Film von anderen Action-Streifen. Dass die Helden kaum Gefühle zeigen. Dass sie die Technik der „stiff upper lip“, der steifen Oberlippe so vollendet beherrschen, die sich selten zu einem Lächeln und nie zum Ausdruck von Wut oder Trauer verzieht. Und wenn sie sich denn irgendwie dazu äußern, dann so voller Ironie und Witz, dass sich die Spannung im Zuschauer in einem Lachen lösen kann! Mit dieser Tugend ist dieser britische Film nach wie vor etwas besonderes im Regal mit den Action-Schinken.

 

Eine Schale kehrt nach Hause zurück

Eine alte Kompottschale aus Kristallglas

Die Kristallschale aus der Wohnungsauflösung einer alten Dame. Foto: © Susanne Böhling

Bei der Finissage von Norbert Krauses Ausstellung „para_dies“ in der Pförtnerloge der Fabrik Heeder holte ich das von mir beigesteuerte Objekt wieder ab

Das Ausstellungskonzept von Norbert Krause

Nun ist sie wieder zuhause. Die Kristallschale, die bei der Wohnungsauflösung einer alten Dame an mir hängen geblieben ist. Lange fristete sie ein unbeachtetes Dasein im Vitrinenaufsatz meines Biedermeier-Schrankes. Bis ich Norbert Krauses Aufruf folgen wollte. Der Gladbacher Aktionskünstler richtete auf Einladung des BBK Krefeld in der Pförtnerloge der Fabrik Heeder eine Ausstellung zum Thema „para_dies“ ein, die die Krefelder Bürger bestücken konnten. Sie sollten ihm bringen, was für sie an ihrer Stadt paradiesisch sei. Er katalogisierte die Bilder, Texte und Objekte und stellte sie in eigens dafür aufgebaute Regale.

Auch ich lieferte einen Beitrag zu Norbert Krauses Ausstellung

Mein Beitrag sollte vom Rudern handeln, ein Text über das glitzernde gleißende Licht, wie ich es auf dem Wasser wahrnehme und über das Gefühl des Schwebens, wie ich es bisweilen im Einer erreiche. Dazu sollte eine Portion Rheinwasser gehören, das ich in einer leeren Plastikwasserflasche an der Hafeneinfahrt auf dem Steg des Uerdinger Ruderclubs schöpfte. Auf der Suche nach einem angemessenen Ausstellungsgefäß fiel mir die Kristallschale ins Auge.

Das Rheinwasser war sauberer als vermutet

So dargeboten entwickelte das Objekt in der Pförtnerloge eine gewisse Poesie. Wobei Norbert Krause mir nicht glauben wollte, dass es sich wirklich um Rheinwasser handelte. Es schien ihm zu sauber. Im Laufe der Zeit verdunstete das Wasser, als ich sie am Samstagabend abholte, war die Schale von einer feinen weißen Kalkschicht überzogen. Eine andere Besucherin gab mir den Tipp, sie mit einem Corega Tap zu säubern und klärte auch auf, wofür die Schale ursprünglich genutzt wurde. „Eine Kompottschale“, sagte Evelyn Larisika, zu der noch eine entsprechender Löffel gehört hätte. „Pass gut auf, auf das wertvolle Schätzchen“, sagte sie. Und versprach, mir irgendwann mal zu offenbaren, woher sie vom Wert der Schale weiß.

Kempen Big Band in der Kulturhalle Schiefbahn

Gestern hatte ich einen Bericht zu schreiben, über das Benefiz-Konzert einer Amateurband. Zugunsten des Lion-Club Willich trat die Kempen Big Band in der Kulturhalle in Schiefbahn auf und überraschte mich angenehm:

Die 24-Mann starke Band hat sich unter der Leitung von Markus Türk zu einem satten Klangkörper entwickelt. Die Rhythmen kamen präzise und im richtigen Tempo. Vielen Zuhörern fiel es schwer, still sitzen zu bleiben, die Musik fuhr ihnen mächtig in die Knochen. Dabei proben die Musiker aus dem Kreis Viersen und Mönchengladbach nur einmal in der Woche zusammen.

Besonders beeindruckte als Solist der 17-jährige Konstantin Reiners. Der junge Mann aus Kempen wird vom Instrumentenbauer Hohner gefördert und wird im kommenden Frühjahr seine erste eigene CD herausbringen. Er spielte virtuos und Klassiker wie „Georgia“ mit einem erstaunlich tiefen Feeling.

www.kempen-big-band.de