Kultur an der Ruhr II – Schauen und Staunen

Norbert Büchel nahm mich mit zu einer Susi-Sorglos-Tour durch das Ruhrgebiet, auf der ich viel zu schauen und zu staunen hatte.

Von Susanne Böhling

Start in der Villa Hügel

Ausgangspunkt der Ruhrtour war die Villa Hügel. Ich hatte sie als Haltepunkt in die Planung eingebracht, da ich sie bis dato nicht kannte.

Was Krupp in Essen waren die Fugger in Augsburg

Da es zu diesem Zeitpunkt keine Sonderausstellung in der Villa gab, war sie wenig besucht und wir konnten den Bau in seiner ganzen, unverstellten Pracht bewundern. Riesige Räume, teure Tapeten, Wandteppiche, Holzvertäfelungen, Schnitzereien, die Bibliothek.

Schranksims in der Villa Hügel, prächtig verziert

Der Sims eines Schrankes prächtig verziert mit Schnitzereien © Foto: Susanne Böhling

Das alles hat mich schwer beeindruckt und ich habe darauf verzichtet, mich mit Hintergründen zu beschäftigen. Stattdessen habe ich versucht einfach zu fühlen, zu welcher Prachtentfaltung Unternehmergeist bei entsprechendem Erfolg imstande ist und welche Gefühle das in Bewohnern und Besuchern ausgelöst haben mochte.

Holzvertäfelungen und schmiedeeiserne Geländer in der Bibliothek von Villa Hügel in Essen

Blick durch die Bibliothek der Villa Hügel © Foto: Susanne Böhling

Erinnern musste ich mich dabei an den kleinen Goldenen Saal im Augsburger Rathaus, in dem die Erfolge der Fugger und Welser ablesbar sind, die auch Fürsten gezeigt haben, wer in Wirklichkeit die Geschicke der Nation bestimmt. Es ist sicher kein Zufall, dass der Stahlunternehmer Krupp die Villa zu einer Zeit erbauen ließ, da für den Deutsch-Französischen Krieg Waffen gebraucht wurden.

Weitläufiges Gelände um die Villa Hügel in Essen

Blick über die Terrasse der Villa Hügel in den Wald des Ruhrtals © Foto: Susanne Böhling

Weithin sichtbar thront der ehemalige Familiensitz der Kruppfamilien über dem Ruhrtal. Heute gehört er der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und die Kulturstiftung Ruhr hat hier ihren Sitz.

Folkwang Museum in Essen

Angenehm, dass das Vermögen der Krupp-Stiftung auch dazu dient, den Besuchern des Museum Folkwang freien Eintritt zu gewähren. So haben wir uns ganz ohne den – lächerlich selbst auferlegten – Zwang, die Kosten ablaufen zu müssen, im Wesentlichen auf den zentralen Raum mit der Ausstellung Gediegenes und Kurioses Los Carpinteros, Ouyang Chun und Lieblingsstücke aus der Sammlung Olbricht konzentrieren können. Der Sammler Thomas Olbricht hat die Rauminstallation „Helm“ mit Schönem und Kuriosem aus Nah und Fern bestückt, die zum Entdecken und Staunen anregen. Seitdem weiß ich wieder, warum ich schon als Jugendliche meinen Setzkasten so sehr mochte. Und warum es ich zugunsten leichten Gepäcks nicht auf Nutzloses in meiner Wohnung verzichten möchte. Eine echte Befreiung!

Rauminstallation Los Carpinteros im Museum Folkwang

Schweinemädchen aus der Sammlung Olbricht in einer Wabe des “Helms” © Foto: Susanne Böhling

Kultur I – bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen

von Susanne Böhling

Die Ruhrfestspiele Recklinghausen waren der Aufhänger für den Ausflug

Ein Freund, Norbert Büchel, hat mir einen tollen Tag im Susi-Sorglos-Modus beschert. Im Ruhrgebiet haben wir an unterschiedlichen Stätten unterschiedliche Ausprägungen von Kultur erlebt. Im ersten Teil des Beitrags geht es um die Kultur des Theaters – bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen. Dort eine Aufführung zu besuchen war der Ausgangspunkt für den Ausflug.

Logo der Ruhrfestspiele Recklinghausen

Aus einer Vielzahl von Aufführungen der Ruhrfestspiele die richtige ausgewählt

Für das Stück WG.Deutschland hatte Norbert schon vor längerer Zeit Karten besorgt. Wobei es der Termin war, nach dem wir uns für die Aufführung mit Akteuren aus einer Bildungsmaßnahme entschieden, die von der Bundesagentur für Arbeit und dem Bildungszentrum des Handels e.V. gefördert wurde. Auf eine Produktion namhafter Bühnen, hochkarätiger Regisseure oder Schauspielstars, die fester Bestandteil der Ruhrfestspiele Recklinghausen sind, haben wir verzichtet.

WG.Deutschland – eine Aufführung mit Laiendarstellern

Die Darsteller des Stückes WG.Deutschland

Die Darsteller des Stückes WG.Deutschland © Joachim Bachmann

Wir haben es nicht bereut, uns das Laienensemble in dem Stück WG.Deutschland anzusehen: In der Geschichte geht es um eine WG, in der junge Menschen unterschiedlicher Herkunft und Bildung versuchen, sich zusammen zu leben und dabei über alle Probleme stolpern, die die Zuschauer aus eigener Erfahrung kennen. Die Schauspieler haben sich die Seele aus dem Leib gespielt und Unmengen von Text gelernt. Sie haben sich getraut in die Rolle unsympathischer WG-Bewohner zu schlüpfen, sind auch in den komischsten Situationen ernst geblieben und haben das Lachen den Zuschauern überlassen. Dabei hatte der Autor und Regisseur Franz-Josef Dieken anspruchsvolle politische Statements eingebaut – und sie ironisch brechen lassen. Es war sehr amüsant und der begeisterte Applaus redlich verdient.

Ruhrfestspiele Recklinghausen

Theater in der Halle König Ludwig 1/2 © Foto: Susanne Böhling

Aufführungsort Halle König Ludwig 1 / 2

Schon der Aufführungsort in Recklinghausen brachte mir neue Erkenntnisse: „1/2“ meint nicht „einhalb“ sondern “1 und 2” – benannt nach den Schachtanlagen der ehemaligen Zeche, auf dessen Gelände sich die Bühne befindet. Norbert hat in Bochum studiert und kennt solche Hintergründe. Hier fand ich, was mich immer wieder begeistert: Wie eine Industrie-Anlage morbide Schönheit entfaltet, sobald sie nicht mehr in Nutzung ist.

Halle König Ludwig 1/2

Aufführung in der ehemaligen Lohnhalle der Schachtanlage. © Foto: Susanne Böhling

Ursprünge im Winter 1946 /47

Die ehemalige Zeche zu bespielen ist gewissermaßen Pflicht für die Ruhrfestspiele Recklinghausen, die als das älteste Theaterfestival Europas gelten. Den Ursprung haben im harten Winter 1946 / 47 die Bergleute der Zeche König Ludwig 4 / 5 gelegt, die Kohle als Heizmaterial für die Hamburger Theater an der Besatzungsmacht „vorbeigeschleusten“. Zum Dank kamen die 150 Schauspieler der Hamburger Staatsbühnen nach Recklinghausen und gastierten unter dem Motto „Kunst gegen Kohle“ im städtischen Saalbau. Der Hamburger Bürgermeister Max Brauer hielt eine Rede vor der Belegschaft und entwarf die Idee von einem „anderen“ Festival. Nicht für Literaten oder Auserwählte, sondern inmitten der Stätten harter Arbeit. „Im Kohlenpott vor den Kumpels . . . statt in Salzburg.“ Entsprechend sind auch heute noch die Eintrittspreise gestaltet. In der Lohnhalle von König Ludwig 1 / 2 besuchten damals die Bühnenprofis die Arbeiter zu Gesprächen und Grubenfahrten.

Warten auf die Aufführung WG.Deutschland

Treffpunkt der Besucher vor der Aufführung © Foto: Susanne Böhling

Gewaltversprechen

An Blut hat Quentin Tarantino noch nie gespart. Doch The Hateful Eight verzichtet auf persönliche Betroffenheit als Rechtfertigung für Rache und Gewalt. Die Figuren handeln „aus Prinzip“ und sadistisch.

the_hateful_eight_4Auch mit schwarzem Humor ist The Hateful Eight nicht witzig

In Pulp Fiction sprechen die Protagonisten darüber, dass sie jemanden – immerhin versehentlich – „die Schädeldecke weggepustet“ haben. In The Hateful Eight erschießen sie ihren Feind – und ihm anschließend zusätzlich in den Kopf. In Pulp Fiction ist das anschließende Gespräch und die Folgen für die Handlung zwar makaber, aber auch witzig – sobald man über schwarzen Humor verfügt. In The Hateful Eight fehlt das Gespräch, der zerstörte Schädel rückt in den Bildmittelpunkt, Blut und Knochensplitter bleiben, wo sie hin spritzen, auch im Gesicht der Protagonisten und damit immer im Bild. Witzig ist das alles überhaupt nicht, Blut ist so allgegenwärtig, dass ich noch lange nach dem Verlassen des Kinos den Geschmack von Blut im Mund habe und ich finde beim besten Willen keinen Grund, warum mir das gefallen könnte.

Positiv: Filmmusik, Ausstattung und Kammerspiel

Gefallen hat mir die Filmmusik von Ennio Morricone und die Bilder von der unschuldig verschneiten Landschaft. Oder die Ausstattung, die bis ins Detail einer Krawattennadel sorgfältig gestalteten Kostüme mit üppigen Pelzen, die die besonderen Charaktere geschickt optisch unterstreichen und die bewährte Kameraführung. Gefesselt hat mich vor allem die eindringliche, wie fein differenzierte Darstellung der Schauspieler – The Hateful Eight ist in der Tat ein Kammerspiel.

Quentin Tarantino

Geldgier als Motiv für Demütigung und Tod

Aber worum geht es eigentlich? Das Motiv der Rache, das bei Tarantino sicher immer unterstellt werden kann, zerfasert meines Erachtens nach. Die Personen haben eine unglaublich niedrige Reizschwelle, persönliche Betroffenheit ist nicht nötig, um eine Lawine der Gewalt loszutreten. Allen eigen ist die Lust an der Demütigung, dem Quälen, dem Töten der jeweils anderen. Übrig bleibt, wer es schafft, die anderen so zu provozieren, dass er das formale Recht verspürt, sie zu quälen und zu töten. Schrecklich und traurig zugleich, wie einfach das ist, in diesem Film. Wenn es auf der persönlichen Ebene nicht funktioniert, dann müssen nur die auf die anderen ausgesetzten Kopfgelder ins Gedächtnis gerufen werden und schon geht sich das Karussell der Gewalt weiter.

Gute Vorsätze sind wie kratzende Pullover

Meinung von Susanne Böhling
Ein Pullover aus kratziger irischer Wolle fotografiert von Susanne Böhling

Der kratzige Pullover. © Susanne Böhling

Sind Vorsätze, die wir nicht konsequent durchziehen, überhaupt nützlich?

So ist das immer um diese Zeit. Alle Medien kreisen um ein Thema: Die guten Vorsätze fürs neue Jahr. Das ist mir das so unangenehm wie ein kratziger Pullover. Trotzdem behalte ich ihn an. Schließlich tragen ihn zurzeit alle. Bereitwilligst räumen wir ein, dass wir behaftet sind mit einer Unzahl unakzeptabler Fehler und Marotten, die wir ausmerzen wollen mit den guten Vorsätzen. Allein das kratzt an meinem Selbstwertgefühl. Und: Was hat das bislang genutzt? Haben wir unsere guten Vorsätze durchgezogen? Der einzige Effekt war doch, dass sich mit jedem Abbruch die Selbstzweifel mehrten.

Zweifel am Nutzen von Verhaltensänderungen

Wobei: Wäre unser Leben erfolgreicher, unsere Lebern und Lungen gesünder, ja wären wir heute glücklicher, wenn wir nicht aufgegeben hätten? Wären wir bessere Menschen und das Himmelreich näher? Solche Gedanken legen sich wie eine Schicht Seide um meine Seele, mildern das Kratzen des Pullovers und den Drang zu guten Vorsätzen für 2016.

Ich habe nicht nur Fehler, sondern auch positive Eigenschaften

Im Übrigen hat mir das vergangene Jahr gezeigt, dass ich gar nicht so schlecht bin. Selbst wenn ich Ungesundes genossen und erneut Dinge vergessen oder verloren habe, von denen andere denken, dass das gar nicht möglich sei, wie damals, meine Eltern beim Turnbeutel „Susanne, wie kannst Du nur?“ Ich kann. Aber auch angenehme Sachen, wie andere zum Lachen bringen und kochen oder profitable Sachen, wie Businesspläne schreiben, effizient ein effektives Mahnwesen etablieren, Texte formulieren, Kunden gewinnen, mit Kollegen und dem Chef klar kommen.

Es gibt auch Fortschritte ohne “gute” Vorsätze

Ich habe mich sogar gebessert  in 2015. Habe im Job neues gelernt, angewendet und mich privat nicht mehr aufgeregt, wenn ich wieder etwas vergessen oder verloren hatte. Hat man mir deswegen Vorwürfe gemacht oder mich verächtlich angesehen, habe ich nur mit den Schultern gezuckt. Schließlich stehe ich seit langem ganz allein für die Verluste gerade, nicht wie früher, beim Turnbeutel. So habe ich einiges bewältigt im vergangen Jahr – eine weitere Schicht Seide vor dem kratzigen Pullover.

Besser: Sich den aktuellen Anforderungen zu stellen

Außerdem wird sich schon zeigen, welche neuen Herausforderungen ich im neuen Jahr meistern muss. Dabei werden mir Selbstzweifel nichts nutzen, sondern eher das Vertrauen in meine Fähigkeiten, für das im Übrigen nicht nur die Erfahrungen aus 2015, sondern aus vielen weiteren Lebensjahren sprechen. Vielleicht kann ich den kratzigen Pullover des Zwangs zu guten Vorsätzen allmählich ablegen, auch wenn andere ihn tragen. Doch will ich mir das nicht vornehmen. Vielleicht brauche ich das auch gar nicht. Irgendwann vergesse ich sie – wie immer und den Turnbeutel. Die Medien sind mit dem Thema auch bald wieder durch.

Das Copyright auf dem Text liegt bei Susanne Böhling. Wollen Sie ihn oder Teile davon kopieren, benötigen Sie die Zustimmung der Autorin. Bei Verlinkung erbitte ich Nachricht per E-Mail an susanne@boehling.de

Erkenntnisse aus dem Kauf eines rosa Hutes

Ich war erleichtert: noch mehr Reaktionen als auf den versehentlichen Klodeckel als Profilfoto bei Facebook bekam ich, als „das Alte“ wieder eingestellt war. Und durchweg positive. Keiner fragte: „Was hast Du genommen“, obwohl das Outfit ja nicht gerade alltäglich ist, in dem ich mich da präsentiere und meine Kleiderwahl immer mal wieder mit „du bist doch bekloppt!“ kommentiert wird.

Ein Kleid als Dank

So war es auch damals, als ich mir das bunte Kleid und den rosa Hut zugelegt hatte. Es war bei einem Segeltörn mit Jürgen* und Klaus* (*Namen von der Redaktion geändert*) durch die südöstliche Ägäis, als mich auf der schönen Insel Symi mein untrüglicher Instinkt zum Shoppen drängte. „Die Jungs“ waren erleichtert, dass ich nicht auf die Idee kam, sie um Begleitung zu bitten, sondern alleine losgehen wollte. Sie besorgten in der Zeit brav Wasser und ein paar Lebensmittel für den nächsten Schlag. Tatsächlich fand ich etwas Passendes, etwas, in dem ich alle Lebensfreude ausstrahlte, die ich in den sonnigen Tagen und dem vielen Lichts auf dem Wasser, von den Wellen entspannt geschaukelt, wie in Poseidons Armen, empfangen hatte. Die alten Klamotten hatten in dem Augenblick vorübergehend ausgedient und landeten in der Tüte, die neuen blieben an.

Mein Lieblingsbild

Licht auf den Wassern © Foto: Susanne Böhling

Ein Foto als Kompliment

Als ich aufs Schiff zurückkam, verstauten die Jungs gerade unter Deck das Wasser in den Bilgen. Ihnen blieb der Mund offen, als ich in der Luke erschien. Jürgen fand die Sprache als erster wieder: „Stehen bleiben! Foto!“ waren Worte, die deutlich zeigten, dass es ihm die Sprache verschlagen hatte – was ich als Kompliment zu deuten wusste. Auch Klaus fing sich wieder. „Kannst Du Dich bitte erst auf See umziehen!?“ fragte er, weil er wusste, dass ich normalerweise vor dem Auslaufen sportlichere Sachen anzog. Ich nahm also vorne auf der Bugspitze Platz, hingegossen in die Sonne, die Hand leicht an der Krempe des Huts, um ein Davonfliegen zu verhindern. Die ganze Seglergemeinde im Hafen hing an dem Bild, auch wenn die Farben von Kleid und Hut in diesen Kreisen eigentlich verpönt sind.

Der Hut aus Symi

Der Hut aus Symi

Eine Weisheit fürs Leben

Kurz vor Erreichen des kleinen Hafens von Pali auf kleinen Vulkaninsel Nisiros zog ich mir wieder das neue Kleid an, vor dem Aussteigen setzte ich den Hut auf und balancierte anmutig in den hohen Pantoletten über das Fallrepp um zum Abendessen in unserem Lieblings-Hangout „Aphrodite“ zu schreiten. Das Hallo in der kleinen Taverne direkt am Ausleger war so unbeschreiblich, dass selbst ich etwas verlegen wurde, die Augen niederschlug und entschuldigend sagte: „Okay, ich bin etwas verrückt.“ Da wurde unser Wirt ernst: „Nein“, beschied er streng. „Du bist nicht verrückt. Du hast etwas Verrücktes gemacht. Und das muss man manchmal, wenn man nicht verrückt werden will.“

Bitte teilen

Das ist der Grund, warum mir dieses Foto als mein Markenzeichen bei Facebook so wichtig ist: Sobald ich meinen Account öffe, werde ich daran erinnert, etwas Verrücktes zu tun. Ich hoffe jetzt, nachdem Ihr die Geschichte kennt, erinnert auch ihr Euch immer wieder an diesen wertvollen und weisen Ratschlag, sobald Ihr mein Profilfoto seht! Und wenn es jemanden gibt, dem Ihr das ebenfalls ins Stammbuch schreiben wollt, dann teilt fleißig!

Manchmal wundere ich mich

ein lila-roter Klodeckel vor einer lila-rosa Wand © Susanne Böhling

nur irritierend und peinlich, aber nicht schlimm: Eine Klobrille mit geschlossenem Deckel

Klosophisches über die Wirkung eines lila-roten Deckels bei Facebook

Es war peinlich. Wirklich. Irgendwann letzten Samstag, Nachts nach einer Einladung unter Seglern, meldete mein sonst so stummer Messenger mit pausenlosem Klingeln einen „Kommentar zu Deinem neuen Profilfoto“ nach dem anderen. Ich wunderte mich, denn wenn ich ein neues Profilfoto eingestellt hätte . . . also das wüsste ich ja wohl. Doch dann schaute ich nach und sah das Bild einer Toilette mit lila-roter Brille und Deckel vor einer lila-rosa Fliesenwand. Ja, das Foto kannte ich. Meine Freundin Gala hatte es mir nachmittags per WhatsApp zugeschickt. Ihr Sohn war zu Besuch, hatte den neuen Klodeckel für sie montiert und sie wollte mir mit dem Foto den Erfolg dokumentieren.

Irritierend und peinlich

Nun ist so ein Klodeckel an sich nichts anstößiges, aber er hat für jede Menge Irritationen gesorgt. „Was hast Du genommen?“ fragte ein Facebook-Freund ­- Gottlob in einer Privatmail. Und mir war es doch peinlich. Ich wurde ziemlich hektisch, weswegen es  bis zum nächsten Morgen dauerte, bis es mir auf den Ratschlag meiner Facebook-Freundin Judith hin gelang, das Foto zu entfernen und zum alten Bild zurück zu kehren.

Unbeabsichtigt hochgeladen

Noch später dämmerte es mir, wie das Foto in das Profil geraten sein könnte: Bei der Einladung unter Seglern hatte ich meiner Tischnachbarin mein übliches Profilfoto bei Facebook zeigen wollen, das ja immerhin von einem Segeltörn stammte. Aber irgendwie hatte ich leichte Schwierigkeiten gehabt, es größer zu ziehen. Immer wieder war ich bei dem Versuch im Fotoalbum meines Smartphones gelandet und hatte anscheinend auf diese Art den Klodeckel in mein Profil katapultiert.

Ein Klo für Aufmerksamkeit

Mittags habe ich den Kopf geschüttelt: Da bemühe ich mich immer wieder, witzige und intelligente Sachen zu posten, die unbeachtet bleiben, und was wird mit Aufmerksamkeit überschüttet? Ein Klodeckel. Um ob dieser Tatsache nicht den Untergang des Abendlandes heraufdämmern zu sehen, verordne ich mir Pragmatismus: Wenn ich demnächst Aufmerksamkeit brauche, werde ich als Beitragsbild den Klodeckel wählen. Und wenn ich was ganz schlimm finde, dann bleibt er offen! Gala hat mir die entsprechenden Fotos schon geschickt!

Eine rosarote Toilettenbrille mit geöffnetem Deckel © Susanne Böhling

Halbschlimm – Brille mit geöffnetem Klodeckel

Hohes Tempo bei hohen Temperaturen

 

Der Auftritt der Soneros de Verdad bei der Sommermusik Schloss Rheydt fand nicht ungeteilte Zustimmung

Die Temperaturen waren jedenfalls karibisch. 35 Grad sind angemessen für die Buena Vista Cuba Night der Soneros de Verdad. Sänger Luis Frank gehört zur zweiten Generation Musiker, die die Musik der legendären, durch Wim Wenders populär gemachten Band um die Welt tragen, Mayito Rivera gilt als einer der bedeutendsten Stimmen Lateinamerikas, . Das Konzert war komplett ausverkauft.

 

 Von Anfang an legte die Band ein atemberaubendes Tempo vor und sofort begannen einige Paare zu tanzen, auf der Turnierwiese vor dem altehrwürdigen Schloss. Das Tempo behielten sie bei. Dabei blieben die klaren Strukturen und das Feeling auf der Strecke das die Altvorderen mit ihrer Musik bis nach Europa transportierten und das wir seither mit der Insel assoziieren. Die allermeisten Zuschauer ließen sich dennoch von der Energie faszinieren, die sich in dem hohen Tempo offenbarte.

 

 Nicht alle waren zufrieden. Angelika Schüngeler, die schon oft vor Ort in Südamerika und der Karibik war, unter anderem Jamaika, Mexiko und Venezuela bereist hat, eine große Sammlung an Original-CDs besitzt und ein Fan des Buona Vista Clubs ist, sagte: “Das hier hat damit gar nichts zu tun.” Gerda Wehres, die sie zum Konzert begleitete sagte: “Ich hatte das melodischer erwartet. Für mich sprang der Funke nicht über.” Enttäuscht sind die Damen gleichwohl nicht. “Die Sommermusik bringt tolle Veranstaltungen in diese zauberhafte Umgebung. Das muss man unterstützen”, zumal der Eintrittspreis mit 23,50 Euro durchaus in Ordnung sei.

 

Akkordeon-Spielerin von Herzen

Lydie Auvray

Bei der Sommermusik Schloss Rheydt zeige Lydie Auvray, dass es das volkstümliche Instrument in sich hat.

Wenn ich das gewusst hätte! Dass man aus einem Akkordeon das herausholen kann, was Lydie Auvray aus ihm herausholt. Mit dem Instrument, das ihrem Herzen so nahe ist, spricht sie unmittelbar zu dem ihrer Zuhörer. Ruft in ihnen Wehmut und Leidenschaft, Sehnsucht und Freude wach, sie spricht von Sinnlichkeit und Übermut und das alles so leicht, wie die Feder des Pfaus auf der Blutbuche vor dem Schloss, die zu Beginn der Vorstellung auf den voll besetzten Arkadenhof hinunter schwebt.

„Ich habe sie schon vor 30 Jahren in einer Halle in Eicken gehört“, sagt Gerda Kox aus dem Publikumn. Ihre Begeisterung für die Französin aus dem Departement Calvados, die seit 36 auf der Bühne steht, ist leicht nachvollziehbar. Stets ist sie elegant und geistreich, ihre Moderationen erhellend und zeugen von einem wunderbaren Humor.

Auvray bekennt sich zu den volkstümlichen Wurzeln ihres Instruments. Dazu, dass der Akkordeon-Spieler Alleinunterhalter auf den Dorffesten war, die man gern erleben würde, so prickelnd lustvoll wie Auvray die Lieder aus dieser Zeit spielt. Nichts, aber auch gar nichts erinnert an die „Quetschkomode“ oder das „Schifferklavier“. Das hatten ich immer so grob volkstümelnd wahrgenommen, dass ein Erlernen des Instruments nie in Frage gekommen wäre und ein entsprechendes Ansinnen meiner Eltern als Zumutung zurück gewiesen werden musste, die das von mir gewünschte Klavier weder kaufen noch in den zweiten Stock hochtragen wollten.

Auvray nutzt Elemente der Volksmusik vieler verschiedener Länder und des Jazz. Gerade im Spiel mit ihrem „Pianeur“ Eckes Malz wird tritt dann auch die Überlegenheit des Akkordeons zutage: Es ist nie kühl, immer schwingt das Gefühl mit, das vom Herzen kommt. Wenn ich das gewusst hätte!

http://www.youtube.com/watch?v=PsidONsOyCo

Lydie Auvray lebt seit 1974 in Deutschland und hat das Akkordeon wieder populär gemacht. Sie gehört unter anderem zum Klangbild von Hannes Wader und Peter Maffay und hat inzwischen 20 CDs eingespielt. In Rheydt spielte sie mit Eckes Malz und Wolfgang Tiedemann im Trio

Es ging um die Wurst – und ich sollte meinen Senf dazu geben

Zum dritten Mal fungierte ich bei der Rheydter Grillmeisterschaft als Jury-Mitglied.

Ganz dem Genuss ergeben

Ganz dem Genuss ergeben

Erfolgreich mit dem Spaßfaktor

Für die einen ist es Spaß. Etwa für die 8000 Menschen, die im Laufe des Sonntags die 4. Rheydter Grillmeisterschaften hinter dem Sparkassengebäude besuchten, dort aßen, tranken und miterlebten, wie eine vierköpfige Jury bewertete, was sieben Teams auf dem Grill gebrutzelt hatten. Auch Peter Homann, Mitglied im Rheydter Citymanagement, machte in kurzen karierten Hosen und Flip-Flops einen sehr entspannten Eindruck. Von Anfang an organisiert der Optiker das Event zusammen mit Frank Pfennigs von der Werbeagentur Tacheles, der im Vorfeld mit Einträgen bei Facebook ständig für die Meisterschaft geworben hatte und den ganzen Tag schwitzend über dem Platz lief, um mit der Kamera Eindrücke festzuhalten. „Es macht super viel Spaß“, sagte er strahlend. „Sonst wäre das auch nicht so erfolgreich.“ Die Zuschauerzahl steigt von Jahr zu Jahr und wenn im nächsten Jahr nach Abschluss der Bauarbeiten der Marktplatz vor dem Rathaus wieder nutzbar ist, wird die Grillmeisterschaft bereits am Samstag beginnen. „Mit einer Biermeile“, sagt Pfennigs. „Nettetal macht inzwischen auch eine Grillmeisterschaft“, sagt Homann, stolz über den Nachahmungseffekt.

Mit viel Prunk präsentiert die Rheydter Prinzengarde ihre Grillkreationen

Mit viel Prunk präsentiert die Rheydter Prinzengarde ihre Grillkreationen

Stress mit dem Geschmackstest und dem Senf dazu

Für die Jury war es schmackhaft und sättigend. Erstaunlich, welch unterschiedlichen Geschmackserlebnisse aus dem jeweils gleichen Warenkorb (gestiftet von Real) unter dem Motto „Improvisation“ gezaubert wurden, den die Teams erst am Samstag ausgehändigt bekamen. Daraus mussten sie Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise und ein „Freestyle-Gericht“ zubereiten. Beim ersten Gericht (Mediterran-rheinische Schweinerouladen) des ersten Teams – der Rheydter Prinzengarde ­ war ich als Jurymitglieder noch geneigt, den Teller leer zu essen. Aber die Damen vom Organisation-Team nahmen mir den Teller ab, sobald mein Senf dazu über Mikro über den Platz schallte. Es ging weiter zum nächsten Gericht der nächsten Gruppe. Schließlich sollten sich die Zuschauer nicht langweilen.

Würste und Tausendfüßler unter einer Käseglocke

Ich habe folglich ganz geschickt als letzte meinen Kommentar abgegeben und so die Zeitspanne verlängert, in der ich mir das Gebotene wenigstens ansatzweise auf der Zunge zergehen lassen konnte. Zum Ende der Präsentation hin war ich trotz der winzig kleinen Häppchen ziemlich satt. Der Obdachlose, der sich dicht vor der Bühne eingefunden hatte, schaute neidisch auf das, was wir zurück gehen ließen. Und dann kam das Team Coca Cola mit einer silbernen Käseglocke über jedem der vier Teller, die wie von einer Zauberfee gelüftet wurde. Was zum Vorschein kam ließ den Gedanken an „Grottenolm“ durch mein Hirn blitzen. Eine Bratwurst wurde mit Beinen und Schwanz aus Paprikastreifen zum Tausendfüßler verwandelt. Dazu Augen aus Mashmellows . . . und ich mag doch keine Würste!!!! Aber immer noch besser als ein echter Tausendfüßler . . .

Die Überraschung war geglückt - ich mag keine Wurst

Die Überraschung war geglückt – ich mag keine Wurst

Ehrgeiz treibt zu kulinarischen Leistungen

Für die sieben Teams war es durchaus ernst. Nicht umsonst schöpfte die Rheydter Prinzengarde bei ihrem gewohnt spektakulären Auftritten aus dem Vollen ihrer Möglichkeiten: Ein Dudelsackpfeifer kündigte ihren Auftritt an, Cheerleader begleiteten sie, die Servierenden zogen im Bauarbeiter Outfit auf und bugsierten die Speisen mit einer Maurerkelle auf die Teller der Juroren. Schließlich galt es, den Vorjahrestitel zu verteidigen, was Ihnen knapp gelang. Dicht gefolgt von den Guru Girls, die sich nach Bekanntgabe der Gewinner mit echter Erleichterung jubelnd in den Armen lagen. „Wir haben lange genug dafür gekämpft“, sagten sie ernst.

Preise: Der dritte Preis ging an das Team der Sparkasse, den Sonderpreis für das Team mit dem höchsten Fun-Factor bekamen die Grillteufel, die sich eigens für die Meisterschaften Teufelskostüme besorgt hatten.

 

Suche nach Gott – Muslim auf dem Jakobsweg

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Der Mönchengladbacher Künstler Shamsudin Achmadow pilgert auf dem christlichen Weg

Shamsudin Achmadow würde auch nach Mekka pilgern. Die Reise zu dem heiligen Ort in Saudi-Arabien empfindet er – wie jeder Muslim – als Pflicht. Schließlich ist sie die fünfte der fünf Säulen des Islam. Aber einerseits ist dem Mönchengladbacher Künstler die politische Lage im Nahen Osten nicht friedlich genug. Von gewalttätig ausgetragenen Konflikten hat er nämlich die Nase voll. Schließlich ist er mit seiner Frau  1996 vor dem Krieg aus seinem Heimatland Tschetschenien im Süden der früheren Sowjetunion nach Deutschland geflohen. Die beiden Söhne kamen kurze Zeit später nach, die Tochter wurde vor zehn Jahren in Mönchengladbach geboren.

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Flucht vor dem Krieg in Tschetschenien

„Alles war kaputt“ erinnert er sich an die Gründe, seine Heimat im Kaukasus zu verlassen. Betroffen war davon auch das Atelier des dort renommierten Künstlers. Das Zacharow-Museum in Grosny, das ihm 1994 eine Einzelausstellung widmete, wurde mitsamt seiner Exponate bei einem Bombenangriff zerstört. Achmadow war bereits 1982, als 24-Jähriger, in den russischen Künstlerverband aufgenommen worden und hatte an allen bedeutenden Orten der Sowjetunion ausgestellt. Das alles hat er hinter sich gelassen. „Wir waren froh, dass wir mit dem Leben davon gekommen sind“, sagt er. Seine pazifistische Einstellung spiegelt sich auch in der Beteiligung an der Ausstellung „Konfliktregion Kaukasus“ in Hamburg 2008 wieder.

Keine Visa für den aus Russland stammenden Muslim ohne deutsche Staatbürgerschaft

Ein anderer Grund, nicht nach Mekka zu pilgern, liegt in seinem staatsbürgerlichen Status. Er und seine Familie sind hier als politischer Flüchtlinge anerkannt, geduldet, sie haben sogar eine Aufenthaltsgenehmigung und dürfen hier arbeiten, aber sie sind noch immer keine deutschen Staatsangehörigen. „Deshalb komme ich in viele Länder nur mit einem Visum“, beschreibt er sein Problem, „das bekomme ich meistens nicht.“ Lediglich in Länder des Schengen-Abkommens kann er Reisen. Eine Ausstellung in England beispielsweise scheiterte am Visum. Auch eine Reise in die USA ist undenkbar. „Als staatenloser muslimischer Russe lassen sie mich nicht einreisen“, sagt er nicht ohne Frust. Dass weder er noch seine Frau in die Heimat reisen konnten, als die Eltern im Sterben lagen, war besonders bitter. Schließlich lebt er von Anfang an unbescholten in Deutschland. In Mönchengladbach wurde er sofort nach Gründung der städtischen Kunstförderung c/o von Kurator Hubertus Wunschik in die Riege der durch das städtische Kulturbüro anerkannte Riege der c/o-Künstler aufgenommen. Nicht weniger als 500 Schüler konnten von seinem Können profitieren, anfangs in der von ihm mitbegründeten Moskauer Schule, Akademie für Malerei, jetzt unter eigener Regie.

„El camino comienza en su casa“ – Der Weg beginnt in Ihrem Haus

Doch so einfach lässt sich Shamsudin Achmadow nicht von dem Wunsch nach einer Pilgerreise abbringen. „Das Pilgern ist Suche nach Gott“, sagt der 55-Jährige Sufi. Die Sufis sind eine mystisch orientierte Untergruppe der sunnitischen Mehrheit im Islam. Zu der gehören beispielsweise auch die Derwishe. Diese asketische Ordensgemeinschaft erlangte Berühmtheit durch die Mitglieder, die sich drehend in Trance versetzen, um Allah nahe zu kommen. „Und wir Sufis müssen Gott suchen“, erklärt Achmadow. So ist es für ihn naheliegend, sich der Pilgerwege der Christen zu bedienen. Ende Mai wird er sich anstatt nach Osten gen Westen wenden und sich auf den Jakobsweg machen, ganz offiziell mit dem in Aachen ausgestellten Pilgerpass. „Ich habe mich erkundigt, sie haben mir am Telefon gesagt, dass meine Religionszugehörigkeit zum Islam kein Hinderungsgrund ist“, sagt er und freut sich. Er wird den gesamten Weg von Beginn an zu Fuß machen, rechnet mit zwei bis drei Monaten für den Weg, hat im Rucksack nur das nötigste, Schlafsack, ein kleines Zelt, etwas Wäsche zum Wechseln, Kochgeschirr, Besteck, nicht zu vergessen das Tagebuch und den Skizzenblock.

Portraitmalen für die Reisekasse

Den wird er brauchen, denn er will sich seine Reise unterwegs mit Malen finanzieren: Sich auf die Marktplätze setzen und die Menschen in einer Kohlezeichnung portraitieren, so, wie er es in Vorst (Tönisvorst, Kreis Viersen) immer tut, wenn ihn seine ehemalige Schülerin Erika van der Sandt zur Teilnahme am Markt „Kunst, Kultur und Kulinarisches“ bittet. Schnell erkennt er die wesentlichen Züge in den Gesichtern der Modelle und bringt sie in kurzer Zeit so exakt und naturgetreu zu Papier, dass die Portraitierten begeistert sind.

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 Der ewige Kampf zwischen Licht und Dunkel

Andererseits erwartet er sich Anregungen für seine Kunst. Augenblicke in der Natur, die er an seinem Wohnort Mönchengladbach vermisst, von denen seine Bilder jedoch sprechen. Auch wenn Formen und Strukturen nur wenig gegenständlich sind, so drängt sich beispielsweise unweigerlich der Eindruck einer Schlucht auf, in die sich ein Wasserfall stürzt –  in dem sich das Licht sammelt. Oder das Licht bricht durch das dunkle Dickicht des Waldes und zeichnet schwarz und scharf den Umriss eines Baumes.  „Gott ist Licht“, sagt Achmadow. Eine Labsal im Dunkel, dass sonst herrscht und das in seinen Bildern ebenfalls den entsprechenden Raum hat. Das erklärt die spirituelle Dimension seiner Werke, deren mystische Tiefe die Betrachter in den Bann zieht. „Mit einem Bild darf der Betrachter nicht fertig werden“, sagt er über den eigenen Anspruch an seine Kunst. „Man muss auch nach Wochen, Monaten und Jahren etwas Neues darin entdecken und fasziniert sein. Dabei hat Achmadow noch zur Zeiten des Kommunismus Bildhauerei und Malerei studiert hat. Zu diesere Zeit hatte die Kunst den Maximen des sozialistischen Realismus zu genügen, in der Religion keinen Platz hatte. „Aber wir wurden perfekt in Technik ausgebildet“, sagt er. „Das ist eine sehr gute Grundlage für gute Bilder.“ Günter Kreitz, der bereits vor zehn Jahren ein erstes Bild von Achmadow gekauft hat, beschreibt die Faszination folgendermaßen. „Die Farben sind so weich, und dann dieses Licht! Darin kommt für mich „Es werde Licht!“ zum Ausdruck“, jener Ausspruch aus Buch Genesis, mit dem alles begann.

Sponsor ermöglicht die Reise

Kreitz ist es auch, der Achmadows Pilgerreise nun endlich möglich macht. Der Unternehmer ist Geschäftsführer der Kreilac GmbH, die innovative Hallenheizungssysteme plant, liefert und montiert. Er stellt dem Künstler ungenutzte Räume auf dem Firmengelände an der Bozener Straße 67 kostenlos zur Verfügung. „Wenn ich, wie früher, monatlich die Pacht für ein Atelier aufbringen müsste, ginge das nicht“, sagt Achmadow.