Hundeerziehung


Theo war gut erzogen

Was war ich froh, dass Theo seine Grundausbildung bereits absolviert hatte! Keine geplünderten Mülleimer, keine Ansprüche auf einen Sofaplatz und auch keine von kleinen Hundezähnen zerstörten Pumps.

Das war Fakt, als er vor gut fünf Wochen zu meinem Mitbewohner wurde.

Zuerst mag Theo nichts was Menschen essen

Und er mochte auch nichts, was Menschen essen! Das erste Stück Käse, dass ich ihm anbot, quittierte er mit verwundertem Gesichtsausdruck: „So etwas isst Du?“ Schien er zu sagen und wandte sich angeekelt ab. Die erste Mandel – ein Hochgenuss für meine Irish-Terrier, die ich früher mal gezüchtet hatte – nahm er zwar, lutschte darauf herum und spukte sie mir anschließend vor die Füße. Einzig die Fleischwurst rief positive Reaktionen hervor. Sie ist nach wie vor das ultimative Argument sich freiwillig schwanzwedelnd in die Transportkiste zu begeben, in die er sich zurückziehen muss, wenn ich ohne ihn das Haus verlasse.

Hundeerziehung am Kochschinken

Doch dann erwischte ich ihn, wie er mir den Kochschinken von meinem Teller klaute, den ich mir fürs Frühstück auf dem Balkon zurechtgelegt hatte. Also gut, ich mache jetzt das Frühstück in der Küche fertig, bringe das komplett beladene Tablett auf den Balkon und fange sofort an zu essen – dann hat Theo keine Chance, mir etwas vom Teller zu klauen.

Hundeerziehung am Mülleimer

Inzwischen steht er sogar manchmal vor dem Mülleimer, seine Nase wandert höher und höher, über den Rand hinweg und senkt sich langsam ins Innere … leider verrät ihn dabei die knisternde Plastiktüte, mit der ich den Mülleimer auskleide … und dann unterbreche ich ihn auf seiner Forschungsreise mit einem scharfen, drohenden „Nein!“ Das natürlich nicht ein für alle Mal gilt. Aber ich kann ja die Küchentür zumachen.

Pantoffel – immerhin keine Pumps

Als er mal wieder durch die Wohnung schlenderte auf der Suche nach Abwechslung (die Chefin ist manchmal ätzend, sie sitzt an diesen Bildschirmen und ihre Finger klimpern auf so ein schwarzes Ding, anstatt sein Fell zu kraulen) müssen ihn wohl meine Pilzpantoffel in die Nase gestochen haben. Ich habe die Angewohnheit, sie bei vielen Gelegenheiten von den Füßen gleiten zu lassen, weil ich sie ungemütlich finde oder sie mir zu warm sind. Riechen tun sie daher sicher nicht …

Gegenargument Leckerli

Ein Beweis dafür: Theo musste seine Nase gaaanz tief reinstecken. So, dass seine lange Schnauze komplett darin verschwand und nur noch seine Augen und Ohren hervorlugten. Das sah unglaublich niedlich aus. Allerdings machte er sich anschließend mit seinen Zähnen an der Sohle zu schaffen. Was ich ihm natürlich nicht durchgehen lassen konnte. Doch bevor ich für einen Anpfiff Atem holte, besann ich mich darauf, ihn zu locken und ihm den Schuh dann abzunehmen. Also holte ich ein Leckerli und rief mit Zuckerstimmchen „Theo, Apport!“ Da der Hund unglaublich verfressen ist, reagierte er prompt, trabte er auf mich zu und ließ auf „Aus!“ den Latschen fallen. Logisch! Latsch und Leckerli passen nicht gleichzeitig ins Maul. Und weil das so gut lief, schnappte er sich jetzt den Zweiten …

Hundeerziehung braucht Ausdauer

Und so geht das immer mal wieder. Wenn ihm langweilig ist, ich ihn nicht ausreichend beachte oder er Lust auf ein Leckerli zwischendurch hat. Inzwischen hat er mich so weit erzogen, dass ich die Latschen möglichst nicht mehr stehen lasse, sondern immer sofort wegräume, wenn ich sie ausziehe. So wie ich die Pumps schon immer beim Betreten der Wohnung ins Schuhregal gestellt habe.

Hundeerziehung macht Spaß

Gestern kamen wir vom Spaziergang zurück, ich hatte die Sneakers gerade ausgezogen und war dabei die Leine aufzuräumen, da schnappte er sich den ersten Schuh … und dann den zweiten …, beide stopfte ich anschließend zu einem Haufen anderer Wäschestücke in die Waschmaschine, holte das Waschpulver und sah dann, dass Theo seinen Kopf in die Maschine gesteckt hatte.

Ja, diesmal schleckte er nicht das Wasser aus der Dichtung, sondern steckte bis über beide Ohren in der Trommel. Reckte sich, setzte eine Pfote in die Trommel, die zweite … gebannt beobachtete ich ihn. Und sah, wie er mit einem Sneaker im Maul wieder ans Licht kam. Den er natürlich sofort voller Stolz ins Wohnzimmer brachte, seine Beute ordentlich schüttelte und diesmal war es gar nicht so leicht, ihn zum Apport zu bewegen, so sehr wie ich lachen musste.

Der Hund muss aufs Sofa

Ja, und den Sofaplatz habe ich ihm freiwillig eingeräumt. Der Bezug ist durch eine Decke geschützt. Schließlich soll mein Hund beim Fernsehen neben mir liegen, damit ich ihn bequem streicheln kann.

Gemütlich © Susanne Böhling
Gemütlich © Susanne Böhling

Und fragen Sie bitte nicht, wer hier wen erzieht.

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© Susanne Böhling